Auswahlkriterien für das Objektiv

Um ein Objektiv zu beurteilen, sollte man sich das Bildergebnis, wie es aus der Kamera kommt, ansehen. Das Display der Kamera ist dazu viel zu klein, um die Qualität einer Optik oder anderer Bildqualitätsmerkmale zu beurteilen. Das geht sehr viel genauer an einem Computermonitor. Falls der Händler keinen Computer bereitstellt, an dem man sich Testbilder der Kameras ansehen kann, so nimmt man eine Speicherkarte mit ins Geschäft, die zum potentiellen Modell kompatibel ist. Auf dieser Speicherkarte nimmt man ein paar Testbilder auf, die man sich dann zu Hause anschauen und analysieren kann.
Bei einer digitalen Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit, die Objektive zu wechseln, ist die Auswahl gleich etwas größer. Man hat z.B. zu entscheiden, welche Brennweite die Optik bereitstellen soll, um für bevorzugte Motive geeignet zu sein. Ein Teleobjektiv für die großen Sportplätze, ein mittleres Teleobjektiv für Sporthallen und allgemeine Aufnahmen, und eventuell ein Weitwinkel-Objektiv für spezielle Aufgaben.
Egal für welchen Zweck man welche Optik beurteilt, die Auswahlkriterien sind dieselben:

  • Wie gut sind Schärfe und Fokus in allen Bereichen? Kann die Optik feine Details auflösen? Sind die Bildecken ebenso scharf wie die Bildmitte? Das sollte man auch über den gesamten Zoom-Bereich bei Objektiven mit variablen Brennweiten betrachten. Manche Optik kann die Bildschärfe in den Ecken im Weitwinkelbereich nicht halten. Man sollte auch Bilder mit unterschiedlichen Blenden aufnehmen, vor allem mit größter Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) bis hin zu kleiner werdenden Blenden (große Blendenzahl).
  • Gibt es Schatten an den Bildrändern (Vignettierung)? Wird das Bild bei Einstellung der Optik in die Zoom-Endbereiche (höchste und niedrigste Brennweite) verzerrt? Die tonnenförmige Ausstülpung vertikaler Linien nach innen oder außen ist meist nur bei Weitwinkelobjektiven ein Problem. Aber selbst wenn ein Objektiv leichte Verzerrungen abliefert, mag das in alltäglichen Situationen hinnehmbar sein.
  • Hat das Objektiv Probleme mit Spiegelungen (Lens-Flares)? Das sind farbige Reflexionen, die meist nur im Weitwinkelbereich auftreten, wenn gegen eine Lichtquelle fotografiert wird. Solche Reflexionen sind im Nachhinein fast nicht mehr aus dem Bild entfernbar.

Man sollte bei der Auswahl der Objektive die maximal mögliche Blendenöffnung berücksichtigen. Ein Objektiv mit großer Blendenöffnung lässt eine geringere Schärfentiefe zu, dadurch wird zum einen der kreative Einsatz der geringen Schärfentiefe ermöglicht, und zum anderen kann man dadurch Belichtungszeiten verkürzen, um z.B. Bewegung einzufrieren (bei Sportaufnahmen in Hallen unverzichtbar).

Sportfotografie beim Hockey

Szene beim Feldhockey: ZweikampfFeldhockey gehört ebenfalls zu den Mannschaftssportarten, die unter freiem Himmel gespielt werden. Obwohl die deutschen Mannschaften bei den Damen und Herren international sehr erfolgreich sind, sei es bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen oder in der Champions League, hält sich das Zuschauerinteresse in den nationalen Ligen in Grenzen. Somit hat man auch hier gute Chancen, selbst in der 1.Bundesliga am Spielfeldrand fotografieren zu dürfen. Das Spielfeld ist zwar etwas kleiner als beim Fußball oder American Football, aber ansonsten hat man es mit den gleichen Wetter- und Lichtverhältnissen zu tun. Wie sonst auch, sollte man Gegenlicht vermeiden. Das führt zu Lichtreflexen und schwachem Kontrast in den Aufnahmen. Deshalb sollte man seinen Standort auch nach Sonnenstand bzw. -verlauf wählen und nach Möglichkeit eine Perpektive mit der Sonne im Rücken suchen.
Szene beim Feldhockey: ZweikampfEinen Fußball abzubekommen kann schon recht unangenehm sein, aber die Bekanntschaft mit dem kleinen harten Hockeyball kann sehr schmerzhaft werden, daher sollte man immer dieses Spielgerät im Auge behalten. Aus diesem Grund wird man auch nicht die Aufnahmeposition während des Spiels unnötigerweise wechseln, selbst wenn es die Platzanlage zuläßt. Ein guter Standort ist im Bereich zwischen Viertel- und Mittellinie. Von dort hat man die Zweikämpfe im Mittelfeld wie am Schußkreis und Torszenen im Blickfeld, sowie die Strafecken und die Trainerbänke. Aus dieser Perspektive erhält man neben den üblichen Trainerbildern noch zusätzliche Motive während der Auszeiten, da sich die Mannschhaft meistens direkt in Nähe der Ersatzbank versammelt.
Szene beim Feldhockey: Zweikampf vor dem Tor mit FlugeinlageFür den Anfang reicht die altbekannte Allzweckwaffe, das mittlere 70-200mm Objektiv fast aus. Mit einem 300mm Objektiv erreicht man sogar den Schußkreis am anderen Spielfeldende, und deckt dann das gesamte Spielfeld ab. Hockey ist ebenfalls eine schnelle Sportart, so daß man wieder mindestens mit 1/640s zu arbeiten hat. Blende und ISO-Wert sind entsprechend den vorhandenen Lichtverhältnissen zu wählen. Wie auch bei anderen Sportarten im Freien, wird man vor Spielbeginn mit ein paar Probeaufnahmen die beste Belichtungseinstellung für die gegebene Lichtsituation suchen. Falls notwendig, ermittelt man Einstellungen für die sonnigen Bereiche wie für die Schatten, genauso wie für den Bereich der Ersatzbank.
Szene beim Feldhockey: Trainer am Spielfeldrand, unzufrieden mit Schiedsrichter-EntscheidungEine Besonderheit gibt es beim Hockey aufgrund des Spielgeräts. Man wird die Spieler in Aktion im Regelfall in gebeugter Haltung aufnehmen, egal ob bei Zweikämpfen, Schlenzbällen oder Dribblings. Daher ist hier eine niedrige Aufnahmeperspektive sinnvoll. Da man kaum das ganze Spiel über knieend oder hockend verbringen kann, ist hier ein Falthocker nützlich. Damit ist man auf Augenhöhe mit den Spielern und sitzt zudem bequem. Nicht gerade kostengünstig, aber dafür qualitativ hochwertig sind die Hocker von Walkstool. Wer häufig in sitzender Position fotografiert, sollte sich das Angebot einmal anschauen, er wird dieses Zubehör zu schätzen lernen. 😉

Fotografieren beim American Football

Im laufenden Monat startet die neue American Football-Saison. Bei dieser Sportart kommt es noch mehr darauf an, das man die Regeln halbwegs kennt und auch mit den taktischen Möglichkeiten ein wenig vertraut sein sollte. Nicht umsonst wird American Football auch als „Rasenschach mit Menschen“ bezeichnet.
Szene beim American Football: Ein Laufspiel wird gestopptAls Zuschauer ist es schon schwierig den Spielzügen zu folgen, und zu erkennen wo der Ball sich gerade befindet. Möchte man American Football fotografieren, sollte man aber annähernd vorausahnen können, was passieren könnte. Ist eher ein Laufspielzug oder ein Passspiel zu erwarten? Wer könnte der Paßempfänger sein? Das Spiel ist zu schnell, um einfach nur zu reagieren, vor allem dann, wenn der Ball viele Yards das Spielfeld entlang geworfen wird.
Versucht man dem Ball zu folgen, wird es kaum gelingen, oft sieht man ihn gar nicht, z.B. bei Laufspielen oder Täuschungsmanövern. Man hat also vorher zu entscheiden, ob man den Quarterback beobachtet, um den Wurf einzufangen oder die mögliche Ballübergabe an den Runningback, oder ob man den Paßempfänger (Receiver) beobachtet, um das manchmal spektakuläre Fangen des Balles zu fotografieren.
Da das Spielfeld die Ausmaße eines Fußballfeldes hat, wird man von der Zuschauertribüne aus kaum gute Bilder machen können. Deshalb bleibt einem nur der Spielfeldrand. Nachdem die NFL Europe seit 2007 den Spielbetrieb eingestellt hat, gibt es „nur noch“ den normalen deutschen Ligenbetrieb von der Bundes- bis zur Landesliga. Für den Amateurfotografen ergeben sich damit aber immer noch genügend Gelegenheiten, denn die Stadien bzw. die Sportart sind nicht gerade von Fotografen überlaufen. Deshalb bekommt man nach freundlichem Nachfragen sehr wahrscheinlich die Erlaubnis vom Spielfeldrand aus zu fotograferieren, selbst in den höchsten Ligen.
Szene beim American Football: Ballübergabe des Quarterback an den RunningbackAllerdings gibt es am Spielfeldrand keinen Standort, von dem man das gesamte Spiel gut im Überblick hat, egal welche Brennweiten man einsetzt. Im Gegensatz zum Fußball stehen die Spieler beim Amercian Football etwas geballter in einem kleineren Bereich und erscheinen auch massiger. Man sollte also nach Möglichkeit immer auf Ballhöhe bleiben. Das hat aber auch den Vorteil, daß man z.B. bereits mit einem mittleren Teleobjektiv von 70-200mm gut über die Runden kommt. Nur für wirklich lange Pässe über fast das ganze Feld benötigt man ein 300 oder 400mm Objektiv.
Szene beim American Football: Ein Paß wird abgefangen (Interception)Der Ball wird vor jedem Spielzug vom Schiedsrichter aufs Feld gelegt, an diesem Anspielpunkt kann man sich leicht orientieren, um den geeigneten Standort zu finden. Außerdem wird am Spielfeldrand durch zwei Marker die 10-Yard-Zone angezeigt, die mindestens in vier Versuchen zu überwinden sind. In diesem Bereich ist das hauptsächliche Geschehen zu erwarten. Abgesehen vom Laufspielzug prallen dort die Offense und Defense aufeinander. Falls man einen Passspielzug erwartet, kann man noch ein paar Meter in Angriffsrichtung weitergehen, wenn man denn den Receiver besser ins Bild bekommen möchte.
Da während des Spiels je nach Spielsituation das komplette Team auswechselt wird (Offense, Defense und Special Team), mehrere Trainer aktiv beteiligt sind, und man am Feldrand in unmittelbarer Nähe der Teamzone ist, lonht sich immer wieder ein Blick in diese Richtung. Dort findet man Motive, die es bei anderen Sportarten sonst nicht zu sehen gibt. Außerdem gibt es am Spielfeldrand sogar in den untersten Ligen immer wieder hübsche Mädels zu fotografieren, nämlich die Cheerleader. 🙂
Szene beim American Football: Laufspielzug im RegenDa Football eben in denselben Stadien gespielt wird wie Fußball, hat man mit den gleichen Wetter- und Lichtverhältnissen zu rechnen wie sie sich eben bei Außenaufnahmen ergeben können (Sonne, Schatten, Regen usw). Aufgrund der Schnelligkeit bei dieser Sportart, benötigt man wieder Belichtungszeiten von 1/640s und schneller. Um dies unter allen Bedingungen zu erreichen, braucht man auch hier lichtstarke Objektive und ggfs. hohe ISO-Werte und damit eine möglichst rauscharme Kamera.
Szene beim American Football: taktische Besprechung während einer AuszeitEine besondere Herausforderung ist das Fotografieren der Gesichter der Spieler. Zum einen fällt durch den Helm oft ein Schatten aufs Gesicht, zum anderen sind selbst in Deutschland mittlerweile einige dunkelhäutige Spieler im Einsatz. Damit das Gesicht nun nicht unterbelichtet wird, ist meistens eine Belichtungskorrektur von 1/3 bis 2/3 Blenden notwendig, um eine leichte Überbelichtung zu erzielen, und das Gesicht somit erkennbar zu machen. Wie immer bei wechselnden Lichtverhältnissen oder schwierigen Lichtsituationen sollte man ein paar Testaufnahmen machen, um die besten Belichtungswerte zu ermitteln.
Szene beim American Football: kurz vorm Spielzugbeginn (Snap)American Football ist sicher keine Sportart für den Einstieg in die Sportfotografie. Neben einer guten Ausrüstung benötigt man auch sehr gute Kenntnisse über die Sportart und das Spiel ansich. Dafür ist es eine faszinierende Sportart, die nicht alltägliche Motive bietet.

Weißabgleich bei der Bildbearbeitung

Maske des Gradationskurven-Dialogs in PhotoshopMöchte man während der Bildbearbeitung einen Farbstich korrigieren, d.h., einen Weißabgleich durchführen, sind zuerst die Zielfarben Schwarz, Weiß und Neutralgrau einmal festzulegen.
Diese Farb-Meßpunkte erreicht man in Photoshop über den Dialog der Gradationskurven (Strg+M) „Bild / Anpassen / Gradationskurven…“ oder die Tonwertkorrektur (Strg+L) „Bild / Anpassen / Tonwertkorrektur…“.
Mit einem Doppelklick rechts unten jeweils auf die entsprechende Pipette gelangt man in den Farbaufnahme-Bereich und kann folgende RGB-Werte eingegeben:

  • Tiefen (Schwarz): 13, 13, 13
  • Mitten (Neutralgrgau): 128, 128, 128
  • Lichter (Weiß): 245, 245, 245

Maske des Farbaufnahme-Dialogs für Schwarz-WerteMaske des Farbaufnahme-Dialogs für Grau-WerteMaske des Farbaufnahme-Dialogs für Weiß-Werte

Diese Werte haben gegenüber den ursprünglichen Standardwerten den Vorteil, daß die Tiefen und auch die Lichter noch genügend Zeichnung haben. Je nach Art des Monitors und der späteren Anwendung (Bildschirmausgabe oder Druck) kann man ggfs. die Werte noch leicht anpasssen, z.B. auf 10, 132 und 250. Das ist dann individuell auszuprobieren.
Nachdem die Werte festgelegt sind, beendet man den Dialog der Gradationskurven bzw. Tonwertkorrektur mit OK. Es sollte folgende Abfrage erscheinen.

Maske beim Verlassen des Gradationskurven-Dialogs

Mit „Ja“ sollten die Werte gespeichert werden, so daß sie von nun an bei jedem Aufruf verfügbar sind.
Zur Farbkorrektur geht man danach wie folgt vor:
1. „Bild / Anpassen / Gradationskurven…“ (Strg+M) oder „Bild / Anpassen / Tonwertkorrektur…“ (Strg+L)
2. Auswahl einer der Pipetten für „Tiefen setzen (Schwarz)“, „Mitteltöne setzen (mittl. Grau)“ oder „Lichter setzen (Weiß)“ und damit eine gewünschte korrespondierende Stelle im Bild anklicken.
Zum Beispiel mit der Weiß-Pipette auf einen weißen Hintergrund klicken, der leider nicht immer weiß ist. ;-). Mit der Schwarz-Pipette kann man z.B. in einen Schattenbereich klicken. Neutral Grau (auch mittleres Grau genannt) findet man oft nicht direkt im Bild. Hier ist eine Graukarte von Nutzen, die man im ersten Bild einer Aufnahme-Serie fotografiert. Dann kann man nämlich die Farbkorrektur an dieser Referenzaufnahme vornehmen. Die so gefundenen Einstellungen speichert man in der Tonwertkorrektur bzw. der Gradationskurve, und kann sie danach auch auf andere Bilder, die unter den gleichen Beleuchtungsbedingungen aufgenommen worden sind, übertragen. Damit braucht man nicht bei jedem Bild mit den Pipetten wieder neue Punkte auswählen. In allen weiteren Bildern der gleichen Serie werden jetzt einfach nur die Einstellungen im jeweiligen Dialog (Gradationskurve oder Tonwertkorrektur) geladen.
Bei Verwendung von Einstellungsebenen für die Tonwertkorrektur bzw. die Gradationskurven wird es noch einfacher, dann können die Einstellungen sofort per Drag & Drop dieser Ebenen übertragen werden.
Hier ein Vorher-Nachher-Beispiel:

Rechts wurde der Weiß-Punkt auf den Hintergrund und der Schwarz-Punkt aufs Kleid gesetzt.Beispielfoto vor der FarbkorrekturBeispielfoto nach der Farbkorrektur

Sportfotografie-Einstieg beim Fußball

Fußball ist immer noch die bekannteste Sportart hierzulande, so daß auch sehr viele angehende Sportfotografen über genügend Vorwissen verfügen sollten, um sich mehr den fotografischen Aspekten widmen zu können als mit den offenen Fragen zum Spiel oder den Mannschaften. Fußball wird in etlichen Ligen gespielt, daher bieten sich auch dem Einstieger genügend Gelegenheiten Erfahrung zu sammeln und seine Kenntnisse zu erweitern. Denn eine Akkreditierung für Spiele der ersten Ligen bekommen nur Fotografen mit bestimmten Presseausweisen und Redaktionsaufträgen. Manchmal ist es sogar notwendig, Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) zu sein.
Aber in den unteren Ligen sind die Arbeitsbedigungen für den Anfänger in der Sportfotografie sowieso besser. Man kommt oft wesentlich näher an den Spielfeldrand, und man kann sich relativ frei bewegen, also während des Spiels z.B. die Position wechseln. Außerdem könnte sich ein privater Kontakt zu einem Verein auf lokaler Ebene nach einem Aufstieg in höhere Ligen zusätzlich auszahlen, wenn man dann trotz allem eine Akkreditierung bekommt, und man sich dann doch mitten unter den Berufsfotografen wiederfindet. 😉
Wer bereits Mitglied in einem Verein ist, der wird sich sicher zuerst mit „seiner Sportart“ befassen, und hat dadurch natürlich ganz andere Möglichkeiten als ein Außenstehender. Da kommt man schneller mal in Bereiche und hinter die Kulissen, die sich fotografisch lohnen, so daß man nicht alltägliche Bilder erhält.
Zurück zum Fußball. Den besten Standort gibt es nicht, viel hängt vom Spielverlauf ab, und dem was man im Bild festhalten möchte. Außerdem hängt der Wirkungskreis auch von der Ausrüstung ab. Mit dem üblichen Teleobjektiv 70-200 mm deckt man nur einen kleinen Teil des Spielfeldes ab, anderes als mit einem 300-mm- oder sogar 400-mm-Objektiv. Ein guter Ansatzpunkt ist der Strafraum. Dort spielen sich im Regelfall die interessantesten Szenen ab. Ecken und Freistöße, daraus resultierende Kopfballduelle und der Einsatz des Torhüters bieten oft spektakuläre Aufnahmen. Manchmal ergeben sich aber langweilige Taktikspiele, in denen sich die Action im Mittelfeld ergibt. Lange Pässe oder Abschläge führen dort zu Kopfballszenen, Dribblings zu „Slalom-Läufen“ und Zweikämpfen, deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, sich eine zeitlang in Nähe der Mittellinie zu postieren. Das wiederum ist nur in unteren Ligen möglich, da man in den oberen Spielklassen die Fotografenzone während des Spiels nicht wechseln bzw. sich nicht einfach außerhalb derer positionieren darf.
Ein Standort in Nähe der Trainerbank ist auch nicht verkehrt, vor allem dann, wenn es sich um einen „aktiven“ Trainer handelt, der beim Spiel mitgeht, Emotionen und Reaktionen zeigt.
Wie sonst auch, sollte man Gegenlicht vermeiden. Das führt zu Lichtreflexen und schwachem Kontrast in den Aufnahmen. Die Standortwahl hängt somit auch vom Sonnenstand bzw. -verlauf ab. Nach Möglichkeit sucht man sich eine Perpektive mit der Sonne im Rücken. Schwierig wird es, wenn durch den Schatten der Tribünen das halbs Stadion im Dunkeln versinkt, während die andere Hälfte sich im gleißenden Sonnenlicht befindet. Hier kann man sich einerseits auf eine Spielhälfte konzentrieren und die Belichtungswerte daran ausrichten, oder andererseits die Blendenautomatik vesuchen, in der man die notwendige Belichtungszeit vorgibt, und die Blendenwahl der Kamera überläßt. Ggfs. ist hier der ISO-Wert anzupassen, damit die Kamera noch geeignete Zeit-Blende-Kombinationen einstellen kann, und Bilder nicht unterbelichtet werden.
Die Belichtungseinstellungen sind einer der Gründe, warum man einige Zeit vor Spielbeginn im Stadion bzw. auf dem Sportplatz sein sollte. Dann hat man genügend Zeit, mit ein paar Probeaufnahmen die beste Belichtungseinstellung für die gegebene Lichtsituation zu finden. Man ermittelt so die Einstellungen für die sonnigen Bereiche wie für die Schatten, genauso wie für den Bereich der Ersatzbank. Damit kann man dann mitten im Spiel relativ schnell die Einstellungen der jeweiligen Situation anpassen. Um die Action-Szenen beim Sport halbwegs einzufrieren, ist eine Belichtungszeit von 1/640s fast schon die längste Zeit, die man einstellen sollte. Kürzer ist immer besser. Für Aufnahmen vom Trainer reichen Zeiten von ca. 1/250 s aus, selbst dann, wenn er Arme oder Hände bewegt. 🙂
An sonnigen Tagen fängt man mit einem ISO-Wert von 200 an, dann erreicht man durchaus mit Blende 5.6 eine Belichtungszeit von 1/2500 s oder sogar kürzer. Ist es bewölkt und die Lichtsituation dadurch schlechter, sollte man eher auf ISO 400, wenn nicht sogar 800 gehen. Das hängt davon ab, mit welcher Blende man fotografieren möchte bzw. kann. Während man im Strafraum eher eine große Schärfentiefe gebrauchen kann, um alle relevanten Spieler und damit die Szene ggfs. scharf abzubilden, reicht für einen Zweikampf im Mittelfeld u.U. Blende 4.0 aus. Hier ist eben auszuprobieren, mit welchen Einstellungen man die gewünschten Ergebnisse erzielen kann. Bei redaktionellen Fotos für die Zeitung reicht Blende 2.8 aus, damit erzielt man genügend Schärfentiefe. Bei Flutlichtspielen in großen Stadien kommt man sogar an einer Offenblende von 2.8 nur selten vorbei. Auch wenn die Lichverhältnisse fürs menschliche Auge mehr als ausreichend sind, ist es für die Kamera relativ betrachtet immer noch sehr dunkel. Ausgangspunkt für die Einstellungen bei einem Flutlichtspiel können sein 1/640 s, Blende 2.8 und ISO 800. Und hierbei ist ein Spiel in einem großen Stadion gemeint. Die etwas größeren „Straßenlaternen“ auf den üblichen Sportplatzen bieten so wenig Licht, daß man mit Blende 2.8 und einer 1/640 s bei einem ISO-Wert von 3200 landet. Damit erhält man aber immer noch eine Aufnahme, die um fast zwei Blenden unterbelichtet ist, und aufgrund der ISO-Zahl schon sehr gut rauscht. Man benötigt hier also in den unteren Ligen eine bessere Ausrüstung als beim Profifußball. 😉