Arbeitsablauf (2) – Favoriten auswählen

Nachdem man die Bilder importiert und halbwegs organisiert auf der Festplatte hat, fängt man an die Fotos zu bewerten. Gerade im Bereich der Portraitfotografie sollte man nur die allerbesten Bilder auswählen, die man letztendlich bearbeitet und veröffentlicht.
Im ersten Durchgang kann man schon mal getrost alle Fotos löschen, die auch nur annähernd unscharf sind. Auch durch die beste Bildbearbeitung gelingt es nicht ein unscharfes Bild scharf abgebildet zu bekommen. Und vor allem Unschärfe im Bereich der Augen ist bei einem Portrait unverzeihlich und nicht akzeptabel. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Wenn es künstlerisch so gewollt ist, daß z.B. das Gesicht unscharf dargestellt wird, während ein anderes Körperteil durch gezielte Schärfe in den Fokus gerückt wird, dann wird man dieses Bild selbstverständlich nicht löschen. 😉
Ich nutze wiederum Lightroom, um Bilder zu bewerten und auszuwählen. Man hat bei diesem Programm die Möglichkeit Sterne und Farben zu vergeben sowie ein Status-Flag zu setzen. Für mich war bisher die Sterne-Vergabe ausreichend. Im ersten Durchgang vergebe ich einen Stern an alle Bilder, die ich behalten möchte. Dann filtere ich alle Fotos, und lasse mir diejenigen ohne Stern anzeigen. Das sind im Regelfall die Löschkandidaten. Darunter sind eben nicht nur unscharfe Bilder oder Testaufnahmen, um die Belichtung zu prüfen, sondern auch Bilder, auf denen ich eventuell Fußspitzen, Finger oder andere Gliedmaßen angeschnitten habe bzw. auf denen das Model die Augen geschlossen hatte oder eine andere Grimasse bzw. offensichtlich unvorteilhafte Pose zu sehen ist. Ich könnte die Bilder selbstverständlich sofort bei der ersten Durchsicht löschen, aber so habe ich noch einmal die Möglichkeit, die Entscheidung zu revidieren. Eventuell läßt sich das Foto doch noch über einen Bildausschnitt retten, weil der Gesichtsausdruck sich in den anderen Bildern der Serie nicht so wiederfindet.
Mit jedem weiteren Sichtungsdurchgang hangel ich mich dann über die Sternen-Vergabe durch bis zu der Auswahl meiner Spitzenfotos. 🙂 Aus den 1-Stern-Bildern suche ich die 2-Sterne-Bilder heraus, daraus die 3-Sterne-Bilder. Bei einem Shooting mit ca. 200 Fotos
reicht eine 3-Sterne-Auswahl aus. Man sollte sich von vornherein zwingen, kritisch seine Bilder zu beurteilen, und sich dadurch auch nicht lange mit durchschnittlichen Fotos aufhalten. Bei meiner 3-Sterne-Verteilung ergibt sich z.B. folgendes Verhältnis: ca. 15% 3-Sterne-, ca. 25% 2-Sterne- und ca. 60% 1-Stern-Bilder.
Nach dem Bewertungsdurchgang füge ich abschließend noch weitere Suchbegriffe hinzu, wie z.B. den Modelnamen, Typ der Aufnahme (outdoor, indoor oder Studio), Art der Aufnahme (Portrait, Fashion usw) und andere interessante Kriterien. Da ich die Bilder nicht kommerziell nutze und nicht über eine Bildagentur anbiete, reichen mir für den Hausgebrauch wenige Schlagwörter aus. Ich suche sehr selten in alten Fotos nach bestimmten Aufnahmen. Im Regelfall kann ich das Gesuchte bereits über den Modelnamen und das ungefähre Datum einkreisen. Aufgrund der guten Übersicht in Lightroom finde ich dann das benötigte Bild sehr schnell.
Wer seine Bilder zum Verkauf anbietet, der sollte sich die Suchbegriffe sehr genau überlegen. Je mehr passende Schlagwörter man dem Bild zuordnet, desto eher wird es gefunden und damit steigen natürlich die Chancen auf einen Verkauf. Man sollte auch nicht nur das was offensichtlich zu sehen ist verschlagworten, sondern auch genau betrachten, welche Emotionen das Bild auslöst. Diese Gefühlsbegriffe heben das Foto dann bei der Suche aus der Masse des Angebots hervor.

Arbeitsablauf – Importieren & Organisieren

Die ersten drei Schritte des Basis-Workflows lassen sich im Regelfall zusammengefassen, vor allem mit Lightroom wird der Arbeitsablauf sehr einfach. Man kann selbstverständlich auch manuell die Bilder von der Speicherkarte auf den Computer kopieren, und dann mit einem kostenlosen Progamm wie z.B. dem FastStone Image Viewer die Dateien umbenennen, sowie grundlegende Metadaten hinzufügen.
Bevor man die Bilddateien auf den Computer lädt, sollte man sich die Namensvergabe überlegen. Mit den Originalnamen wie z.B. „_MG6523.cr2“ kann man wenig anfangen, genauso wenig wie mit „Urlaub_auf_Mallorca_im Sommer_2009_Nr2353.cr2“. 😉 Die Benennung und Organisation der Bilder hängt natürlich davon ab, was und wieviel man fotografiert. Ich habe mich dazu entschlossen, jeweils übergeordnet einen Jahresordner anzulegen, und in diesen dann pro Shooting einen Unterorder zu erzeugen. Somit kann ich selbst auf Systemebene schnell ein Shooting wiederfinden, und z.B. einfach Daten sichern, in dem ich dann einzelne Ordner auf externe Speichermedien kopiere bzw. eine DVD brenne. Die Shooting-Ordner benenne ich nach dem Model und ergänze den Namen noch mit dem Datum, da ich schon mal häufiger mit dem selben Model zusammenarbeite. Da ich nur wenige Shooting-Termine im Jahr habe, reicht mir als Hinweis z.B. „Denise_20100110“ aus, um zu wissen, um welche Bilder es sich handelt. Die Bilddateien benenne ich in der Form „Datum_TJ_lfdNr“, also z.B. „20100220_TJ_001.cr2“. Die Fotomodelle bekommen eine Auswahl der Bilder, aus denen sie diejenigen Fotos aussuchen können, die ich für sie dann bearbeite. Somit finde ich schnell die entsprechenden Aufnahmen wieder, wenn sie mir die Dateinamen übermitteln. Aufgrund des Modelnamens und des Datums finde ich sofort in den richtigen Ordner, so daß ich nur noch die Bildnummer zu suchen brauche. Mein Namenskürzel im Dateinamen dient dem Model als Hinweis, damit es weiß, von wem die Fotos sind. 🙂
Nach diesen Vorüberlegungen lassen sich nun die Bilder von der Speicherkarte ganz einfach auf die Festplatte kopieren, sofort umbennen und in den Katalog von Lightroom importieren. Im Import-Dialog dieser Software kann man den entsprechenden Ordner auswählen bzw. anlegen, in den die Bilddateien kopiert werden sollen. Man kann sogar gleichzeitig eine Sicherungskopie in einen anderen Ordner erstellen lassen. Außerdem kann man den neuen Dateinamen angeben und den Startwert der lfd. Nummer festlegen, so daß beim Import die Dateien sofort umbenannt werden. Für die Metadaten lassen sich sogenannte „Presets“ erstellen, in denen erste grundlegende Informationen hinterlegt werden können, z.B. Fotografen-Name, Kontaktdaten und allgemeine Suchbegriffe.
Damit habe ich die Bilder organisiert und gespeichert im für mich richtigen Ordner mit dem gewünschten Dateinamen und mit elementaren Metadaten. Die ersten Schritte des Arbeitsablaufs sind erledigt, jetzt kann ich die Sichtung und Auswahl der Bilder vornehmen.

Wie lernt man am besten Fotografieren?

Aufgrund der Bildkritik wird man versuchen, beim nächsten Shooting die bemängelten Punkte zu verbessern. Zusätzlich kann man auch professionelle Unterstützung suchen. Fast überall gibt es mittlerweile Workshops zu den unterschiedlichen Themen der Fotografie. Leider gibt es bei diesen Angeboten genauso wie in anderen Bereichen gute und schlechte Anbieter. Wie erkennt man nun ein seriöses Angebot?
Ist ein Workshop von vornherein als Model-Sharing ausgeschrieben, dann sollte man als Anfänger auf eine Teilnahme verzichten. Bei diesem Angebot erhält man selten theoretische wie praktische Unterstützung. Es geht eher darum, daß sich mehrere Fotografen die Studio- und Modelkosten teilen. Dafür hat dann jeder Teilnehmer eine entsprechende Zeit verfügbar, in der er mit dem Model Aufnahmen machen kann. Man ist also auf sich allein gestellt, und wenn man wenig Kenntnisse über Studiotechnik besitzt, und auch mit den Posing- Anweisungen fürs Fotomodel nicht vertraut ist, dann wird man nur wenig Nutzen aus dieser Art Workshop ziehen. 🙁
Bei der Ausschreibung des Workshops sollte man darauf achten, wieviel Zeit für wieviele Fotografen verfügbar ist, und wieviele Modelle und Trainer anwesend sind. Bei sechs Fotografen, einem Fotomodel und vier Stunden Workshop kann man sich leicht ausrechnen, wieviel Zeit einem bleibt, um Aufnahmen zu machen. In dieser Zeit sollte der Workshopleiter einem die Technik und den Lichtaufbau erklären, sowie bei der Bildgestaltung und dem Posing helfen. Es kann sich jeder selber vor Augen führen, ob ihm die errechnete Zeit ausreicht, und er etwas aus dieser Veranstaltung lernen kann.
Man sollte also darauf achten, daß das Verhältnis von teilnehmenden Fotografen, zur Anzahl der Fotomodelle und Trainer stimmt. Drei bis vier Teilnehmer pro Model und Trainer scheint eine sinnvolle Anzahl zu sein. Und damit wirklich Wissen vermittelt werden kann, sollte der Workshop mindestens sechs Stunden dauern. Manchmal findet man in der Ausschreibung auch schon Hinweise auf den Ablauf. Gute Workshops beginnen erst mit einem Theorieteil, in dem der Trainer zu einem Thema referiert. Danach geht es dann zum praktischen Teil über und man macht Aufnahmen mit dem Fotomodel. Im Idealfall gibt es zum Abschluß noch die Möglichkeit einer Bildbesprechung über die zuvor angefertigten Fotos. 🙂
Um sich wirklich fotografisch weiterzuentwickeln, sollte man die Angebote gut prüfen. Günstige Workshops sind selten brauchbar. Erst wenn man genügend Erfahrung gesammelt hat, lohnen sich diese „Model-Sharings“. Dann erhält man umgerechnet oft eine kostengünstige Gelegenheit mit einem Fotomodel im Studio zu arbeiten. In der Kürze der Zeit kann man sicher zwei, drei Ideen umsetzen. Außerdem braucht man sich nicht um die Organisation zu kümmern. Studio und Model sowie Technik sind verfügbar. Man braucht sich für dieses Shooting nur aufs Fotografieren vorbereiten, also Bildideen sammeln und Requisiten besorgen. 😉