Die Körpersprache beim Portrait

Die Körpersprache des Fotomodels sollte zum Gesichtsausdruck passen. Es ist also darauf zu achten, daß Schulterhaltung und Arme harmonisch wirken, und den Betrachter nicht irritieren und ablenken.
Nützliche Erfahrungen kann man sammeln, in dem man Menschen beobachtet. Man schaut, welche Gestik mit welcher Mimik einhergeht, und wie der Gesichtsausdruck durch die Körpersprache unterstützt oder auch abgeschwächt wird. Die Arbeit fängt also nicht erst im Studio an, sondern besser in einem Straßencafé, zumindest aber an einem Ort, an dem man Menschen ungestört beobachten kann. 😉 Diese Beobachtungen kann man dann beim Shooting nutzen, und entsprechende Posing-Anweisungen an das Model geben. Am einfachsten ist es immer, Bildbeispiele zu zeigen oder vorzumachen, was man sich vorstellt. Vor allem, wenn man selber noch Anfänger ist, und wenig Erfahrung in der Modelführung hat. Oder das Fotomodel ist Anfänger, und hat wenig Erfahrung mit dem Posing.
Wenn die Gesamtaussage und Körpersprache abgesprochen und klar sind, reichen danach meist kleine Anweisungen an das Model hinsichtlich der Kopf- und Körperhaltung aus, um kleine Korrekturen vorzunehmen bzw. eine Motiv-Variante zu erhalten. Am besten betrachtet man das Motiv durch den Sucher, und dirigiert das Model in die gewünschte Pose. Vorteilhaft ist hierbei die Arbeit mit einem Stativ. Der festgelegte Bildausschnitt bleibt damit erhalten, man kann eventuell noch die Lichtführung anpassen oder Requisiten verändern bzw. störende Elemente entfernen.
Oft wirken Gesten je nach Menschentyp aufgesetzt und überzogen. Man sollte darauf achten, daß sich das Model bei den Aufnahmen wohlfühlt, und die Bildidee zum Modeltyp paßt. Unwohlsein oder Verunsicherung des Fotomodels zeigen sich meistens im Bild, das sollte vermieden werden. Wenn man bemerkt, daß sich die Aufnahme nicht wie gewünscht umsetzen läßt, sollte man auf diese Bildidee verzichten, und zu anderen Posen übergehen. Die ursprüngliche Bildidee kann man später immer noch mit einem anderem Model erneut versuchen umzusetzen.

Nahaufnahme – Der Mund

Der zweite Blickfang beim Motiv „Gesicht“ ist der Mund. Ein Teil der Attraktivität des Menschen beruht auch auf vollen und gepflegten Lippen, denn damit verbindet man Sinnlichkeit und Erotik sowie auch Genuss, sowohl bei Männern wie bei Frauen. Schmale Lippen werden eher mit negativen Eigenschaften verbunden wie Gefühlskälte und Grausamkeit. Der Mund kann genauso wie die Augen Gefühle ausdrücken und mit dem Betrachter kommunizieren.
Meistens wird nach den Augen der Mund als Zweites auf einem Foto angeschaut. Möchte man ihn mehr in den Hintergrund treten lassen, kann man zum einen mit Unschärfe arbeiten. Da der Fokus auf den Augen liegt, kann man mit Offenblende und langer Brennweite sehr schnell dieses Ziel erreichen. Zum anderen hat man die Möglichkeit mit der Lichtführung den Mund etwas im Schatten „verschwinden“ zu lassen, damit er nicht so auffällig erscheint.

High-Key-Fotografie

Die High-Key-Fotografie stellt genau das Gegenteil von der Low-Key-Fotografie dar. Bei diesem speziellen Fotografiestil überwiegen im Bild die hellen Farb- bzw. Grautöne. Daher könnte man solche Aufnahmen auch als „Gute-Laune-Bilder“ bezeichnen. Sie sind hell und sanft in den Farben bzw. in zarten Grautönen bei S/W-Aufnahmen ausgearbeitet. Auf harte Kontraste sollte man bei High-Key-Fotos verzichten, die Schatten sind ausgeleuchtet und nicht mehr sichtbar.
Der Unterschied zwischen einem High-Key-Bild und einer überbelichteten Aufnahme läßt sich im Histogramm erkennen. In den hellen Bereichen ist keine Struktur mehr vorhanden, denn die Tonwertverteilung reicht bis an den Maximalwert von Weiß heran, ohne vorher abzufallen.
Histogramm einer High-Key-AufnahmeIm Histogramm eines High-Key-Bildes verteilen sich die Tonwerte über den gesamten Bereich. Der Schwerpunkt liegt bei den hellen Tönen, aber man erkennt auch im dunklen Bereich vorhandene Tonwerte. Auf der rechten Seite erfolgt ein Abfall der Kurve vor dem reinem Weiß, so daß noch Zeichnung in den Lichtern vorhanden ist. Das Bild ist korrekt belichtet, würde man versuchen eine High-Key-Aufnahme zu erstellen, in dem man das Foto überbelichtet, erhält man weiße Flächen ohne Struktur. Die Stellen wirken ausgefressen, bei der Ausbelichtung wäre in den Bereichen theoretisch das Fotopapier zu sehen, da reines Weiß nicht gedruckt werden kann.
High-Key-Aufnahme zum HistogrammBei der Low-Key-Aufnahme kommt man bereits mit einer Lichtquelle aus, im Gegensatz dazu kann man bei High-Keys nicht genügend Licht verfügbar haben. Nur dann kann das Bild seine leichte und helle Wirkung entfalten. Auch hierbei ist viel Erfahrung und Wissen bezüglich der Belichtung und Lichtführung notwendig, damit das Foto eben nicht überbelichtet wird. Je nach Motiv und beabsichtigter Wirkung kann man mit wenigen dunklen Bildelementen Blickpunkte setzen. Für ein klassisches High-Key-Bild sollte man eher ein hellhäutiges, blondes Fotomodel einsetzen, sowie helle Kleidung und einen hellen Hintergrund wählen. Das Beispielbild ist also eher grenzwertig, da die roten Haare des Models einen intensiven Kontrast zum restlichen Bild darstellen. Im Histogramm sind auch deutlich die dunklen Tonwerte links von der Mitte zu erkennen.

Low-Key-Fotografie

Manchmal sieht man Fotos, bei denen man im ersten Augenblick meint, daß sie zu dunkel erscheinen, daß sie gar unterbelichtet sind. Betrachtet man sie genauer, erkennt man allerdings alle bildrelevanten Details, selbst Schatten haben noch Zeichnung.
Low-Key oder unterbelichtet? Das ist die Frage. 😉
Low-Key-Aufnahmen sind ein spezieller Stil der Fotografie. Im Bild überwiegen die dunklen Farb- bzw. Grautöne, deswegen wird ein Low-Key-Bild von Anfängern gerne mit einer Unterbelichtung verwechselt. Tatsächlich ist eine Low-Key-Aufnahme keineswegs unterbelichtet, sondern enthält die gesamte Bandbreite der Tonwerte, eben mit dem Schwerpunkt in den Tiefen des Histogramms.
Histogramm eines unterbelichteten FotosDer Unterschied zwischen einem Low-Key-Bild und einer unterbelichteten Aufnahme läßt sich am besten im Histogramm erkennen. Die Bilder wirken aufgrund des geringen Tonwertumfangs bei einer Unterbelichtung trübe, flau und grau, weil die hellen Anteile fehlen und die Schatten zulaufen. In den ganz dunklen Bereichen ist keine Zeichnung mehr vorhanden, denn die Tonwertverteilung reicht bis an den Maximalwert von Schwarz heran, ohne vorher abzufallen.
Histogramm der nachfolgenden Low-Key-AufnahmeIm Histogramm eines Low-Key-Fotos verteilen sich die Tonwerte über den gesamten Bereich. Der Schwerpunkt liegt bei den dunklen Tönen, aber man erkennt auch im hellen Bereich vorhandene Tonwerte. Auf der linken Seite erfolgt ein Abfall der Kurve vor dem reinem Schwarz, so daß noch Zeichnung in den Schatten vorhanden ist. Das Bild ist korrekt belichtet. Oft liest man, daß man Low-Keys macht, in dem man das geplante Bild einfach um zwei oder sogar mehr Blenden unterbelichtet. Das ist Blödsinn.

Bild zum Low-Key-HistogrammLow-Key-Fotografie ist ein technischer Stil, der viel Wissen, Erfahrung und Verständnis für Lichtführung und Belichtung erfordert. Die Aufnahmen sind sorgfältig zu planen, denn auch das Motiv selbst ist entscheidend, ob man ein perfektes Low-Key-Bild erhält. Mit einem hellhäutigen Model in weißem Kleid vor hellem Hintergrund wird man nie eine Low-Key-Aufnahme erstellen können. 😉

Praktische Anwendung von Reflektoren

Mit Reflektor sowie Diffusor kann man bezüglich der Lichtführung fast überall ähnliche Bedingungen schaffen wie im Studio.
Wenn man z.B. bei harter Mittagssonne Aufnahmen machen möchte, ist der Diffusor unverzichtbar. Denn bei direktem, frontalen Sonnenlicht ist es nicht möglich zu fotografieren. Das Model wird von der Sonne geblendet und kann die Augen nicht öffnen. Bei seitlichem Lichteinfall entstehen harte Schatten. Und bei Gegenlicht wird das Gesicht nicht genügend ausgeleuchtet. Man sollte das Fotomodel so platzieren, daß das Licht von schräg vorne kommt, ähnlich dem Hauptlicht im Studio. Zwischen Sonne und Model positioniert man dann den Diffusor. Die der Sonne abgewandte Gesichtshälfte wird dagegen mit einem Reflektor aus Gold- oder Sonnenbeschichtung aufgehellt. So erhält man eine ausgewogene Ausleuchtung, die noch genügend Tiefe und Kontrast hat.
Eine andere Möglichkeit ist, das Fotomodel komplett im Schatten zu platzieren und mit einem oder sogar mehreren Reflektoren das Sonnenlicht indirekt auf das Motiv zu lenken. Hierzu eignen sich ebenfalls goldfarbene Reflektoren, die viel Sonne und warme Hauttöne ins Bild bringen.
Der beste Reflektorhalter ist immer noch der Mensch. Ein Assistent ist in der Lage auf Anweisungen des Fotografen zu reagieren, und durch feine Änderungen in der Haltung das Licht präzise zu führen.
Leider hat man nicht immer eine menschliche Hilfe beim Shooting dabei. Wenn man dann auf Stative zurückgreift, sollte man auf stabile Querbefestigungen achten, denn nur dieses können zwei Hände ersetzen. Wenn Stative nur eine senkrechte Halterung aufweisen, wird sich draußen bei leisestem Wind der Reflektor bewegen und eventuell drehen, daher nicht in optimaler Stellung bleiben.
Für den Diffusor benötigt man Halterungen, die nicht hinter dem Diffusor verlaufen, weil sonst deren Schatten auf das Motiv fallen würden.