Der „Mensch“ als Bildmotiv

Die Menschenfotografie gehört zu den Bereichen der Fotografie, die vermutlich die höchsten Ansprüche an den Fotografen stellt. Denn man braucht Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Geduld und ein wenig Psychologie, um mit Fotomodellen gut zusammenarbeiten zu können. Dafür erhält man dann auch nur von diesen „Motiven“ eine Rückmeldung zu den Ergebnissen. Und wenn man sich an die auch im Alltag üblichen Umgangsformen hält, wie Höflichkeit, Respekt und Aufmerksamkeit, dann wird man im Regelfall mit positiven Reaktionen belohnt werden. 🙂
Die Modelle werden aus allen Bereichen und Altersgruppen kommen, zu Beginn noch aus dem vertrauten und bestens bekannten Freundeskreis sowie der näheren Verwandtschaft. Im Laufe der Zeit wird man aber immer mehr mit Fremden vor der Kamera zu tun haben. Alle werden aber sicher eines gemeinsam haben, sie werden in den wenigsten Fällen jemals zuvor im Leben vor einer Kamera gestanden haben.
Aus diesem Grund sollte auch jeder Fotograf sich mindestens einmal im Leben vor die Kamera begeben, um aus der Erfahrung heraus sich besser in die Situation des Fotomodels hineinversetzen zu können.
Möchte man einen Menschen portraitieren, ist es zwingend notwendig ihn vorher ein wenig kennengelernt zu haben. Deswegen sollten Fotograf und Model sich vorab kurz auf einen Kaffee treffen. Das hat den Vorteil, daß man sich über die Einzelheiten des Shootings unterhalten kann, z.B. über die gewünschten Aufnahmen, die benötigte Kleidung, die geplanten Aufnahmeorte sowie auch über den Einsatz einer Visagistin. Abgesehen davon hat so ein Treffen auch einen positiven psychologischen Effekt für das Model, es lernt in dem Gespräch den Fotografen vorab etwas kennen, so daß dieser Streßfaktor beim eigentlichen Shooting entfällt. Es kann sich bei diesem Treffen allerdings auch herausstellen, daß man gar nicht kreativ zusammenarbeiten kann, weil man keinen Draht zu einander findet, oder weil die Vorstellungen übers Shooting bzw. die gewünschten Aufnahmen zu weit auseinander liegen.
Es ist wichtig, das Shooting gut zu planen, und mit der Ausrüstung sowie Technik vertraut zu sein. Denn wenn der Fotograf bereits hektisch oder nervös ist, weil etwas während der Aufnahmen nicht stimmt, dann übertragt sich das auch auf das Model. Daher ist es von Vorteil, die ersten Shootings mit einem vertrauten Menschen durchzuführen, der es versteht und einem nachsieht, wenn die Aufnahmen nicht wie geplant ausfallen oder man mit der Technik kämpft. 😉
Egal wen man fotografiert, die Freundin oder einen fremden Menschen, Kommmunikation ist das Wichtigste während des Foto-Shootings. Der Fotograf ist die meiste Zeit „versteckt“ hinter der Kamera, das Fotomodel kann seine Gestik und Mimik nicht sehen und deuten, es hat sich auf sein Wort zu verlassen. Daher sollte man immer alles erklären, was man gerade macht und warum. Auch allgemeine Gespräche zwischen den Aufnahmen lockern die Atmosphäre, genauso wie die Lieblingsmusik des Models. Auch wenn man die Einzelheiten bereits vorher besprochen hat, sollte man mit dem Fotomodel nochmal jede Einstellung einzeln durchgehen, bevor man die Aufnahmen macht.
Auch wenn die gewünschte Pose eingenommen wurde, sind immer noch Kleinigkeiten zu verändern. Aber Achtung, wenn die Kleidung oder das Haar nicht korrekt sitzt, oder ein Fusel von der Kleidung zu entfernen ist, bittet man das Model oder eine anwesende Visagistin es zu richten, unter keinen Umständen faßt der Fotograf ungefragt und ohne ausdrückliche Erlaubnis das Model an. Diese Regel ist ein ungeschriebenes Gesetz.
Bei den Posing-Anweisungen ist darauf zu achten, daß sie deutlich und präzise sind. Aus der Sicht des Fotografen sind „links“ und „rechts“ sowie „vorne“ und „hinten“ etwas anderes als fürs Fotomodel. Und eine Anweisung wie „Schaue bitte zu mir“, führt meistens dazu, daß das Model den ganzen Kopf dreht und nicht nur die Augen zur Kamera wendet. Genauer wäre es z.B. „Den Kopf bitte in der Position halten, und mit den Augen in Richtung Kamera schauen“.
Häufig werden Models vom Partner oder der Freundin zum Shooting begleitet. In der heutigen Zeit ist diese Begleitperson durchaus in beiderseitigem Interesse, vor allem dann wenn man alleine im Studio arbeitet, allerdings sollte diese Person nicht den Ablauf des Shootings stören. Daher sollte vorher geklärt werden, wer von Seiten des Fotomodels beim Shooting anwesend ist, und wer und zu welchem Zweck (z.B. Visagistin oder Assistent) seitens des Fotografens vor Ort ist. Oft läßt sich eine Begleitperson auch als Helfer integrieren, z.B. bei Außenaufnahmen zum Halten des Reflektors oder für die letzten Korrekturen an Kleidung und Haaren. 🙂

Wie lernt man am besten Fotografieren?

Aufgrund der Bildkritik wird man versuchen, beim nächsten Shooting die bemängelten Punkte zu verbessern. Zusätzlich kann man auch professionelle Unterstützung suchen. Fast überall gibt es mittlerweile Workshops zu den unterschiedlichen Themen der Fotografie. Leider gibt es bei diesen Angeboten genauso wie in anderen Bereichen gute und schlechte Anbieter. Wie erkennt man nun ein seriöses Angebot?
Ist ein Workshop von vornherein als Model-Sharing ausgeschrieben, dann sollte man als Anfänger auf eine Teilnahme verzichten. Bei diesem Angebot erhält man selten theoretische wie praktische Unterstützung. Es geht eher darum, daß sich mehrere Fotografen die Studio- und Modelkosten teilen. Dafür hat dann jeder Teilnehmer eine entsprechende Zeit verfügbar, in der er mit dem Model Aufnahmen machen kann. Man ist also auf sich allein gestellt, und wenn man wenig Kenntnisse über Studiotechnik besitzt, und auch mit den Posing- Anweisungen fürs Fotomodel nicht vertraut ist, dann wird man nur wenig Nutzen aus dieser Art Workshop ziehen. 🙁
Bei der Ausschreibung des Workshops sollte man darauf achten, wieviel Zeit für wieviele Fotografen verfügbar ist, und wieviele Modelle und Trainer anwesend sind. Bei sechs Fotografen, einem Fotomodel und vier Stunden Workshop kann man sich leicht ausrechnen, wieviel Zeit einem bleibt, um Aufnahmen zu machen. In dieser Zeit sollte der Workshopleiter einem die Technik und den Lichtaufbau erklären, sowie bei der Bildgestaltung und dem Posing helfen. Es kann sich jeder selber vor Augen führen, ob ihm die errechnete Zeit ausreicht, und er etwas aus dieser Veranstaltung lernen kann.
Man sollte also darauf achten, daß das Verhältnis von teilnehmenden Fotografen, zur Anzahl der Fotomodelle und Trainer stimmt. Drei bis vier Teilnehmer pro Model und Trainer scheint eine sinnvolle Anzahl zu sein. Und damit wirklich Wissen vermittelt werden kann, sollte der Workshop mindestens sechs Stunden dauern. Manchmal findet man in der Ausschreibung auch schon Hinweise auf den Ablauf. Gute Workshops beginnen erst mit einem Theorieteil, in dem der Trainer zu einem Thema referiert. Danach geht es dann zum praktischen Teil über und man macht Aufnahmen mit dem Fotomodel. Im Idealfall gibt es zum Abschluß noch die Möglichkeit einer Bildbesprechung über die zuvor angefertigten Fotos. 🙂
Um sich wirklich fotografisch weiterzuentwickeln, sollte man die Angebote gut prüfen. Günstige Workshops sind selten brauchbar. Erst wenn man genügend Erfahrung gesammelt hat, lohnen sich diese „Model-Sharings“. Dann erhält man umgerechnet oft eine kostengünstige Gelegenheit mit einem Fotomodel im Studio zu arbeiten. In der Kürze der Zeit kann man sicher zwei, drei Ideen umsetzen. Außerdem braucht man sich nicht um die Organisation zu kümmern. Studio und Model sowie Technik sind verfügbar. Man braucht sich für dieses Shooting nur aufs Fotografieren vorbereiten, also Bildideen sammeln und Requisiten besorgen. 😉

Disclaimer auf der Internetseite

Viele Fotografen haben auf ihrer Internetseite Links zu anderen Seiten gesetzt: zu befreundeten Fotografen, zu Fotomodellen, zu Galerien im Internet und nicht selten auch zu ihren Kunden. Um für den Inhalt auf den verlinkten Seiten nicht haftbar gemacht werden zu können, bringen sie einen sogenannten Disclaimer an. Dies ist ein Hinweis, daß man für den Inhalt der verlinkten Seiten nicht verantwortlich ist und jegliche Haftung ausschließt.
Ein solcher Disclaimer, häufig in Gestalt einer Berufung auf eine über zehn Jahre alte Entscheidung des Landgerichts Hamburg (kein rechtskräftiges Urteil), ist rechtlich irrelevant. Wenn eine Verlinkung rechtswidrig ist, wird sie nicht rechtmäßig durch einen Disclaimer, mit dem sich der Verlinkende von der Haftung lossagen will.
Wenn er für die Inhalte der verlinkten Seiten nicht einstehen will, fragt man sich sowieso, warum er dann überhaupt verlinkt.

Outdoor-Shooting im Innenhafen Duisburg

Dieses Outdoor-Shooting war bisher eine der größten Aktionen die ich geplant und durchgeführt habe. Ich hatte zwar früher bereits bei vereinzelten Shootings mit einer Visagistin zusammengearbeitet, allerdings immer nur im witterungsgeschützten Studio. 😉 Außerdem hatte ich mit Carmen und Denise zwei Fotomodelle für die Aufnahmen im Innenhafen von Duisburg vorgesehen.
Schönes Wetter bereitet keine Schwierigkeiten, eine halbwegs ruhige Stelle findet sich fast bei jeder Location und selbst wenn es etwas windig ist, kommt eine professionelle Visagistin mit der Situation zurecht. Wenn zu erwarten ist, daß es regnet, während die Visagistin das Model zurecht macht, dann braucht man eine entsprechend geschützte Stelle.
Da es im Innenhafen einige Lokale gibt, waren wir gegen schlechtes Wetter gewappnet und konnten daher in trockene Räumlichkeiten wechseln. 🙂 Eine kleine Einschränkung hatten wir aber trotzdem hinzunehmen, es war kein Stromanschluß verfügbar. Allerdings zeichnet sich hier auch eine sehr gute Visagistin aus, wenn sie ohne technische Hilfsmittel trotzdem eine perfekte Frisur hinbekommt. 😉
Ein Beauty-Makeup dauert durchschnittlich fast immer eine Stunde, mit aufwendiger Frisur sogar durchaus länger. Diese „Wartezeit“ sollte der Fotograf immer berücksichtigen bei seiner Planung. Wenn man z.B. ein Studio bucht, sollte man deshalb versuchen, daß Model und Visagistin bereits eine Stunde vor Shootingbeginn da sind, damit schon mit dem ersten Styling vor der zu zahlenden Studiozeit begonnen werden kann. Im Regelfall kann man sich im Mietstudio vor der tatsächlichen Mietzeit treffen. Ein Umstyling während des Shootings kostet demnach doppelt, zum einen die Visagistin, zum anderen das in der Zeit gebuchte Studio.
Bei diesem Shooting habe ich nun den Vorteil von zwei Modellen genutzt, um Wartezeiten zu kürzen bzw. zu vermeiden. 😉 Nachdem Denise fertig gestylt war, habe ich mich mit ihr auf den „Foto-Spaziergang“ durch den Innenhafen gemacht. Während wir Aufnahmen gemacht haben, wurde Carmen von Jenny zurecht gemacht. Nach dem ersten Rundgang mit Denise, war Carmen fertig, und ich bin dann mit ihr auf „Foto-Tour“ gegangen. Denise wurde kurz von Jenny nachgestylt, und danach folgten beide Carmen und mir. Das hatte den Vorteil, daß Jenny nun zwischendurch das Makeup bei Bedarf korrigieren konnte. Außerdem konnte ich mit Denise noch Aufnahmen an den Örtlichkeiten machen, an denen wir zuvor noch nicht gewesen sind. Abgesehen davon war es auch möglich Bilder mit beiden Fotomodellen zusammen zu machen. 😉
Da eine Visagistin nur in ganz seltenen Fällen noch auf TfP-Basis arbeitet, diente dieses Shooting auch dazu, Jenny kennenzulernen und testweise einmal mit ihr zusammenzuarbeiten. Als Ergebnis kann ich dazu nur sagen, daß das Preis-/Leistungsverhältnis bei Jenny stimmt. Auch Carmen und Denise waren mit der Arbeit zufrieden, so daß es sicher zukünftig zu einer weiteren Zusammenarbeit kommen wird. Damit habe ich mein Netzwerk bestehend aus den Fotomodellen Carmen und Denise, vermutlich um eine Visagistin erweitert. 🙂

Outdoor-Shooting mit Carmen in DuisburgOutdoor-Shooting mit Carmen in DuisburgOutdoor-Shooting mit Denise in DuisburgOutdoor-Shooting mit Denise in Duisburg

Fotomodel Carmen: Sedcard Model-Kartei
Fotomodel Denise: Sedcard Model-Kartei
Visagistin Jenny: Sedcard Model-Kartei

Wie findet man eine geeignete Location?

Einerseits durch Zufall, andererseits kann man sich auch überlegen, an welchen Orten es sich lohnen könnte, Aufnahmen auch mit Fotomodel zu machen. Wenn man sich intensiver mit der Fotografie beschäftigt, vor allem mit Outdoor-Fotografie, dann achtet man beim nächsten Spaziergang oder der Besichtigung einer Sehenswürdigkeit schon eher darauf, ob man nicht eine brauchbare Location findet. Gut geeignet sind immer städt. Parkanlagen. Der Eintritt ist im Regelfall kostenlos, die Grünflächen dürfen betreten werden, so daß man neben Rasen, auch Bäume und Büsche sowie Blumenbeete als Kulisse bzw. Hintergrund verwenden kann. Manchmal gibt es auch einen kleinen See oder Bach, vielleicht sogar mit Brücke, so daß man eine sehr abwechslungsreiche Szenerie vorfindet für Aufnahmen „im Grünen“.
Burgen und Schlösser dürfen selten betreten werden, und wenn, dann ist der Eintritt meistens kostenpflichtig. Abgesehen davon, daß die Lichtverhältnisse im Inneren nur eingeschränkt zum Fotografieren ausreichen dürften, sind Aufnahmen oft untersagt bzw. bei öffentlichem Besucherverkehr ungestört nicht möglich. In so einem Fall hilft es einem nur weiter, wenn man den „Hausherren“ persönlich kennt, so daß er einem dann bei passender Gelegenheit die Location für einen Zeitraum zur Verfügung stellt. 🙂 Dann kann man auch die entsprechende Ausrüstung einsetzen wie z.B. eine portable Blitzanlage.
Das bedeutet also, daß man als Einzelner kaum in größere Objekte zum Fotografieren hineinkommt. Hierzu bleibt einem nur die Möglichkeit auf organisierte Workshops oder Veranstaltungen zu achten, und bei einer interessanten Location daran teilzunehmen. Von Wildorange Events werden immer wieder besondere Veranstaltungen organisert; ich bin einmal in Düsseldorf bei einem Event in einer Diskothek dabei gewesen. 😉 Man braucht sich weder um Location und Technik, noch um Model, Visagistin oder Kleidung zu kümmern. Dafür ist der Spaß allerdings nicht billig, aber wenn man einmal entsprechende Bilder machen möchte, die einem als außergewöhnliche Referenz dienen können, dann lohnt sich doch der finanzielle Einsatz. 🙂 Denn als Einzelner bekäme man so ein Ereignis gar nicht eingefädelt, und selbst wenn, dann wäre es vermutlich erst recht unbezahlbar.
Vielleicht hat man auch Glück, und das Stammlokal/-restaurant bietet einen interessante Kulisse für Aufnahmen. Dann kann man sich mit dem Besitzer/Pächter sicher einigen, um die Örtlichkeit an einem wenig frequentierten Zeitpunkt als Location zu nutzen. Fragen sollte man auf ale Fälle vorher, denn auch wenn es ein öffentlicher Ort ist, so gilt doch Hausrecht, und das bedeutet, für die Veröffentlichung der Bilder benötigt man eine Freigabe (das sogenannte Property-Release).
Nützlich bei der Location-Suche bzw. Besichtigung ist eine Kompaktkamera. Um einen ersten Eindruck zu erhalten und vor allem später die Aufnahmen zu planen, reichen Schnappschüsse von der Örtlichkeit aus. Dazu braucht man nicht immer die „große Ausrüstung“ mit sich herumtragen. Die kleine Kamera kann man auch auf dem Spaziergang oder dem Stadtbummel mitnehmen, und ist damit immer gerüstet, falls man eine interessante Location entdeckt.