Arbeitsablauf (3) – Bilder „entwickeln“

Nachdem man nun die Bilder halbwegs organisiert auf der Festplatte hat, geht es an die grundsätzliche Bearbeitung. Das Ganze ist in etwa vergleichbar mit der Entwicklung eines Negativfilms früherer Tage. Auch wenn viele Hobbyfotografen der Meinung sind, das Bild kommt fertig aus der Kamera, man kann es sich ja sofort anschauen, so ist doch eine gewisse Grundbearbeitung notwendig, um aus der Bilddatei ein richtiges Foto zu machen. Vor allem dann, wenn man im RAW-Format fotografiert. Dieses Format entspricht tatsächlich noch weitestgehend dem Negativ, im Gegensatz zum JPG-Format.
Über die Wahl zwischen RAW- oder JPG-Aufnahmeformat wird fast genauso ideologisch verbissen gestritten wie über die Ausrüstung, ob nun von Canon oder Nikon. Fakt ist, im RAW-Format hat man einfach mehr Spielraum was die Qualitätsverluste bei der Verarbeitung angeht, sowie mehr Möglichkeiten verlorengegangene Bildinformationen bei Über- oder Unterbelichtungen wieder zu rekonstruieren. Andererseits kann man eine qualitativ gute Kamera auch so einstellen, daß man sehr gute JPG-Bilder erhalten kann, die in bestimmten Situationen vollkommen ausreichend sind. Hierzu zählen die berühmten Urlaubsfotos oder auch die Schnappschüsse bei Familienfeiern, also alle Situationen, in denen man selten mit seiner kompletten Foto-Ausrüstung unterwegs ist.
Nutzt man das RAW-Format, dann kommt man um eine gewissse Bildentwicklung nicht herum. In Photoshop oder Lightroom gelangt man automatisch in den Camera Raw-Konverter, wenn man ein Bild im RAW-Format aufruft bzw. importiert hat. Erst dann kann man eine Kopie des Bildes in einem allgemeingültigen Format wie z.B. TIFF zur weiteren Bearbeitung in Photoshop öffnen. Der Konverter in Photoshop ähnelt von den Funktionen her mittlerweile sehr der Oberfläche von Lightroom. Anstatt Reiter in Photoshop hat man eine übersichtliche Arbeitsleiste in Lightroom. Diese Funktionsleiste geht man im Grunde von oben nach unten durch, und bearbeitet die Punkte, die notwendig sind.
Als erstes betrachtet man den Weißabgleich. Hier ist es nützlich, wenn man zu Beginn jeder Aufnahmeserie als Farbreferenz ein Bild mit Graukarte gemacht hat. Dann klickt man mit der Farbaufnahme-Pipette einfach auf diese Graukarte, und schon ist der Weißabgleich farbneutral durchgeführt. Wenn man von vornherein weiß, daß man dadurch eine spezielle Lichtstimmung zerstört (z.B. Sonnenuntergang), die man unbedingt erhalten möchte, dann verzichtet man einfach auf diesen Schritt des Weißabgleichs. Es geht erst einmal nur um die grundsätzliche „Bild-Entwicklung“. Spezielle Bearbeitungsschritte werden später in Photoshop gezielt vorgenommen. Dann sind auch wesentlich bessere Werkzeuge wie Ebenen und Masken verfügbar.
Nach dem Weißabgleich schaut man sich das Histogramm an. Reichen die Lichter bzw. Tiefen an den Rand links bzw. rechts heran? Über den Regler „Belichtung“ reguliert man die Helligkeit des Bildes. Mit „Wiederherstellung“ lassen sich bis zu einem gewissen Grad Überbelichtungen korrigieren. Mit dem „Schwarz“-Regler sowie dem „Aufhellen“ kann man die dunklen Bereiche des Bildes anpassen bzw. rekonstruieren. Mit diesen Aktionen führt man eine sog. Tonwertspreizung durch. Auch hierbei werden ggfs. die Feinheiten später in Photoshop eingestellt. Es geht zuerst darum, daß das Bild insgesamt „gut aussieht“. 🙂
Hat man die Belichtung angepaßt, sollte man den Kontrast über die Gradationskurve verändern. Auch hierbei sind vorerst nur moderate Werte gefragt. Man stellt die Kurve nur leicht steil, in dem man in den hellen Bereichen geringe positive Werte einstellt, und in den dunklen Bereichen entsprechend negative Werte. Die Kurve ist in die vier Bereiche eingeteilt, die auch mit den Reglern im Belichtungsbereich angepaßt werden können. Aufgrund der Änderungen im Kontrast kann es durchaus möglich sein, daß man nochmal ein paar leichte Korrekturen in der Belichtung durchzuführen hat, weil die Endbereiche zu stark beeinflußt wurden.
Während man mit der Gradationskurve den Kontrast im gesamten Bild ändert, kann man mit dem Klarheit-Regler den Kontrast im mittleren Tonwertbereich anpassen. Dadurch werden Lichter und Tiefen nicht beeinflusst. Interessant ist auch der Regler für „Lebendigkeit“. Die Bereiche, die bereits eine starke Farbsättigung vorweisen, werden nicht verändert, nur die Bereiche wenig Farbe werden intensiviert. Inwieweit man nun noch die Möglichkeiten der gezielten Farbveränderungen nutzt (Farbton, Sättigung, Luminanz), bleibt jedem selbst überlassen, und hängt sicher auch von der Aufnahme ab. Im Regelfall nutze ich diese Funktion hier nicht.
Dagegen ist eine sogenannte Entwicklungsschärfung nützlich. Spätestens hier stellt man fest, ob das Bild überhaupt scharf genug ist auch in den Details. Die Schärfung sollte in der 1:1-Ansicht vorgenommen werden. Denn dann sieht man bei gedrückter Alt-Taste (unter Windows) die Veränderungen, wenn man die Regler bewegt. So sieht man z.B. die Maske wie unter Photoshop mit ihren schwarzen geschützten Bereichen und den weißen veränderbaren Bereichen. Die Detail-Anzeige erscheint umgekehrt, die schwarzen Konturen zeigen die Details, die geschärft werden, der hellgraue Bereich bleibt unberührt. Die Stärke der Schärfung wird in einem S/W-Bild dargestellt. Da bei diesem Vorgang das Bild noch nicht endgültig bearbeitet ist, und vor allem der Bildauschnitt sowie das Ausgabegerät noch nicht bestimmt sind, sollte man auch hier moderate Werte nehmen, so daß gerade eine Schärfung zu erkennen ist. Endgültig geschärft wird das Bild erst kurz vor der tatsächlichen Ausgabe, dann wenn auch die auszugebene Bildgröße feststeht.
Nach dieser Basis-Bearbeitung hat man normalerweise ein gutes, vorzeigbares Bild, wie man es z.B. dem Fotomodel bzw. Kunden präsentieren kann. Die Feinheiten wie z.B. Mischlicht-Verhältnisse anpassen, eine Portrait-Retusche oder sogar Foto-Montagen bzw. Freistellungen werden dann in Photoshop vorgenommen.

Portraits bei Available Light

Ein klassisches Motiv in der Available Light-Fotografie ist das Portrait am Fenster. Das Fenster stellt die einzige Lichtquelle dar. Um zu starke Kontrastunterschiede im Bild zu verhindern, sollte man eher ein Nordfenster wählen, anonsten eben direktes Sonnenlicht während der Mittagszeit vermeiden. Es ist auch günstig, einen Raum zu wählen, der durch helle Wände noch Licht reflektiert.
Wenn die Kontrastunterschiede zu hoch sind, und das Fenster weiß überstrahlt, sollte man den Aufnahmewinkel so ändern, daß die Fensterfläche reduziert wird. Damit verringert man den Kontrastumfang im Bild.

Man sollte Available Light grundsätzlich im RAW-Format fotografieren, da eine nachträgliche Korrektur der Belichtung wie auch des Weißabgleichs im JPG-Format verlustbehaftet ist, und oft nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt.

Sportfotografie (3)

weitere Kamera-Einstellungen

Eine weitere wichtige Einstellung an der Kamera bzw. dem Objektiv betrifft die Fokussierung. Im Regelfall nutzt man den Autofokus, d.h., die Kamera fokussiert automatisch bei halbgedrücktem Auslöser. Eine manuelle Fokussierung über den Einstellring am Objektiv läßt sich nur mit Stativ und bei ruhenden Motiven sinnvoll einsetzen. Gerade beim Sport mit häufig sich bewegenden Motiven, vor allem auch schnell bewegend, sollte man den Servo-Modus verwenden. Hierbei regelt die Kamera den Fokus bei halbgedrückten Auslöser ständig nach, so daß man den Sportler verfolgen kann, um dann im richtigen Moment beim Auslösen ein scharfes Bild zu erhalten.
Krefeld Pinguine vs. Adler Mannheim: hinten Charlie Stephens (Krefeld) Torschütze zum 1:1 für Krefeld, am Boden vorne Fred Brathwaite (Mannheim), dahinter Pascal Trepanier (Mannheim)Damit der Fokus auch das Hauptmotiv im Visier hat, sollte man das mittlere Autofokusfeld einstellen. Läßt man nämlich alle Fokusfelder eingestellt, kann es schnell zu Fehlfokussierungen kommen, besonders wenn mehrere Sportler sich im Sucherbild befinden, dann kann die Messung der Kamera irritiert werden.
Um den entscheidenden Moment innerhalb einer Bewegung festzuhalten, sollte man den Serienbildmodus der Kamera nutzen. Auch wenn man keine spezielle Journalisten-Kamera besitzt, die bis zu 8 Bilder pro Sekunde aufnehmen kann, sind 3 Bilder pro Sekunde immer noch besser als ein einzelnes Foto.
Der automatische Weißabgleich ist mittlerweile bei den Kameras sehr gut, so daß man ihn nicht zwingend manuell einzustellen braucht. Hat man eine konstante Lichtsituation wie z.B. in Sporthallen, kann man der Kamera Arbeit abnehmen und den Weißabgleich vorab manuell einstellen. Kommt es dagegen zu sich ändernden Lichverhältnissen z.B. durch Wechsel zwischen Wolken und Sonne, dann erzielt man mit dem automatischen Weißabgleich die besseren Ergebnisse. Am besten probiert man hier einfach aus, wie die Kamera reagiert bzw. welche Ergebnisse die einzelnen Methoden liefern. Speichert man die Bilder im RAW-Format, braucht man sich um den Weißabgleich keine Gedanken machen, diese Dateien ermöglichen es den Weißabgleich ohne Qualitätsverlust auch nachträglich am Computer festzulegen.
FCR Duisburg - 1.FFC Frankfurt: hinten Jennifer Oster (Duisburg), vorne Sandra Smisek (Frankfurt)Ob RAW oder JPG ist eine Frage der persönlichen Vorliebe, der Speicherkapazität und der eventuell benötigen Geschwindigkeit. Aus RAW-Dateien kann man bei Bedarf mehr herausholen als aus einer JPG-Datei. Sie bieten für eine Belichtungskorrektur mehr qualitativen Spielraum und der Weißabgleich kann auch nachträglich festgelegt werden. Das RAW-Format hat allerdings den Nachteil, daß es für den Versand an Zeitungen oder Agenturen entsprechend zeitaufwendig ins JPG-Format umgewandelt werden muß. JPEG-Dateien sind nicht nur kleiner sondern können auch ohne Umwandlung und ohne spezielle Software von jedem überall eingesetzt werden.

Allgemeine Tips (2)

schlechte Fotos sofort löschen

Egal ob im Studio bei Porträt-Aufnahmen oder draußen bei der Foto-Tour durch die Landschaft, zwischendurch sollte man immer wieder die schlechten Fotos sofort in der Kamera löschen. Alles was deutlich über- oder unterbelichtet ist, Bilder die unscharf sind oder bei denen das Motiv schlecht dargestellt ist, braucht man nicht mit nach Hause zu nehmen. Das spart zum Einen Platz auf der Speicherkarte, und zum Anderen später Zeit bei der Bilder-Auswahl. Außerdem hat es den psychologischen Effekt, daß man nur mit den guten Fotos nach Hause kommt, und man sich dann über die gelungenen Ergebnisse freut. 😉

Spitzlichterwarnung einschalten

Durch die Spitzlichterwarnung werden die überbelichteten Stellen im Bild sichtbar. Diese hellen Stellen enthalten keine Details mehr. In diesem Fall sollte man die Belichtungskorrektur verwenden und die Aufnahme solange wiederholen bis es paßt. Es gibt allerdings Motive, bei denen kann man Spitzlichter kaum verhindern, z.B. Reflexionen der Sonne auf einem Auto. Bei anderen Motiven sollte man Spitzlichter oder Glanzflecken allerdings soweit wie möglich vermeiden, z.B. bei Porträts auf der Stirn oder dem Nasenrücken einer Person.

Über- oder Unterbelichten / Belichtungsreihen

In vielen Foren wird immer wieder diskutiert, ob man bei der Digitalfotografie in schwierigen Lichtsituationen besser ein wenig unterbelichten sollte. Nun, das erste Ziel sollte sein, grundsätzlich die Bilder korrekt zu belichten, d.h., noch Zeichnung in Tiefen wie auch Lichtern zu haben. Sollte das aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sein, sollte man eher die leichte Überbelichtung wählen. Ein Verlust in den Details der hellen Bereiche ist eher zu verschmerzen, als wenn man die möglichen Störungen (z.B. Rauschen) in den dunklen Bereichen beim Aufhellen noch verstärkt.
In schwierigen Lichsituationen sollte man daher eher im RAW-Format fotografieren, dann erreicht man im nachhinein mit einer Belichtungskorrektur bessere Ergebnisse als mit dem komprimierten JPG-Format.
Eine weitere Möglichkeit korrekte Belichtungen zu erhalten, ist die Belichtungsreihe. Im Regelfall bieten die Kameras ein Reihe von drei Aufnahmen an. Eine der Belichtungsmessung entsprechend korrekte Aufnahme, eine unter- und eine überbelichtete Aufnahme. Die Abweichung der Belichtung kann meistens eingestellt werden, z.B. jeweils eine Blende in jede Richtung abweichend oder auch nur eine Drittelblende, so daß man entsprechend den Lichtverhältnissen reagieren kann. Man hat also die Möglichkeit von einer leichten Belichtungskorrektur bis hin zu extrem Werten von zwei oder mehr Blendenstufen eine Belichtungsreihe aufzunehmen.

Weißabgleich

Fotografiert man im RAW-Format braucht man sich um den Weißabgleich keine Gedanken machen. Man behält die Auto-Einstellung bei, da man später in der RAW-Konverter-Software den Weißabgleich korrigieren kann.
Nutzt man allerdings das JPEG-Format, sollte man annähernd den passenden Weißabgleich zum Umgebungslicht wählen, den sonst erhält man Aufnahmen mit einem deutlichen Gelb- oder Blau-Stich je nach Lichtverhältnisse. Und eine Korrektur in diesem Format erfordert mehr Zeit und eine gute Bildbearbeitungssoftware.

Experimentieren

In Zeiten der Analog-Fotografie war es noch kostenintensiv sehr viele Aufnahmen zu machen. Filme, Entwicklung und Ausbelichtungen waren teuer im Vergleich zur Digitaltechnik von heute. Sicherlich kostet die Erstausstattung, was Speicherkarten und vor allem den Computer betrifft, zunächst einiges mehr, aber danach spielt es keine Rolle mehr, ob man zehn Aufnahmen von einem Motiv macht oder hundert. Und dadurch kann man es sich leisten zu experimentieren, und verschiedene Perspektiven, unterschiedliche Belichtungen und gewagte Bildauschnitte probieren. Ein Vorgehen, das früher nur den Profis vorbehalten war, jetzt kann auch der Amateur-Fotograf seine kreative Ader ausleben, und das Fotografieren richtig auskosten. 🙂

Literaturempfehlung:
Hedgecoe, John: Fotografieren. Die neue große Fotoschule. Dorling Kindersley Verlag, aktual. Auflage Aug. 2008. ISBN 978-3831013111

Linkempfehlung:
Online-Lehrgang von Tom Striewisch

Kaufberatung (6)

Es gibt noch einige weitere spezielle Ausstattungsmerkmale, die für bestimmte Fotografiermethoden oder Bedürfnisse sinnvoll sein können. Wer sich bis jetzt immer noch nicht für eine Kamera entscheiden konnte, hat hiermit noch ein paar Auswahlkriterien mehr für die Entscheidungsfindung. 😉

Weitere Ausstattungsmerkmale

  • Weißabgleichs- und Fokusreihenautomatik
    So wie bei der Belichtungsreihenautomatik werden hier Aufnahmereihen erzeugt, bei denen zwischen den Einzelbildern die entsprechende Einstellung (Weißabgleich oder Fokus) verändert wird. Besonders bei Makro-Aufnahmen, bei denen es oft schwierig ist, den Fokus exakt zu setzen, ist eine solche Möglichkeit sehr sinnvoll.
  • Fernbedienung
    Die Möglichkeit der Fernbedienung der Kamera ist sinnvoll, wenn man viel vom Stativ arbeitet. Einige Kameras werden gleich mit einer Fernbedienung ausgeliefert, bei anderen muß man sie dazukaufen. Eine kabellose Fernbedienung, meist per Infrarot, hat den Vorteil der höheren Reichweite, aber nicht alle Kameras bieten diese an. Einige Fernbedienungen können die Kamera programmiert bedienen, um z.B. zeitgesteuerte Aufnahmen zu machen oder die Reihenautomatiken zu bedienen.
  • Bedienung über einen angeschlossenen Computer
    Die Möglichkeit, die Kamera von einem angeschlossenen Computer aus zu bedienen, kann im Studio oder auch bei Außenaufnahmen sehr hilfreich sein.
  • Sprachnotizen
    Wenn man Aufnahmen dokumentieren möchte, kann eine Sprachnotiz sehr nützlich sein, allerdings muß man diese Fähigkeit natürlich mit Speicherplatz bezahlen.
  • Grau- oder Neutraldichtefilter
    Ein Grau- oder Neutraldichtefilter verringert die Menge einfallenden Lichtes, ohne die Farben zu verändern. Dies ermöglicht ein breiteres Aufnahmespektrum. Bei einigen Kompaktkameras ist er bereits eingebaut, ansonsten ist er zusätzlich zu erwerben, auf alle Fälle für Objektive der Spiegelreflex-Kameras.
  • Pixelmapping
    Es ist möglich, daß mit der Zeit einige Pixel des Sensors defekt werden. Pixelmapping rechnet diese defekten Punkte im Bild automatisch heraus und ersetzt sie mit interpolierten Punkten.
  • Rauschminderung
    Weil das Rauschen mit längerer Aufnahmezeit steigt, besitzen einige Kameras eine Rauschunterdrückung, die zum Teil automatisch dann eingreift, wenn länger als eine Sekunde belichtet wird.
  • Benutzereinstellungen
    Wenn man feststellt, daß man in verschiedenen Aufnahmesituationen immer wieder dieselben Einstellungen verwendet, ist es hilfreich, wenn man diese jeweiligen Einstellungen als Set auswählbar in der Kamera speichern kann.
  • Automatisches Drehen
    Einige Kameras erkennen, ob Bilder im Quer- oder Hochformat aufgenommen wurden und setzen in der Bilddatei ein entsprechendes Bit. Viele Bildbearbeitungsprogramme können dies auswerten und drehen die Bilder beim Öffnen automatisch, wenn nötig.
  • Drahtlose Bildübertragung
    Bei vielen Kompaktkameras und einigen wenigen hochwertigen Spiegelreflexkameras gibt es heute die Möglichkeit der drahtlosen Bildübertragung von der Kamera zu einem anderen Medium (z.B. Computer).

Wahrscheinlich werden einige dieser Ausstattungsmerkmale bei der Entscheidungsfindung keine hohe Priorität besitzen, abhängig davon, was und wie man fotografieren möchte. Steht man unmittelbar vor dem Kauf einer Kamera, wird man sicher nicht alle diese Merkmale abwägen. Hat man mehr Zeit und Ruhe, ist es sinnvoll, alle Merkmale in Augenschein zu nehmen und zu gewichten.

Bildrauschen

Wenn man Bilder verschiedener Kameras vergleicht, wird man wahrscheinlich als erstes Problem das Rauschen erkennen. Bildrauschen läßt sich grob mit der Körnigkeit bei analogem Filmmaterial vergleichen und ist nicht notwendigerweise etwas Schlechtes, denn es kann Textur und Stimmung im Bild erzeugen.
Dennoch wirkt das Rauschen digitaler Kameras oft aufdringlicher als das Korn bei Film und wirkt oft mehr wie ein farbiger Fleckenteppich als eine unter dem Bild liegende Struktur. Deshalb ist es sinnvoller, eine Kamera zu wählen, die möglichst wenig Rauschen erzeugt.
Rauschen zeigt sich fast immer in dunklen Bildteilen, so daß es diese Bildteile sind, die man zuerst beurteilen sollte.
Es gibt zwei Arten von Bildrauschen: Helligkeits- und Farbrauschen. Helligkeitsrauschen ist hierbei das Angenehmere, denn es erzeugt mehr den Eindruck analogen Filmkorns. Während Helligkeitsrauschen lediglich eine Varianz in der Helligkeit der Pixel bedeutet, so ist Farbrauschen eine Varianz in den Farben der Pixel. Manchmal eine sehr extreme Varianz. Entdeckt man also viele hellfarbige gestreute blaue, rote oder gar violette Pixel in dunklen Bereichen, so liegt es nahe, daß die Kamera ein sehr hohes Farbrauschen produziert.

Weil das Rauschen mit Erhöhung der ISO-Empfindlichkeit steigt, sollte man die Kamera auch bei eben diesen hohen Empfindlichkeiten testen. Weil die ISO-Einstellung an digitalen Kameras von Bild zu Bild verändert werden kann, ist dies für alle ISO-Einstellungen schnell gemacht.

Farbprobleme

Die Farbdarstellung und -reproduktion ist sicherlich das subjektivste Merkmal bei allen Qualitätsbeurteilungen. Was der eine als angenehme und satte Farben empfindet, mag für jemand anderen als übersättigt, knallig und „bonbonfarbig“ gelten.
Wie beim Rauschen ist es allerdings ratsam, einige wirkliche Probleme erkennen zu können. Die Farbprobleme, die es zu beurteilen gilt, sind

  • Farbstiche
    Einige Kameras produzieren sichtbare Farbstiche im Bild. Das sind Abweichungen von der neutralen Darstellung hin zu einer Überbetonung bestimmter Farben, vergleichbar mit Aufnahmen durch einen farbigen Filter. Diese Farbstiche können durchaus nur in bestimmten Bildteilen sichtbar sein, z.B. daß Schatten einen Blaustich aufweisen.
    Neben ausgeprägten Farbstichen gibt es – insbesondere bei (D)SLR-Objektiven – auch unterschiedliche Farbabstimmungen. Es gibt Objektive, die das Motiv wärmer (mehr rötlich), kälter (mit einer Tendenz ins Blaue) oder Neutral abbilden. Farbstiche lassen sich in gewissen Grenzen per Bildbearbeitung meist relativ leicht korrigieren.
  • Schlechter Weißabgleich
    Eine Kamera kalibriert sich aufgrund der vorherrschenden Lichtverhältnisse. Das kann dazu führen, daß eine vorgefundene Lichtstimmung in eine völlig andere Richtung korrigiert wird. Aus einem warmen, rötlichen Licht eines Sommerabends wird ein kaltes bläulicheres Licht wie am hellen Tag. Ein falscher Weißabgleich ist wie ein Farbstich zu sehen, mit der Ausnahme, daß er das gesamte Farbspektrum beeinflusst und nicht nur bestimmte Bildteile. Die Korrektur eines falschen Weißabgleichs kann bei JPG-Aufnahmen schwierig bis unmöglich sein. Bei RAW-Aufnahmen kann der Weißabgleich auch im Nachhinein mit der Konverter-Software angepaßt werden.
  • Farbstörungen an Kontrastkanten
    Viele Kameras oder Objektive sind anfällig für ein Problem, das farbige Ränder an Kontrastkanten erzeugt. Auch ein Überlaufen der Pixel des Sensors auf Nachbarpixel kann solche Farbränder hervorrufen. Das Problem tritt vornehmlich in Situationen auf, bei denen hohe Kontraste in hellem Licht vorliegen. Oft sieht man sie bei Aufnahmen von Blattwerk gegen den hellen Himmel bei recht hohen Brennweiten. Solche Farbfehler sind oft nur am Monitor in hoher Vergrößerung sichtbar und spielen in der Praxis selten eine Rolle. Sie sind auch mit einer Bildbearbeitung relativ leicht zu beheben.
    Diese Farbstörungen sind immer ein Problem der benutzten Optik, können also bei Spiegelreflex-Kameras durch die Wahl eines anderen Objektivs eliminiert werden, was bei Kompaktkameras so nicht geht.

Detailwiedergabe und Schärfe

Der Schärfeeindruck und die Detailwiedergabe eines Bildes ist das Resultat verschiedener Kamerafaktoren: Auflösung, Qualität der Optik und kamerainterne Schärfungsroutinen.
Der einfachste Weg, die Detaildarstellung zu beurteilen ist es, gleiche Bilder direkt nebeneinander zu betrachten. Um das zu ermöglichen, nimmt man Bilder der gleichen Szene mit den verschiedenen Kandidaten auf und vergleicht diese dann am Computermonitor.
Einige Kameras überschärfen die Bilder in der Werkseinstellung der Kamera. Wenn das beim favorisierten Modell der Fall ist, so sollte man prüfen, ob man die Schärfung per Einstellung zurücknehmen kann. Andere Kameras, vornehmlich digitale Spiegelreflexkameras, wenden eine sehr geringe Schärfung auf die Bilder an. Wenn man zum ersten Mal Bilder aus diesen Kameras sieht, werden sie einem vielleicht sehr weich vorkommen. Dies ist aber so beabsichtigt. Schärfung, einmal intern angewendet, lässt sich nicht rückgängig machen, so daß die Hersteller digitaler Spiegelreflexkameras die Schärfung der Bilder lieber dem Fotografen überlassen.

JPG oder RAW

Die meisten Kameras nehmen die Bilder im JPG-Format auf. JPG ist ein hervorragender Kompromiss aus Qualität und Kompression. Dennoch, JPG ist ein verlustbehaftetes Kompressionsverfahren, welches je nach Kompressionsstärke zu sichtbaren Verschlechterungen im Bild führen kann. Weiter noch: viele Kameras nehmen Bilder mit 10 oder gar 12 Bit auf, JPG kann aber nur 8 Bit speichern, was bedeutet, daß eine Menge an Farbinformationen beim Speichern in JPG verworfen werden muß. Deshalb bieten einige Kameras die Speicherung in einem unkomprimierten Rohformat an.
Für maximale Flexibilität und Bildqualität ist eine Kamera, die in einem RAW-Format aufnehmen kann, sinnvoll.

Jetzt gibt es nur noch eins zu sagen. Einkaufen gehen! 🙂

Die meisten Digitalkameras, die es heute zu kaufen gibt, erzeugen eine hervorragende Bildqualität. Natürlich gibt es kleine Unterschiede, und einige Ergebnisse mögen den eigenen Geschmack eher treffen als andere. Dennoch kann man von fast allen Kameras gute und akzeptable Ergebnisse erwarten.
Wenn man die Bildqualität mit ins Kalkül zieht, so sollte man den Preis bedenken, den man dafür zahlt. Das ins Auge gefasste Modell mag vielleicht nicht ganz die Qualität liefern wie die 5000€ teure Spiegelreflexkamera des Nachbarn. Aber wenn man sich als Obergrenze 500€ gesetzt hat, sollte man den leichten Verlust an Bildqualität in Kauf nehmen. Aus diesem Grund sollte man auch Kameras in der gleichen Klasse vergleichen und nicht mit einem Modell, welches man sich sowieso nicht leisten will oder kann.

Quelle: Beitrag im DSLR-Forum von User Scorpio

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