Einstieg in die Sportfotografie (3)

Wie fängt man an?

Wie bereits erwähnt, ist der Bildberichterstatter ein Freiberufler. Um so eine Tätigkeit aufnehmen zu können, reicht ein Anruf beim Finanzamt aus. Man teilt dem zuständigen Sachbearbeiter mit, dass man eine freiberufliche Tätigkeit ausüben möchte, in diesem Fall den Beruf des Bildberichterstatters. Daraufhin wird einem der Betriebseröffnungsbogen zugeschickt. Dieses Formular sendet man ausgefüllt zurück, und erhält dann eine Steuernummer. Damit darf man offiziell Rechnungen schreiben, hat allerdings auch eine Buchführung zu machen, und unter Umständen mit der Umsatzsteuervoranmeldung zu tun.
Da dieses Thema sehr individuell zu betrachten ist bezüglich der jeweiligen Situation, der persönlichen Verhältnisse, Geschäftsplanung und -aussichten, kann ich nur raten, sich vorher mit einem Steuerberater zu unterhalten. Gerade in Steuerfragen kann es hilfreich sein, wenn man von einem Experten unterstützt wird, als Stichwort sei hier nur die Kleinunternehmerregelung nach §19 EStG erwähnt. Entscheidet man sich dafür, spart man sich die Umsatzsteuervoranmeldung, kann andererseits aber auch keine Vorsteuer geltend machen. Es hängt eben viel davon ab, in welcher Größenordnung man ins Geschäft einsteigt, haupt- oder nebenberuflich. Ist eine reguläre sog. doppelte Buchführung notwendig oder reicht die EÜR? Man sieht, es sind einige Fragen vorab zu klären, bevor man das erste Bild verkaufen kann. Übrigens, die Anmeldung beim Finanzamt ist kostenlos im Gegensatz zur Gewerbe­anmeldung.
Falls man nicht nur aktuelles Zeitgeschehen fotografieren möchte, sondern auch beabsichtigt in die Portrait- und Hochzeitsfotografie einzusteigen, dann darf man das nicht als Bildberichterstatter tun.
Alles was nicht unter Bildberichterstattung fällt, ist Fotografie, und derjenige der sie betreibt ist Fotograf. Da es sich hierbei um eine handwerkliche Tätigkeit handelt, ist eine Gewerbeanmeldung bei der Stadtverwaltung (Gewerbe- oder Ordnungsamt) notwendig. Das Finanzamt wird danach automatisch informiert, und schickt wiederum den Betriebseröffnungsbogen zu. Die steuerlichen Fragen bzw. Entscheidungen sind dieselben wie bei einer freiberuflichen Tätigkeit. Also ist es auch hierbei empfehlenswert sich vom Fachmann beraten zu lassen. Außerdem erfolgt durch die Gewerbeanmeldung automatisch die Meldung bei der IHK und der Berufsgenossenschaft. Hierdurch können zusätzliche Gebühren und Beiträge anfallen, so dass man wie bei fast jeder Geschäftseröffnung zuerst überlegen sollte, ob sich gewisse Ausgaben am Anfang lohnen. Eventuell konzentriert man sich erst auf den Bereich der Bildberichterstattung, und erweitert ihn zu gegebener Zeit. Denn es ist einfacher vom Freiberufler zum Gewerbetreibende zu wechseln als umgekehrt.

„Lohnt“ sich das Fotografieren?

NEIN! 🙁
Wenn man es unter finanziellen Aspekten betrachtet, bleibt die Fotografie im Regelfall ein teures Hobby, das eben nur Geld kostet. Im Zeitalter der Digitalfotografie hat mittlerweile fast jeder eine Kamera, und sei es auch nur die im Mobiltelefon. Diejenigen, die eine Spiegelreflex-Kamera besitzen, werden allgemein gleich als „Profi“ eingestuft, der es ja drauf haben muß bei einer so teuren Kamera. 😉 Das führt dann dahin, daß selbst zu großen Familienereignissen wie Hochzeiten einfach die Freunde gefragt werden, ob sie nicht bei der Feier fotografieren können. Es wird vorher nicht bedacht, daß dieser Schuß nach hinten losgehen könnte. Man sieht einfach nur die gesparten Ausgaben.
Warum ist denn ein Profi-Fotograf so „teuer“? Früher war Fotograf eben ein Ausbildungsberuf, d.h., derjenige hat es gelernt, und entsprechende Erfahrung vorzuweisen sowie die notwendige Ausrüstung. Die Hobby-Fotografen im Freundeskreis können da selten mithalten, so daß im nachhinein die Enttäuschung groß ist, wenn die Bildqualität zu wünschen übrig läßt. Um beim Beispiel der Hochzeit zu bleiben, man heiratet für gewöhnlichen nur einmal, und dann sollte dieses Ereignis auch im Bild dementsprechend festgehalten werden. Bevor man also den nächstbesten Hobbyfotografen fragt, sollte man sich wirklich fragen, ob hier Kostenersparnis und die zu erwartenden Bildergebnisse in richtigem Verhältnis stehen.
Diese Situation bedeutet für den ambitionierten Amateurfotografen nun, daß er einerseits mit einer Vielzahl an Mitbewerben zu rechnen hat, andererseits selber überlegen sollte, ob er qualitativ überhaupt die gewünschten Ergebnisse liefern kann. Wenn man also den Entschluß faßt, zu versuchen mit Fotografie Geld zu verdienen, dann braucht man für den geplanten Einsatzbereich die entsprechende Ausrüstung. Jede Geschäftseröffnung beginnt zuerst mit Investitionen und damit auch mit Verlusten. Auch im Kleinen braucht man ein Geschäftskonzept: Was möchte ich fotografieren? Brauche ich ein Studio? Woher kommt die Kundschaft, wie gewinne ich sie? Welche Ausrüstung benötige ich? Welche Umsätze/Gewinne sind zu erwarten? usw.
Eins sollte man nicht vergessen, sobald es ums Geld geht, hört der Spaß auf. Wenn man Geld verdienen möchte, kann man sich die Aufträge nicht unbedingt immer aussuchen. Das bedeutet, man muß nehmen was kommt, auch etwas, was man sonst nicht fotografieren würde. 😉
Wenn man plant, mit der Fotografie Geld zu verdienen, sollte man zuerst mit seinem Steuerberater sprechen. Denn wenn es ums Geld geht, dann ist auch das Finanzamt nicht weit weg. Es ist z.B. zu klären, ob zu Beginn die Angabe des Einkommens in der Steuererklärung ausreicht, und falls nicht, zu welcher „Buchführung“ man verpflichtet ist (Stichwort EÜR), ob man eine Umsatzsteuererklärung zu machen hat, usw. Außerdem ist für die Tätigkeit im Bereich der Portrait- und Hochzeitsfotografie eine Gewerbe-Anmeldung notwendig. Hierzu erkundigt man sicherheitshalber beim Finanzamt und Gewerbeamt. Obwohl es gesetzliche Regelungen gibt, kommt es darauf an, an welchen Sachbearbeiter man gerät. Da schickt einen das Finanzamt schon mal zum Gewerbeamt und umgekehrt. Regulär ist es so, daß man sich beim Finanzamt meldet, und seine geplante Tätigkeit, sein Geschäft beschreibt. Daraufhin wird dort entschieden, ob es eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit ist. Wird man als Freiberufler eingestuft, erhält man den Geschäftseröffnungsbogen vom Finanzamt und meldet damit sein Geschäft an. Entscheidet das Finanzamt, daß man eine gewerbliche Tätigkeit aufnehmen möchte, wird man zum Gewerbeamt verwiesen, und man meldet dort ein Gewerbe an.
Es ist also sehr viel zu planen, zu klären und zu investieren, so daß sich die Fotografie vermutlich für 99,5% der Freizeitfotografen finanziell nicht lohnen wird. Wer bisher in seiner Freizeit Spaß am Fotografieren hatte, der sollte dabei bleiben, auch wenn es ein teures Hobby ist. Von der Fotografie alleine kann heute so gut wie niemand mehr leben, Neueinsteiger schon gar nicht. Warum also ein schönes Hobby dem Streß opfern?

Eigene Erfahrung (4)

Im professionellen Einsatz als Sportfotograf

Da man im lokalen Bereich nur wenig Geld verdienen kann mit dem Bilderverkauf, denn die Zeitungen habe bestehende Kontakte zu den etablierten Fotografen, habe ich 2008 überlegt mein Projekt wieder einzustellen. Zumindest wollte ich mich als Freiberufler abmelden, denn das Finanzamt will eine Gewinnerzielungsabsicht erkennen.
Dann kam aber in der Sommerpause die Anfrage von Lutz Matthias, ob ich nicht für seine Bildagentur fotografieren möchte. Gerade bei dem vielseitigem Sportangebot hier im Westen suchte er noch Verstärkung. Da fühlte ich mich natürlich geschmeichelt und stolz, wenn jemand die veröffentlichten Fotos von mir für so gut hält, daß er mir anbietet für ihn zu arbeiten. 🙂
Die Verlockung wieder bei den großen Sportveranstaltungen dabei sein zu können und vielleicht doch das ein oder andere Foto verkaufen zu können, haben mich veranlaßt, es noch ein weiteres Jahr als professioneller Sportfotograf zu versuchen. Seitdem bin ich wieder in den Bundesligen unterwegs, ob Fußball, Eishockey, Basketball oder Volleyball und Handball.
Zuerst einmal waren zusätzliche Investitionen zu tätigen. Ein Notebook habe ich zwar bereits besessen, aber eine UMTS-Flatrate war ebenso notwendig wie ein Notebook-Schutz (ICap) und ein stabiler Klapphocker (Walkstool). Neben diesem „günstigen“ Zubehör war aber auch ein lichtstarkes Teleobjektiv fällig. Gerade bei Außenaufnahmen in der „dunklen“ Jahreszeit sowie bei Flutlichtspielen reichte mein Canon 100-400mm/4-5.6 nicht mehr aus. Ein 2.8er-Objektiv ist dazu unerläßlich, über die Bilder-Agentur habe ich günstig ein Sigma 120-300/2.8 bekommen können. Glücklicherweise besaß ich bereits das Canon 70-200mm/2.8 für den Hallensport.
Die Ausrüstung ist das Eine, das Andere ist die Arbeitsweise, die man sich anzueignen hat. Schnelligkeit und Qualität sind gefordert. In der ersten Pause sind die ersten 6-8 Bilder an die Agentur zu versenden, so daß sie dort bearbeitet und an die Redaktionen verteilt werden können. Nach Spielschluß werden dann die restlichen Bilder verschickt. Zuerst sind Action-Bilder der jeweiligen Sportart gefragt sowie spezielle Ereignisse wie eine rote Karte beim Fußball oder ein Boxkampf beim Eishockey, und natürlich Emotionen wie z.B. bei einem Torjubel. In der zweiten Halbzeit kann man sich dann mehr dem Drumherum widmen bzw. versuchen Spielerportraits in Aktion aufzunehmen oder auch mal einen emotionalen Trainer am Spielfeldrand einzufangen.
Da Sportfotografie kein Wunschkonzert ist, versucht man soviel wie möglich „zu knipsen“ in der Hoffnung brauchbare Bilder zu erhalten. Denn entweder läuft ein Spieler durch die Szene oder ein Schiedsrichter steht im Weg. Oft ist auch das Spielgerät nicht mehr im Bild zu sehen, oder die Spieler drehen einem den Rücken zu. Das bedeutet, daß der Ausschuß sehr groß ist. Außerdem sind die Bilder zu beschriften, d.h., es ist zu vermerken wer auf dem Foto zu sehen ist. Dazu „verfolgt“ man die Spieler nach der Szene weiter mit der Kamera, um im „Nachschuß“ dann die Rückennummer noch aufzunehmen, denn selten ist sie auch vorne auf dem Trikot sichtbar.
So habe ich mich innerhalb von vier Jahren vom Freizeitknipser zum Sportfotografen entwickelt, der mitterlweile sogar in der 1.Fußball-Bundesliga fotografiert. 🙂 Das ist sozusagen der Ritterschlag. 😉 Die nächsten Ziele sind z.B. die Eishockey-WM 2010 sowie die Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland. Schauen wir mal, ob ich auch bei den Veranstaltungen dabei sein werde.

Eigene Erfahrung (3)

Auf dem Weg zum Sportfotografen

Nachdem ich in den Jahren 2004 und 2005 hauptsächlich im Bereich der Studiofotografie aktiv gewesen bin, habe ich mich im Jahr 2006 mehr auf die Sportfotografie konzentriert. Leider hatte ich nicht die Zeit z.B. in der Fotocommunity oder Model-Kartei ständig Kommentare zu schreiben, um damit bekannt zu werden und viele Kontakte zu knüpfen. Dadurch lernte ich wenig Fotomodelle kennen, und als dann auch noch mein „Stamm-Model“ Steffi geheiratet und Nachwuchs bekommen hatte, habe ich mich wieder intensiver mit der Sportfotografie beschäftigt.
Am Anfang habe ich noch Eintrittskarten gekauft und je nach Veranstaltung von der Zuschauerseite fotografiert. Nach diesen ersten Schritten in der Bildberichterstattung und den ersten veröffentlichten Ergebnissen in meiner Internet-Galerie habe ich mir dann unterklassige Vereine und lokale Veranstaltungen ausgesucht, und nach einer Akkreditiertung gefragt. So habe ich z.B. in Grevenbroich in der 2.Basketball-Bundesliga fotografiert. Daraus hat sich dann eine Zusammenarbeit für den Kalender 2007 ergeben, ich habe dem Verein einige Bilder überlassen. Als Honorar habe ich einen Stapel Kalender erhalten, denn die Kosten sollten niedrig gehalten werden, der Druck wurde gesponsert, damit vor allem Kinder und Jugendliche sich den Kalender leisten konnten. Der Kalender wurde dann auch fleißig zum Autogramme sammeln genutzt. 😉
Außerdem habe ich bei meinen Einsätzen Christian Roth kennengelernt, der sich mit seinem Projekt US-Sports.eu auf die Sportarten Basketball, Eishockey und Football spezialisiert hatte. Durch diesen Kontakt habe ich auch Zugang zum DEL-Eishockey erhalten, z.B. bei den Krefeld Pinguine oder Kölner Haie sowie zum 1.Liga-Basketball in Köln oder Leverkusen.
Aus Zeit- und Aufwandsgründen habe ich mich Mitte 2007 mehr auf die regionale Sportszene konzentriert und mein Projekt „Hockey in Krefeld“ gestartet. Da Krefeld Hockey-Hochburg ist, habe ich die entsprechenden Sportarten bzw. Vereine fotografiert, von Eishockey (Krefeld Pinguine), über Feld- und Hallenhockey (Crefelder HTC, Crefelder SV) bis hin zum Skaterhockey (Skating Bears) und Rollhockey (Hülser SV). Mit einem Kurzurlaub über Pfingsten begann alles in Holland. Der Crefelder HTC nahm am Europapokal teil, den er dann sogar gewonnen hat. Ich habe alle Krefelder Zeitungen mit Bildmaterial von dem Ereignis versorgt. Seit dem bin ich auch als freiberuflicher Foto-Journalist (Bildberichterstatter) offiziell beim Finanzamt angemeldet. Dadurch kann ich unbesorgt Geld verdienen durch den Bilderverkauf, und ordnungsgemäße Rechnungen ausstellen. 🙂 Neben vereinzelten Bilderverkäufen an die Lokalzeitungen sowie die Deutsche Hockeyzeitung war ich auch für die Mannschafts- und Spielerfotos der Krefeld Pinguine in der Saison 2007/08 verantwortlich. Somit hatte ich mich vom Hobbyfotografen zum professionellem Sportfotografen entwickelt.