Weißabgleich bei der Bildbearbeitung

Maske des Gradationskurven-Dialogs in PhotoshopMöchte man während der Bildbearbeitung einen Farbstich korrigieren, d.h., einen Weißabgleich durchführen, sind zuerst die Zielfarben Schwarz, Weiß und Neutralgrau einmal festzulegen.
Diese Farb-Meßpunkte erreicht man in Photoshop über den Dialog der Gradationskurven (Strg+M) „Bild / Anpassen / Gradationskurven…“ oder die Tonwertkorrektur (Strg+L) „Bild / Anpassen / Tonwertkorrektur…“.
Mit einem Doppelklick rechts unten jeweils auf die entsprechende Pipette gelangt man in den Farbaufnahme-Bereich und kann folgende RGB-Werte eingegeben:

  • Tiefen (Schwarz): 13, 13, 13
  • Mitten (Neutralgrgau): 128, 128, 128
  • Lichter (Weiß): 245, 245, 245

Maske des Farbaufnahme-Dialogs für Schwarz-WerteMaske des Farbaufnahme-Dialogs für Grau-WerteMaske des Farbaufnahme-Dialogs für Weiß-Werte

Diese Werte haben gegenüber den ursprünglichen Standardwerten den Vorteil, daß die Tiefen und auch die Lichter noch genügend Zeichnung haben. Je nach Art des Monitors und der späteren Anwendung (Bildschirmausgabe oder Druck) kann man ggfs. die Werte noch leicht anpasssen, z.B. auf 10, 132 und 250. Das ist dann individuell auszuprobieren.
Nachdem die Werte festgelegt sind, beendet man den Dialog der Gradationskurven bzw. Tonwertkorrektur mit OK. Es sollte folgende Abfrage erscheinen.

Maske beim Verlassen des Gradationskurven-Dialogs

Mit „Ja“ sollten die Werte gespeichert werden, so daß sie von nun an bei jedem Aufruf verfügbar sind.
Zur Farbkorrektur geht man danach wie folgt vor:
1. „Bild / Anpassen / Gradationskurven…“ (Strg+M) oder „Bild / Anpassen / Tonwertkorrektur…“ (Strg+L)
2. Auswahl einer der Pipetten für „Tiefen setzen (Schwarz)“, „Mitteltöne setzen (mittl. Grau)“ oder „Lichter setzen (Weiß)“ und damit eine gewünschte korrespondierende Stelle im Bild anklicken.
Zum Beispiel mit der Weiß-Pipette auf einen weißen Hintergrund klicken, der leider nicht immer weiß ist. ;-). Mit der Schwarz-Pipette kann man z.B. in einen Schattenbereich klicken. Neutral Grau (auch mittleres Grau genannt) findet man oft nicht direkt im Bild. Hier ist eine Graukarte von Nutzen, die man im ersten Bild einer Aufnahme-Serie fotografiert. Dann kann man nämlich die Farbkorrektur an dieser Referenzaufnahme vornehmen. Die so gefundenen Einstellungen speichert man in der Tonwertkorrektur bzw. der Gradationskurve, und kann sie danach auch auf andere Bilder, die unter den gleichen Beleuchtungsbedingungen aufgenommen worden sind, übertragen. Damit braucht man nicht bei jedem Bild mit den Pipetten wieder neue Punkte auswählen. In allen weiteren Bildern der gleichen Serie werden jetzt einfach nur die Einstellungen im jeweiligen Dialog (Gradationskurve oder Tonwertkorrektur) geladen.
Bei Verwendung von Einstellungsebenen für die Tonwertkorrektur bzw. die Gradationskurven wird es noch einfacher, dann können die Einstellungen sofort per Drag & Drop dieser Ebenen übertragen werden.
Hier ein Vorher-Nachher-Beispiel:

Rechts wurde der Weiß-Punkt auf den Hintergrund und der Schwarz-Punkt aufs Kleid gesetzt.Beispielfoto vor der FarbkorrekturBeispielfoto nach der Farbkorrektur

Erstes Foto-Shooting 2010 im Schnee

Outdoor-Shooting mit Denise im Sollbrüggen-Park KrefeldNachdem jeder auf „Daisy“ gewartet hat, und mit dem Schlimmsten rechnete, blieb Krefeld glücklicherweise von dem Unwettertief verschont. Die Gelegenheit habe ich genutzt und mit Denise das erste Outdoor-Shooting des Jahres durchgeführt. 🙂
Außerdem war es gleich ein besonderes Shooting, denn hier in der Gegend liegt selten soviel Schnee, daß es schön winterlich aussieht. Somit haben wir gleich die Möglichkeit zu „richtigen“ Winter-Aufnahmen genutzt. 😉
Da es bedeckt gewesen ist, hatten wir ein etwas wenig Licht, so daß ich ISO 200 verwendet habe, um teilweise bei Blende 8 max. 1/125 s Belichtungszeit zu erhalten. Damit konnte ich Verwacklungsunschärfe aus der Hand vermeiden. Für das Ganzkörperportrait, also sozusagen die Fashion-Aufnahmen, habe ich diese kleine Blende gewählt, um genügend Schärfentiefe zu haben. Je nach Bildausschnitt und Hintergrund, z.B. bei den Nahaufnahmen, bin ich dann auf Blende 5.6 und ca. 1/250 s gegangen. Durch den bedeckten Himmel und der weißen Schneefläche hatten wir sehr schönes diffuses Licht. Trotzdem habe ich wieder den Aufsteckblitz verwendet, um sicherzustellen, daß das Gesicht ausreichend belichtet wird, und um die Spitzlichter in den Augen zu erhalten.
SpyderCube von Datavision - die neuartige 'Graukarte'Die Belichtung habe ich auf dem Kamera-Display durch Sichtprüfung der Aufnahme sowie über das Histogramm kontrolliert. Ich habe immer die Überbelichtungswarnung eingeschaltet, so daß ich sofort in sehr hellen Bereichen, wie hier z.B. den Schnee, Überbelichtung feststellen kann. Die Belichtung über den gesamten Farbraum konnte ich im Histogramm überprüfen. Dort läßt sich schnell ermitteln, ob sich am linken Rand, also in den Tiefen extreme Unterbelichtungen ergeben haben. Den Weißabgleich hatte ich wie fast immer auf Automatik stehen, und habe ihn der Kamera überlassen. Um bei der Bildbearbeitung im nachhinein eventuell eine angemessene Korrektur vornehmen zu können, habe ich zuerst unter den selben Lichtverhältnissen wie beim Shooting als Referenzbild einfach den SpyderCube fotografiert. Mit dieser neuartigen „Graukarte“ habe ich einen weißen, schwarzen und vor allem neutralgrauen Meßpunkt verfügbar. 🙂

High-Key-Fotografie

Die High-Key-Fotografie stellt genau das Gegenteil von der Low-Key-Fotografie dar. Bei diesem speziellen Fotografiestil überwiegen im Bild die hellen Farb- bzw. Grautöne. Daher könnte man solche Aufnahmen auch als „Gute-Laune-Bilder“ bezeichnen. Sie sind hell und sanft in den Farben bzw. in zarten Grautönen bei S/W-Aufnahmen ausgearbeitet. Auf harte Kontraste sollte man bei High-Key-Fotos verzichten, die Schatten sind ausgeleuchtet und nicht mehr sichtbar.
Der Unterschied zwischen einem High-Key-Bild und einer überbelichteten Aufnahme läßt sich im Histogramm erkennen. In den hellen Bereichen ist keine Struktur mehr vorhanden, denn die Tonwertverteilung reicht bis an den Maximalwert von Weiß heran, ohne vorher abzufallen.
Histogramm einer High-Key-AufnahmeIm Histogramm eines High-Key-Bildes verteilen sich die Tonwerte über den gesamten Bereich. Der Schwerpunkt liegt bei den hellen Tönen, aber man erkennt auch im dunklen Bereich vorhandene Tonwerte. Auf der rechten Seite erfolgt ein Abfall der Kurve vor dem reinem Weiß, so daß noch Zeichnung in den Lichtern vorhanden ist. Das Bild ist korrekt belichtet, würde man versuchen eine High-Key-Aufnahme zu erstellen, in dem man das Foto überbelichtet, erhält man weiße Flächen ohne Struktur. Die Stellen wirken ausgefressen, bei der Ausbelichtung wäre in den Bereichen theoretisch das Fotopapier zu sehen, da reines Weiß nicht gedruckt werden kann.
High-Key-Aufnahme zum HistogrammBei der Low-Key-Aufnahme kommt man bereits mit einer Lichtquelle aus, im Gegensatz dazu kann man bei High-Keys nicht genügend Licht verfügbar haben. Nur dann kann das Bild seine leichte und helle Wirkung entfalten. Auch hierbei ist viel Erfahrung und Wissen bezüglich der Belichtung und Lichtführung notwendig, damit das Foto eben nicht überbelichtet wird. Je nach Motiv und beabsichtigter Wirkung kann man mit wenigen dunklen Bildelementen Blickpunkte setzen. Für ein klassisches High-Key-Bild sollte man eher ein hellhäutiges, blondes Fotomodel einsetzen, sowie helle Kleidung und einen hellen Hintergrund wählen. Das Beispielbild ist also eher grenzwertig, da die roten Haare des Models einen intensiven Kontrast zum restlichen Bild darstellen. Im Histogramm sind auch deutlich die dunklen Tonwerte links von der Mitte zu erkennen.

Warum braucht man eine Graukarte?

Die Belichtungsmessungen der Digitalkameras versuchen einen Meßwert für die mittlere Helligkeit, auch Neutralgrau oder 18%-Grau genannt, zu finden. Das bedeutet, die Tonwerte reichen im Idealfall von Schwarz über verschiedene Grauabstufungen bis Weiß. Ein Tonwert mit 18%-Grau liegt in der Mitte zwischen Schwarz und Weiß. Die Belichtungsmessung ermittelt also den Lichtwert für den Mittelpunkt des Tonwertumfangs.
Oft genug gibt es im Motiv aber keine konstante Tonwertverteilung bzw. kein Neutralgrau, so daß die automatische Belichtungsmessung der Kamera nicht die optimalen Meßwerte für Blende und Zeit ermitteln kann, und man schnell ein leicht über- bzw. unterbelichtetes Bild erhält. Außerdem kommt es meistens auch zu einem durchaus erkennbaren Farbstich im Bild.
Für diesen Fall gibt es die sogannte Graukarte, um später bei der Bildbearbeitung leichter eine Tonwertkorrektur durchführen zu können. Im Regelfall ist diese Karte aus Kunststoff mit einer Farbbeschichtung von 18%-Grau. Diese Karten gibt es in den unterschiedlichsten Größen, z.B. vom Mini-Format für die Hemdtasche über DIN A5- bis hin zur DIN A4-Größe.
Bevor man nun sein eigentliches Motiv aufnimmt, fotografiert man die Graukarte vorher unter den gleichen Lichtverhältnissen. Später beim „Bilderentwickeln“ also bei der Bildbearbeitung, kann man bei der Tonwertkorrektur mit diesem „Testbild“ das Neutralgrau festlegen. Diese ermittelte Tonwertkorrektur übertragt man dann auf alle Aufnahmen, die unter den selben Lichtverhältnissen aufgenommen wurden. Die Verwendung der Graukarte eignet sich damit sehr gut, wenn man Aufnahmeserien von einem Motiv anfertigt. Bei Einzelaufnahmen verzichtet der Hobby-Fotograf 😉 meistens auf den Einsatz der Graukarte, weil es zu zeitaufwendig ist. Da verläßt man sich auf die manuelle Korrektur und verändert die Tonwerte nach Augenmaß während der Bildbearbeitung.

Farbtafel und Graukarte aufgenommen neben einem Fenster bei Tageslichteinfall mit automat. Weißabgleich der KameraBild nach Tonwertkorrektur, Schwarz- und Weißpunkt wurden auf den Feldern der Farbtafel gesetzt, Neutralgrau wurde auf die Graukarte gesetzt