Das funktionale Portrait – Homestory

Während Studio-Aufnahmen von formalen und klassischen Portraits eine gute Kontrolle über Bildausschnitt und Lichtverhältnisse bieten, und der Fotograf sich alleine auf die Charakterisierung des Fotomodels konzentrieren kann, liefert das funktionale Portrait weitere Möglichkeiten, die Persönlichkeit herauszuarbeiten. Der Mensch definiert sich ja nicht nur über Aussehen, Mimik und Ausstrahlung, sondern auch über sein persönliches Umfeld. Dazu gehören neben seiner beruflichen und gesellschaftlichen Funktion auch seine Hobbies und Interessen, sein Zuhause wie auch spezielle Fähigkeiten. Aufnahmen in gewohnter Umgebung und bei gewohnten Tätigkeiten bieten zusätzlich den Vorteil, daß sich das Model entspannter gibt als im Studio mit der eher kühlen, ungewohnten Atmosphäre und der verwirrenden, vielleicht sogar einschüchternden Technik.
Plant man Aufnahmen im privaten Umfeld des Fotomodels sollte man trotz allen Engagement nicht vergessen, daß man in der Wohnung oder dem Haus zu Gast ist. Man sollte beim Rundgang die Wirkung der Räume und die Lichtverhältnisse abschätzen. Der ausgewählte Raum sollte die Stimmung des Fotos unterstützen, aber nicht dominieren. So kann es durchaus passieren, daß man das Fotomodel behutsam zu überzeugen hat, daß der Lieblingsraum z.B. aufgrund der Lichtverhältnisse unzureichend ist, um die gewünschte Wirkung mit der Aufnahme zu erreichen.
Im Allgemeinen sollte man sowieso versuchen in mehreren Räumen und, falls vorhanden, auch im Garten Bilder zu machen. Von Fall zu Fall ist dann zu entscheiden, ob man zusätzliches Licht benötigt. Eventuell reichen große Fenster und ein Reflektor aus, um somit auch die natürliche Lichtstimmung zu erhalten. Zusätzliches Licht durch Blitz oder Leuchten sollte man sparsam einsetzen. Eine private Location ist eine Location wie jede andere auch, so daß es hier ebenfalls sinnvoll ist, sich die Örtlichkeit vorher einmal anzuschauen. Dann kann man sich mit dem Umfeld und den Lichtverhältnissen vertraut machen, und die Aufnahmen entsprechend planen. Für den Hobbyfotografen sollte das kein Problem darstellen, denn im Regelfall wird man vorerst nur Verwandte, Freunde oder gute Bekannte fotografieren. Und deren Heim hat man meistens vorher schon einmal gesehen bzw. kann vor dem Shooting ohne große Umstände sicher einmal einen Besuch vereinbaren.

Nahaufnahme – Die Nase

Da kleine schmale Nasen als attraktiv und ansehnlicher gelten, sollte man große und dominante Nasen durch entsprechende Aufnahmeparameter zurücknehmen. Deshalb ist in solchen Fällen auf eine zu starke Profilaufnahme zu verzichten. Allzu breite Nasen kann man durch eine eher seitliche Aufnahme schmaler erscheinen lassen. Zu kleine „Stupsnasen“ verlangen mehr nach einem Halbprofil.
Hat man es also mit einer prägnanten bzw. sehr auffälligen Nase zu tun, sollte man Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven vornehmen. Dann kann man besser beurteilen, welche Wirkung die Bilder bei einem hervorrufen, und das Foto wählen, das das Model im besten Licht erscheinen läßt.
Beim Thema Licht kommen wir zu einer weiteren Tücke, die eine Nase mit sich bringen kann. Es bilden sich gerne unliebsame Schatten unterhalb oder seitlich der Nase. Mit einer zweiten Lichtquelle (manchmal genügt bereits ein Reflektor) kann man diese Schatten aber aufhellen, wenn nicht sogar ganz eliminieren. Eventuell reicht es sogar aus, das Gesicht etwas weiter der Lichtquelle zuzuwenden, wenn es vom Motiv her möglich ist und sonst nicht dagegen spricht. Man sollte allerdings auf Überstrahlungen achten, denn gerade auf Nasenspitze und Stirn bilden sich häufig Lichtflecken, da diese Stellen vor allem bei Studioaufnahmen zu viel Licht abbekommen.

Nahaufnahme – Die Augen

Nahaufnahmen sind für den Fotografen vermeintlich einfacher zu fotografieren als Bildaussschnitte, denn hier gibt es weniger störende Einflüsse durch Hintergrund, Kleidung, Accessoires oder sogar durch die Haare bzw. Frisur. Andererseits könnte man Close-ups auch zur schwierigsten Disziplin ernennen, denn hierbei verzeiht einem die Aufnahme keinen Fehler, von Komposition über Ausleuchtung bis Schärfe hat alles 100% zu stimmen, damit das Bild harmonisch wirkt. Es wird allein vom Gesichtsausdruck des Fotomodels dominiert.
Aneta (Kopfportraitbild)Bei einer Aufnahme des gesamten Gesichts sind die Augen das Hauptmotiv. Ihnen gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit bei der Bildgestaltung und den Aufnahmeparameter. Auch wenn man in der modernen Portraitfotografie hinsichtlich des Ausschnitts fast alle Freiheiten hat, existiert eine unumstößliche Regel: Die Augen im Bild müssen scharf abgebildet sein. Bei der Arbeit mit Offenblende gibt es allerdings eine Ausnahme, denn hier beträgt die Schärfentiefe je nach Brennweite oft nur wenige Zentimeter, so daß man eventuell nur ein Auge scharf bekommt.
Dabei ist es Ansichts- bzw. Geschmackssache, welches Auge durch die Schärfe betont wird. Im Regelfall sollte das der Kamera näher liegende Auge betont werden. Anderer Auffassung nach sollte man das besser ausgeleuchtete Auge scharf abbilden. In diesem Punkt sollte man bei der Aufnahme entscheiden, welche Variante besser paßt. Im Idealfall nimmt man beide Möglichkeiten war, und macht zwei Aufnahmen, um später die bessere Variante auszuwählen. 😉
Genauso wichtig wie die Schärfe sind die Lichtreflexe in den Augen. Ein Auge ohne Lichtreflex wirkt auf den Betrachter tot. Auch wenn die Aufnahme ansonsten stimmig ist in allen Komponenten, dieser „Fehler“ macht die Bildwirkung zunichte. Bei Aufnahmen im Freien sowie bei Available Light-Fotografie sollte man mittels eines Reflektors, das kann auch eine helle Wand sein, einen Lichtreflex in die Augen lenken. Bei Blitzaufnahmen erhält man automatisch Lichtreflexe, sog. Spitzlichter in den Augen. Hierzu schließt sich gleich die Frage an, ob auch Mehrfachreflexe vorkommen dürfen, ob also mehrere Lichtquellen im Auge zu sehen sein dürfen. Einen feste Regel gibt es auch hierbei nicht. Es ist im Einzelfall zu entscheiden, ob bei mehr als einem Lichtreflex das Auge noch natürlich wirkt, die Augenfarbe noch zu erkennen ist und die Gesamtwirkung des Fotos nicht zerstört wird. Im schlimmsten Fall retuschiert man nachträglich die störenden Reflexe bei der Bildnachbearbeitung weg.
Ein weiterer wichtiger Faktor bei einem Close-up ist die Blickrichtung. Bei den meisten Nahaufnahmen wird der Blick des Models direkt in die Kamera und damit zum Betrachter führen. Dadurch entsteht eine Kommunikation mit dem Zuschauer, allerdings kann dieser „Blickkontakt“ den Betrachter auch verunsichern, und er schaut das Bild nicht sehr lange an. Bei einem abgewendeten Blick findet zwar keine direkte Kommunikation statt, dafür kann das Foto länger betrachtet werden.
Emotionen lassen sich auch durch eine andere Blickrichtung darstellen. Wer kennt nicht Bildtitel wie „in Gedanken verloren“, „Sehnsüchtig“ und ähnliches. Wenn der Blick des Fotomodels aus dem Bild herausgeht, sollte er sich nicht direkt gegen den Bildrand richten. Er sollte also möglichst kein „Fahndungsfoto“ in Halbprofilansicht entstehen. 😉 Eine z.B. Viertelprofilansicht mit einem Blick leicht nach hinten oder vorne fallend ist wesentlich vorteilhafter.

Faltreflektoren

Faltreflektor zusammengefaltet in der TascheNach den theoretischen Artikeln über Faltreflektoren im Einsatz sowie über die verschiedenen Arten gibt es hier ergänzend ein paar Bilder von diesen nützlichen Hilfsmitteln. 🙂
Der Vorteil dieser Faltreflektoren ist der geringe Platzbedarf. Selbst größere Versionen sind zusammengefaltet gut transportierbar in der mitgelieferten Tasche. Und für den Anfänger gibt es kostengünstige 5-in-1-Angebote. Das bedeutet, für den Diffusor gibt es einen Bezug, der auf jeder Seite eine andere Beschichtung hat, und somit vielseitig einsetzbar ist. Man dreht den Bezug einfach um, und erhält somit schnell eine andere Reflektorfarbe. Die festbespannten Varianten sind teuerer, dafür aber auch qualitätsmäßig besser verarbeitet. Bei ihnen kann eben kein Reißverschluß klemmen und es reißen auch nicht so schnell die Nähte auf. 😉
festbespannter Faltreflektor geöffnet, Zebra-Seite (Zickzack-Muster in Gold/Silber)festbespannter Faltreflektor geöffnet, Weiße-SeiteFaltreflektor geöffnet, Diffusor mit Silber-Bezug außen und Weiß innenFaltreflektor geöffnet, Diffusor mit Schwarz-Bezug außen und Gold innen

Outdoor-Shooting mit Carmen in Moers

Nach einer Terminverschiebung hat das Shooting mit Carmen nun am vergangenen Sonntag stattgefunden. Wir waren im Schloßpark in Moers.
Mit dem Wetter hatten wir Glück, es war ein schöner Herbsttag, die Sonne blinzelte zwar nur gelegentlich durch die Wolken, aber das war von Vorteil. Wir waren zur Mittagszeit unterwegs, so daß wir schönes diffuses Licht hatten. Bei den Aufnahmen im Schatten habe ich wieder den Aufsteckblitz eingesetzt, um die Szene etwas aufzuhellen, der Einsatz eines Reflektors war aufgrund einer helfenden Hand nicht möglich.
Für das Make-up benötigten wir keine Visagistin, Carmen kann sich gut genug selber schminken, es ist vollkommen ausreichend für natürliche Portrait- und Fashionaufnahmen. Den Rest erledige ich mit der Bildbearbeitung. 😉
Outdoor-Shooting mit Carmen im Schloßpark MoersAbgesehen von den üblichen „ruhenden“ Aufnahmen, haben wir diesmal ein wenig „Action“ hineingebracht. 🙂 Um Spaß und Lebensfreude zu vermitteln, hat Carmen in einer Szene eine Handvoll Laub in die Luft geworfen. Damit wir überhaupt eine brauchbare Aufnahme hinbekommen, habe ich meine Kamera auf Serienbilder eingestellt. Auf mein Signal hin, hat Carmen dann die Blätter hochgeworfen, und ich habe die Serie „geschossen“. Für solche Aktionen benötigt man schon eine Kamera mit schneller Bildfolge, so daß meine „Sportkamera“ (Canon 1D) hier ihre Vorteile ausspielen konnte. Sicherlich wird man auch mit 5 B/s erfolgreich sein, aber die Chancen mit 8 B/s sind eindeutig besser, um schneller die gewünschten Ergebnisse zu erhalten.
Zum einen hatte ich Carmen ein Posing-Buch ausgeliehen, um darin ein wenig zu stöbern, zum anderen merkt man ihr an, daß sie aufgrund der Shootings mittlerweile immer besser selbständig posen kann. Genau wie ich es mir vorgestellt habe, läuft die Zusammenarbeit immer besser. Die nächsten Shootings sind bereits in Planung. Offen ist noch das Schlangen-Shooting, und eine Art Abenteuer-Shooting an einer Burg im Stil von Lara Croft. Diese Shootings werden allerdings etwas aufwendiger, und dabei werde ich sehr wahrscheinlich wieder eine Visagistin hinzuziehen, da wir vermutlich Spezial-Effekte beim Make-up benötigen. Eventuell gibt es ein Doppel-Shooting mit Denise, wenn es denn zeitlich paßt.

Outdoor-Shooting mit Carmen im Schloßpark MoersOutdoor-Shooting mit Carmen im Schloßpark MoersOutdoor-Shooting mit Carmen im Schloßpark MoersOutdoor-Shooting mit Carmen im Schloßpark Moers

Fotomodel Carmen: Sedcard Model-Kartei