Ausblick auf kommende Aktivitäten

Inwieweit ich diesen Blog überhaupt weiterführe, weiß ich noch nicht. Im Grunde ist bereits hier alles Wesentliche veröffentlicht. Jetzt liegt der Blog-Inhalt sogar als gedrucktes Gesamtwerk vor (mit reichlich Beispiel-Bildern).
Wie es weitergeht, hängt auch davon ab, wo und was ich demnächst fotografieren werde. Im Augenblick sieht es wieder nach einer Spezialisierung auf Hockey aus. In dieser Sportart habe ich das größte Angebot vor der Haustür. Außerdem konnte ich in den letzten Jahren gerade in diesem Bereich direkt Kunden gewinnen, und brauche daher keine Agentur als Vertriebskanal. Die übrige Zeit kann ich immer noch für interessante Veranstaltungen bei Randsportarten nutzen, um das Bildmaterial dann über eine namhafte Agentur zu verkaufen.
Ich hoffe, das ich zwischendurch auch mal wieder Zeit haben werde, um mich mit der „richtigen“ Fotografie zu beschäftigen. Allerdings ist das nicht nur ein Terminproblem, sondern scheitert in erster Linie an den fehlenden geeigneten Fotomodellen. Mal abwarten, was sich über den Jahreswechsel hinweg bei der Sportfotografie entwickelt. Vielleicht steige ich im nächsten Frühjahr wieder intensiver in die „Menschenfotografie“ ein.

Vorbereitung eines Shootings (1)

Gerade dann, wenn man anfängt sich mit der Menschenfotografie zu beschäftigen, sollte ein Shooting gut vorbereitet werden. Selbst einem „alten Hasen“ wie mir passiert es, daß ich z.B. ein bestimmtes Requisit oder Ausrüstungszubehör vergesse. 😉 Daher sollte man bei der Planung folgende Fragen immer im Auge behalten: Wer, Wann, Wo, Was und Warum.

  • Wer?
    Mindestens ein Fotomodel, das man im Regelfall bereits vorher bei einem kurzen Treffen kennengelernt hat. Falls das aus Gründen der Entfernung nicht möglich ist, sollte man zumindest telefonisch die Einzelheiten des Shootings besprechen. Dabei erfährt man auch schon ein wenig über sein Gegenüber, und kann etwas den Typ einschätzen, um daraus hinsichtlich der Art der Aufnahmen und Wahl der Location eine Entscheidung treffen. Vorteilhaft ist weitherin, wenn man bereits Fotos des Models vorher gesehen hat, aber das wird meistens der Fall sein, da man seine Fotomodelle über entsprechende Angebote wie z.B. der Model-Kartei sucht.
  • Wann?
    Da Tages- und Jahreszeit die Lichtverhältnisse beeinflussen, plant man seine Outdoor-Aufnahmen hinsichtlicht der Lichtrichtung und -verhältnisse am Aufnahmeort. Eventuell benötigt man zusätzliche Lichtquellen (z.B. portable Blitzanlage), vielleicht reicht auch schon ein Reflektor oder der Aufsteckblitz aus. Außerdem sollte man berücksichtgen, wann man aufgrund der Lichtverhältnisse sogar Aufnahmen vermeiden sollte bzw. wann man besonders „schönes“ Licht in der Location vorfindet (z.B. Sonnenuntergang).
  • Wo?
    Wenn man nicht gerade im Studio arbeitet, dann bestimmt der Aufnahmeort den Hintergrund und das Umfeld. Das fließt in die Bildideen ein, und damit in die Wahl des Bildausschnitts und Brennweite. Hinsichtlich der Lichtverhälnisse ergeben sich die Überlegungen wie zur Frage „Wann“.
  • Was?
    Abgesehen vom Model, spielt hier die Location-Wahl eine große Rolle. In welchem Rahmen finden die Aufnahmen statt? Das Umfeld beeinflußt nämlich die Art der Portrait- und Mode-Aufnahmen. Sollen mehr formelle Aufnahmen entstehen oder eher entspannte, mehr persönliche Bilder.
  • Warum?
    Diese Frage dürfte mit die wichtigste sein. Für welchen Zweck werden die Aufnahmen erstellt? Benötigt das Model oder der Fotograf die Bilder für private oder berufliche Zwecke. Sollen die Bilder für die Sedcard des Models entstehen oder in einem Buch veröffentlicht werden. Der Zweck gibt meistens die Richtung für die Fotos vor.

Der „Mensch“ als Bildmotiv

Die Menschenfotografie gehört zu den Bereichen der Fotografie, die vermutlich die höchsten Ansprüche an den Fotografen stellt. Denn man braucht Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Geduld und ein wenig Psychologie, um mit Fotomodellen gut zusammenarbeiten zu können. Dafür erhält man dann auch nur von diesen „Motiven“ eine Rückmeldung zu den Ergebnissen. Und wenn man sich an die auch im Alltag üblichen Umgangsformen hält, wie Höflichkeit, Respekt und Aufmerksamkeit, dann wird man im Regelfall mit positiven Reaktionen belohnt werden. 🙂
Die Modelle werden aus allen Bereichen und Altersgruppen kommen, zu Beginn noch aus dem vertrauten und bestens bekannten Freundeskreis sowie der näheren Verwandtschaft. Im Laufe der Zeit wird man aber immer mehr mit Fremden vor der Kamera zu tun haben. Alle werden aber sicher eines gemeinsam haben, sie werden in den wenigsten Fällen jemals zuvor im Leben vor einer Kamera gestanden haben.
Aus diesem Grund sollte auch jeder Fotograf sich mindestens einmal im Leben vor die Kamera begeben, um aus der Erfahrung heraus sich besser in die Situation des Fotomodels hineinversetzen zu können.
Möchte man einen Menschen portraitieren, ist es zwingend notwendig ihn vorher ein wenig kennengelernt zu haben. Deswegen sollten Fotograf und Model sich vorab kurz auf einen Kaffee treffen. Das hat den Vorteil, daß man sich über die Einzelheiten des Shootings unterhalten kann, z.B. über die gewünschten Aufnahmen, die benötigte Kleidung, die geplanten Aufnahmeorte sowie auch über den Einsatz einer Visagistin. Abgesehen davon hat so ein Treffen auch einen positiven psychologischen Effekt für das Model, es lernt in dem Gespräch den Fotografen vorab etwas kennen, so daß dieser Streßfaktor beim eigentlichen Shooting entfällt. Es kann sich bei diesem Treffen allerdings auch herausstellen, daß man gar nicht kreativ zusammenarbeiten kann, weil man keinen Draht zu einander findet, oder weil die Vorstellungen übers Shooting bzw. die gewünschten Aufnahmen zu weit auseinander liegen.
Es ist wichtig, das Shooting gut zu planen, und mit der Ausrüstung sowie Technik vertraut zu sein. Denn wenn der Fotograf bereits hektisch oder nervös ist, weil etwas während der Aufnahmen nicht stimmt, dann übertragt sich das auch auf das Model. Daher ist es von Vorteil, die ersten Shootings mit einem vertrauten Menschen durchzuführen, der es versteht und einem nachsieht, wenn die Aufnahmen nicht wie geplant ausfallen oder man mit der Technik kämpft. 😉
Egal wen man fotografiert, die Freundin oder einen fremden Menschen, Kommmunikation ist das Wichtigste während des Foto-Shootings. Der Fotograf ist die meiste Zeit „versteckt“ hinter der Kamera, das Fotomodel kann seine Gestik und Mimik nicht sehen und deuten, es hat sich auf sein Wort zu verlassen. Daher sollte man immer alles erklären, was man gerade macht und warum. Auch allgemeine Gespräche zwischen den Aufnahmen lockern die Atmosphäre, genauso wie die Lieblingsmusik des Models. Auch wenn man die Einzelheiten bereits vorher besprochen hat, sollte man mit dem Fotomodel nochmal jede Einstellung einzeln durchgehen, bevor man die Aufnahmen macht.
Auch wenn die gewünschte Pose eingenommen wurde, sind immer noch Kleinigkeiten zu verändern. Aber Achtung, wenn die Kleidung oder das Haar nicht korrekt sitzt, oder ein Fusel von der Kleidung zu entfernen ist, bittet man das Model oder eine anwesende Visagistin es zu richten, unter keinen Umständen faßt der Fotograf ungefragt und ohne ausdrückliche Erlaubnis das Model an. Diese Regel ist ein ungeschriebenes Gesetz.
Bei den Posing-Anweisungen ist darauf zu achten, daß sie deutlich und präzise sind. Aus der Sicht des Fotografen sind „links“ und „rechts“ sowie „vorne“ und „hinten“ etwas anderes als fürs Fotomodel. Und eine Anweisung wie „Schaue bitte zu mir“, führt meistens dazu, daß das Model den ganzen Kopf dreht und nicht nur die Augen zur Kamera wendet. Genauer wäre es z.B. „Den Kopf bitte in der Position halten, und mit den Augen in Richtung Kamera schauen“.
Häufig werden Models vom Partner oder der Freundin zum Shooting begleitet. In der heutigen Zeit ist diese Begleitperson durchaus in beiderseitigem Interesse, vor allem dann wenn man alleine im Studio arbeitet, allerdings sollte diese Person nicht den Ablauf des Shootings stören. Daher sollte vorher geklärt werden, wer von Seiten des Fotomodels beim Shooting anwesend ist, und wer und zu welchem Zweck (z.B. Visagistin oder Assistent) seitens des Fotografens vor Ort ist. Oft läßt sich eine Begleitperson auch als Helfer integrieren, z.B. bei Außenaufnahmen zum Halten des Reflektors oder für die letzten Korrekturen an Kleidung und Haaren. 🙂

Fotografisches Sehen lernen

Die technische Seite der Fotografie kann man sich relativ schnell aneignen. Es dauert nicht lange, dann hat man die Einstellungen und Bedienmöglichkeiten der Kamera verinnerlicht. Anders sieht es aus mit der eher kreativen, sprich künstlerischen Seite. Sicherlich gibt es auch hierbei theoretisches Wissen über Motivauswahl und Bildgestaltung, doch im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken, ist der praktische Aspekt.
Durch das Fotografieren ansich wird schon das fotografische Sehen geschult, denn durch die praktische Arbeit wird man sich zwangsläufig weiterentwickeln. Eine weitere gute Möglichkeit ein Gefühl für den richtigen Moment zu bekommen, ist das Betrachten von Bildern. Abgesehen von den eigenen Bildern kann und sollte man sich auch Bilder anderer Fotografen anschauen. Gerade die Bilder, die einem gefallen, sollte man immer wieder mal betrachten. Unter Umständen wird man sie im Laufe des eigenen Entwicklungsprozesses anderes sehen, und Punkte bemerken oder erkennen, die man in der ersten Begeisterung vielleicht sogar übersehen hatte. Geeignetes Bildmaterial findet man in Bildbänden, die oft im Ausverkauf in der Buchhandlung günstig zu erwerben sind. Außerdem ist das Angebot im Internet riesengroß, es gibt sehr viele Fotocommunities und Foren, in denen vom Hobby- bis zum Profi-Fotografen Bilder zu finden sind. Man kann aus guten wie aus schlechten Bildern lernen.
Wenn man ein Bild betrachtet, sollte man sich immer die Frage stellen, warum es einem gefällt oder auch nicht. Wie hat der Fotograf es erreicht, daß man das Bild länger anschaut, und sich mit ihm auseinander setzt. Falls vorhanden, sollte man auch die Kommentare und Anmerkungen der anderen Betrachter lesen. Eventuell gewinnt man auch hieraus Hinweise auf Aspekte, die man selbst in dem Moment noch nicht erkannt hat. Man sollte sich durchaus auch trauen, den Fotografen direkt zu fragen, wie und warum er die Aufnahme so gestaltet hat.
Besonders gut kann man aus Fotos lernen, die einem nicht gefallen oder sogar mißlungen erscheinen. Man sollte genau analysieren, was einem falsch erscheint, und die eigene Meinung mit den Kommentaren der anderen „Bildkritiker“ vergleichen. So lernt man schnell aus „Fehlern“ anderer. Allerdings sollte man nicht vergessen, daß neben den technischen und gestalterischen Aspekten ein Foto auch reine Geschmackssache ist.
Das bedeutet, daß man zu seinem eigenem Stil zu finden hat und man die persönliche Sicht der Dinge nicht verbiegen sollte, um der Masse zu gefallen. Manchmal kommt man nicht daran vorbei, auch gegen Regeln, Grund- und Merksätze zu verstoßen, um zu dem Ergebnis zu kommen, daß man erreichen möchte und einem selbst gefällt.
Wenn irgendwie möglich sollte man seine Kamera überall mithinnehmen. Alleine der Vorsatz zu fotografieren, reicht meistens schon aus, um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen bzw. sie genauer anzuschauen. Es ist nun aber nicht notwendig die komplette Ausrüstung mit sich herumzutragen. Die Kamera mit einem Normalobjektiv reicht vollkommen aus.
Wer sich auf die Menschenfotografie konzentrieren möchte, der sollte z.B. beim Gespräch seine Mitmenschen genauer betrachten. Dabei wird man schnell feststellen, daß man im Gesicht des Gegenübers oft verschiedene Seiten entdeckt, und bei besten Freunden und Verwandten charakteristische Merkmale bemerkt, die einem bisher gar nicht aufgefallen sind, weil sie einfach zu dem Menschen gehören.