Einstieg in die Sportfotografie

Nachdem ich das Buchprojekt nun eingestellt habe, und es in absehbarer Zeit keine Veröffentlichung geben wird, möchte ich hier mit den kommenden Beiträgen in den nächsten Wochen die Informationen bereitstellen, so daß meine bisherige Arbeit doch noch nützlich für manchen sein kann. Abgesehen davon, ist dieser Blog sowieso Grundlage für das Buch gewesen, und er wird somit aktualisiert durch die Veröffentlichung der bearbeiteten und ergänzten Beiträge.

Womit fängt man an?

Der Hobbyfotograf hat den unschätzbaren Vorteil, dass er sich voll und ganz auf die Fotografie konzentrieren kann. Er steht nicht unter Zeitdruck, braucht nicht sofort nach oder sogar noch während der Veranstaltung Bilder zu liefern. Der angehende Sportfotograf kann sich um das Motiv, um den Bildinhalt kümmern, und mehr oder weniger in aller Ruhe fotografieren.
Für die ersten Gehversuche ist es empfehlenswert, einfach die nächstbeste lokale Veranstaltung zu besuchen. Vor allem wenn man eine neue Kamera oder ein neues Objektiv besitzt, steht zunächst die Technik im Vordergrund. Falls dann noch ein gutes Ergebnis herauskommt, umso besser. Möchte man die Sportfotografie etwas intensiver betreiben, vielleicht mit der Absicht seine Bilder zum Verkauf anzubieten, so ist eine Planung und Vorbereitung notwendig. Jede Sportart hat ihre Eigenarten und Abläufe mit denen man vertraut sein sollte. Das fängt bereits mit den Spielregeln an, die man zumindest grundlegend kennen sollte. Nur wenn man die Sportart gut kennt, und somit Situationen auch richtig deuten und »lesen« kann, ist man in der Lage zu agieren und gute Szenen zu erahnen. In jedem anderen Fall reagiert man nur, und kommt dadurch oft den Tick zu spät für die entscheidende Aufnahme. Man sollte sich also die Sportart auswählen, die man am besten kennt, und für die man sich bereits seit längerer Zeit interessiert. Wer selber Sport treibt, womöglich noch in einem Verein, der hat hier sicher einen guten Ausgangspunkt.
Mancher Freizeitfotograf möchte am liebsten gleich in der Fußball-Bundesliga mit der Sportfotografie anfangen. Aber hierbei ist es wie fast immer im Leben, man fängt ganz unten an und arbeitet sich hoch. Sicherlich ist das Umfeld mit den z.B. besseren Lichtverhältnissen in den großen Sport-Arenen und Stadien ein Vorteil. Ein prominenter Sportler ist natürlich ein reizvolleres Motiv als der nur im Dorf bekannte Freizeitkicker. Aber genau hier zeigt sich eben das Können des Fotografen. Wem es gelingt bei einem Kreisligaspiel aussagekräftige Bilder zu machen, wer unter schwierigen Lichtverhältnissen in der Schulsporthalle im richtigen Moment auf den Auslöser drückt, der schafft es auch zu gegebener Zeit bei einer Bundesliga-Partie. Kreativität und den Blick für den richtigen Moment benötigt man von Anfang an, das sind keine Eigenschaften, die sich mit Wichtigkeit der Sportveranstaltungen entwickeln. Ein Foto von einem unbekannten Sportler, das durch Bildinhalt und kreativer Gestaltung beeindruckt, ist eine bessere Referenz als ein Allerwelts-Schnappschuss von einem Weltstar.
Nachdem man sich nun gerade damit abgefunden hat, dass es nächsten Sonntag zum Kreisliga-Spiel auf dem Kartoffelacker geht anstatt ins Olympiastadion, kommt gleich die nächste Enttäuschung. Diese großen »Rohre« der Sportfotografen kosten meistens mehrere Tausend Euro, und sind für die meisten Amateurfotografen kaum erschwinglich. Aber auch hier gilt, nicht verzweifeln, denn Sportfotografie lebt nicht nur von der Action, sondern auch von Emotionen und dem Drumherum. Die Veröffentlichungen in Zeitungen und Magazinen zeigen es immer wieder, nicht nur der beinharte Zweikampf ist dort zu sehen, sondern auch Freude, Traurigkeit, Verzweiflung oder Enttäuschung. Und manchmal gibt es auch im Umfeld interessante Motive, z.B. Spruchbänder die hochgehalten werden, Fans in witzigen Kostümen oder mit fantasievoller Gesichtsbemalung. Hier sollte man auch den nicht-sportlichen Teil einer Veranstaltung einfach mal im Auge behalten.
Für viele dieser Fotos verwenden auch die Profis die kleinen Portrait-Objektive. Und was die langen Teleobjektive betrifft, in einem großen Stadion hat man nicht die Bewegungsfreiheit wie auf dem lokalen Sportplatz, deshalb benötigt man auch die große Brennweite, um das gesamte Spielfeld abdecken zu können. Auf lokaler Ebene kann man im Regelfall den Standort wechseln, so dass man vorerst mit weitaus weniger Brennweite auskommt.

Sportfotografie beim Basketball

In den größeren Multifunktionshallen reicht die Hallenbeleuchtung für akzeptable Belichtungswerte aus, man kann hier meistens mit Blende 3.2 bei 1/640s und ISO 800 arbeiten. Eventuell hat man Glück und aufgrund einer TV-Übertragung findet man sogar eine bessere Ausleuchtung vor. 🙂
In den lokalen Sporthallen trifft man oft sehr schlechte Lichtverhältnisse an, da benötigt man schon eine sehr rauscharme Kamera oder eine spezielle Software, um im nachhinein die Aufnahmen zu entrauschen, denn Einstellungen von Blende 2.8 mit 1/500 und ISO 3200 sind keine Seltenheit. 🙁
Szene beim Basketball: Zweikampf vor der KorbzoneEine mittleres Teleobjektiv mit einer Brennweite von 70-200 mm eignet sich am besten, wenn man sich an der Spielfeld-Seite zwischen Mittel- und Grundlinie bewegen darf. Mit dem Objektiv deckt man dann das gesamte Spielfeld ab und kann in beide Richtungen Angriff sowie Verteidigung fotografieren. Für Einzelaufnahmen von Spielern sowie Zweikämpfen bei Dribblings ist diese Perpektive ebenso geeignet wie auch für das wirklich interessante Geschehen um und am Korb. Die meisten Zweikämpfen ereignen sich unterm Korb, außerdem sieht man Korbleger und Dunkings, sowie die Anspannung in den Gesichtern beim Freiwurf. Daher sollte man sich hauptsächlich auf Höhe der Korbzone aufhalten und wenn es wenig Fotografen-Plätze gibt, rechtzeitig eine gute Position sichern. In manchen Hallen darf man sogar nur von der Grundlinien-Seite fotografieren, dann sollte man einen Platz rechts vom Korb wählen. Weil die meisten Spieler Rechtshänder sind, verdeckt dann aus der Perspektive der Arm nicht beim Wurf oder Korbleger das Gesicht des Spielers. 😉
Wenn man die Möglichkeit hat vom Spielfeldrand aus zu fotografieren, kann man es beim Basketball auch mal mit einer Festbrennweite probieren, wie z.B. einem lichtstarken 85mm f/1.8, einem preislich noch relativ günstigen Objektiv. Gerade in den dunklen Sporthallen kann dieses sog. Portraitobjektiv mit seiner großen Startblende gute Dienste leisten.
Wenn man sich direkt an der Korbhalterung positionieren darf, kann man es auch einmal mit einem Weitwinkel-Objekitv versuchen. Dann sollte man sich aber tief platzieren, und aus Bodennähe nach oben fotografieren. Dabei können spektaktuläre Aufnahmen direkt unterm Korb entstehen.
Sogar eine Tribünen-Perspektive kann sinnvoll sein, wenn man einen Standort findet, bei dem sich die Kamera auf Korbhöhe befindet. Dann kann man interessante Aufnahmen von Luftkämpfen am Korb zeigen.
Und wie immer beim Sport, sollte man auch die Ersatzbank, speziell den Trainer im Auge behalten. Gerade beim Basketball ist der Hauptverantwortliche, der Einzige, der am Spielfeldrand stehen darf, alle anderen haben auf der Bank Platz zu nehmen. Dadurch erhält man dort häufig die Gelegenheit Action und Emotionen einzufangen.

Szene beim Basketball: KorbwurfSzene beim Basketball: Sprungball zu SpielbeginnSzene beim Basketball: KorbwurfSzene beim Basketball: Trainer am Spielfeldrand

Arbeitsablauf (2) – Favoriten auswählen

Nachdem man die Bilder importiert und halbwegs organisiert auf der Festplatte hat, fängt man an die Fotos zu bewerten. Gerade im Bereich der Portraitfotografie sollte man nur die allerbesten Bilder auswählen, die man letztendlich bearbeitet und veröffentlicht.
Im ersten Durchgang kann man schon mal getrost alle Fotos löschen, die auch nur annähernd unscharf sind. Auch durch die beste Bildbearbeitung gelingt es nicht ein unscharfes Bild scharf abgebildet zu bekommen. Und vor allem Unschärfe im Bereich der Augen ist bei einem Portrait unverzeihlich und nicht akzeptabel. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Wenn es künstlerisch so gewollt ist, daß z.B. das Gesicht unscharf dargestellt wird, während ein anderes Körperteil durch gezielte Schärfe in den Fokus gerückt wird, dann wird man dieses Bild selbstverständlich nicht löschen. 😉
Ich nutze wiederum Lightroom, um Bilder zu bewerten und auszuwählen. Man hat bei diesem Programm die Möglichkeit Sterne und Farben zu vergeben sowie ein Status-Flag zu setzen. Für mich war bisher die Sterne-Vergabe ausreichend. Im ersten Durchgang vergebe ich einen Stern an alle Bilder, die ich behalten möchte. Dann filtere ich alle Fotos, und lasse mir diejenigen ohne Stern anzeigen. Das sind im Regelfall die Löschkandidaten. Darunter sind eben nicht nur unscharfe Bilder oder Testaufnahmen, um die Belichtung zu prüfen, sondern auch Bilder, auf denen ich eventuell Fußspitzen, Finger oder andere Gliedmaßen angeschnitten habe bzw. auf denen das Model die Augen geschlossen hatte oder eine andere Grimasse bzw. offensichtlich unvorteilhafte Pose zu sehen ist. Ich könnte die Bilder selbstverständlich sofort bei der ersten Durchsicht löschen, aber so habe ich noch einmal die Möglichkeit, die Entscheidung zu revidieren. Eventuell läßt sich das Foto doch noch über einen Bildausschnitt retten, weil der Gesichtsausdruck sich in den anderen Bildern der Serie nicht so wiederfindet.
Mit jedem weiteren Sichtungsdurchgang hangel ich mich dann über die Sternen-Vergabe durch bis zu der Auswahl meiner Spitzenfotos. 🙂 Aus den 1-Stern-Bildern suche ich die 2-Sterne-Bilder heraus, daraus die 3-Sterne-Bilder. Bei einem Shooting mit ca. 200 Fotos
reicht eine 3-Sterne-Auswahl aus. Man sollte sich von vornherein zwingen, kritisch seine Bilder zu beurteilen, und sich dadurch auch nicht lange mit durchschnittlichen Fotos aufhalten. Bei meiner 3-Sterne-Verteilung ergibt sich z.B. folgendes Verhältnis: ca. 15% 3-Sterne-, ca. 25% 2-Sterne- und ca. 60% 1-Stern-Bilder.
Nach dem Bewertungsdurchgang füge ich abschließend noch weitere Suchbegriffe hinzu, wie z.B. den Modelnamen, Typ der Aufnahme (outdoor, indoor oder Studio), Art der Aufnahme (Portrait, Fashion usw) und andere interessante Kriterien. Da ich die Bilder nicht kommerziell nutze und nicht über eine Bildagentur anbiete, reichen mir für den Hausgebrauch wenige Schlagwörter aus. Ich suche sehr selten in alten Fotos nach bestimmten Aufnahmen. Im Regelfall kann ich das Gesuchte bereits über den Modelnamen und das ungefähre Datum einkreisen. Aufgrund der guten Übersicht in Lightroom finde ich dann das benötigte Bild sehr schnell.
Wer seine Bilder zum Verkauf anbietet, der sollte sich die Suchbegriffe sehr genau überlegen. Je mehr passende Schlagwörter man dem Bild zuordnet, desto eher wird es gefunden und damit steigen natürlich die Chancen auf einen Verkauf. Man sollte auch nicht nur das was offensichtlich zu sehen ist verschlagworten, sondern auch genau betrachten, welche Emotionen das Bild auslöst. Diese Gefühlsbegriffe heben das Foto dann bei der Suche aus der Masse des Angebots hervor.

Sportfotografie-Einstieg beim Fußball

Fußball ist immer noch die bekannteste Sportart hierzulande, so daß auch sehr viele angehende Sportfotografen über genügend Vorwissen verfügen sollten, um sich mehr den fotografischen Aspekten widmen zu können als mit den offenen Fragen zum Spiel oder den Mannschaften. Fußball wird in etlichen Ligen gespielt, daher bieten sich auch dem Einstieger genügend Gelegenheiten Erfahrung zu sammeln und seine Kenntnisse zu erweitern. Denn eine Akkreditierung für Spiele der ersten Ligen bekommen nur Fotografen mit bestimmten Presseausweisen und Redaktionsaufträgen. Manchmal ist es sogar notwendig, Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) zu sein.
Aber in den unteren Ligen sind die Arbeitsbedigungen für den Anfänger in der Sportfotografie sowieso besser. Man kommt oft wesentlich näher an den Spielfeldrand, und man kann sich relativ frei bewegen, also während des Spiels z.B. die Position wechseln. Außerdem könnte sich ein privater Kontakt zu einem Verein auf lokaler Ebene nach einem Aufstieg in höhere Ligen zusätzlich auszahlen, wenn man dann trotz allem eine Akkreditierung bekommt, und man sich dann doch mitten unter den Berufsfotografen wiederfindet. 😉
Wer bereits Mitglied in einem Verein ist, der wird sich sicher zuerst mit „seiner Sportart“ befassen, und hat dadurch natürlich ganz andere Möglichkeiten als ein Außenstehender. Da kommt man schneller mal in Bereiche und hinter die Kulissen, die sich fotografisch lohnen, so daß man nicht alltägliche Bilder erhält.
Zurück zum Fußball. Den besten Standort gibt es nicht, viel hängt vom Spielverlauf ab, und dem was man im Bild festhalten möchte. Außerdem hängt der Wirkungskreis auch von der Ausrüstung ab. Mit dem üblichen Teleobjektiv 70-200 mm deckt man nur einen kleinen Teil des Spielfeldes ab, anderes als mit einem 300-mm- oder sogar 400-mm-Objektiv. Ein guter Ansatzpunkt ist der Strafraum. Dort spielen sich im Regelfall die interessantesten Szenen ab. Ecken und Freistöße, daraus resultierende Kopfballduelle und der Einsatz des Torhüters bieten oft spektakuläre Aufnahmen. Manchmal ergeben sich aber langweilige Taktikspiele, in denen sich die Action im Mittelfeld ergibt. Lange Pässe oder Abschläge führen dort zu Kopfballszenen, Dribblings zu „Slalom-Läufen“ und Zweikämpfen, deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, sich eine zeitlang in Nähe der Mittellinie zu postieren. Das wiederum ist nur in unteren Ligen möglich, da man in den oberen Spielklassen die Fotografenzone während des Spiels nicht wechseln bzw. sich nicht einfach außerhalb derer positionieren darf.
Ein Standort in Nähe der Trainerbank ist auch nicht verkehrt, vor allem dann, wenn es sich um einen „aktiven“ Trainer handelt, der beim Spiel mitgeht, Emotionen und Reaktionen zeigt.
Wie sonst auch, sollte man Gegenlicht vermeiden. Das führt zu Lichtreflexen und schwachem Kontrast in den Aufnahmen. Die Standortwahl hängt somit auch vom Sonnenstand bzw. -verlauf ab. Nach Möglichkeit sucht man sich eine Perpektive mit der Sonne im Rücken. Schwierig wird es, wenn durch den Schatten der Tribünen das halbs Stadion im Dunkeln versinkt, während die andere Hälfte sich im gleißenden Sonnenlicht befindet. Hier kann man sich einerseits auf eine Spielhälfte konzentrieren und die Belichtungswerte daran ausrichten, oder andererseits die Blendenautomatik vesuchen, in der man die notwendige Belichtungszeit vorgibt, und die Blendenwahl der Kamera überläßt. Ggfs. ist hier der ISO-Wert anzupassen, damit die Kamera noch geeignete Zeit-Blende-Kombinationen einstellen kann, und Bilder nicht unterbelichtet werden.
Die Belichtungseinstellungen sind einer der Gründe, warum man einige Zeit vor Spielbeginn im Stadion bzw. auf dem Sportplatz sein sollte. Dann hat man genügend Zeit, mit ein paar Probeaufnahmen die beste Belichtungseinstellung für die gegebene Lichtsituation zu finden. Man ermittelt so die Einstellungen für die sonnigen Bereiche wie für die Schatten, genauso wie für den Bereich der Ersatzbank. Damit kann man dann mitten im Spiel relativ schnell die Einstellungen der jeweiligen Situation anpassen. Um die Action-Szenen beim Sport halbwegs einzufrieren, ist eine Belichtungszeit von 1/640s fast schon die längste Zeit, die man einstellen sollte. Kürzer ist immer besser. Für Aufnahmen vom Trainer reichen Zeiten von ca. 1/250 s aus, selbst dann, wenn er Arme oder Hände bewegt. 🙂
An sonnigen Tagen fängt man mit einem ISO-Wert von 200 an, dann erreicht man durchaus mit Blende 5.6 eine Belichtungszeit von 1/2500 s oder sogar kürzer. Ist es bewölkt und die Lichtsituation dadurch schlechter, sollte man eher auf ISO 400, wenn nicht sogar 800 gehen. Das hängt davon ab, mit welcher Blende man fotografieren möchte bzw. kann. Während man im Strafraum eher eine große Schärfentiefe gebrauchen kann, um alle relevanten Spieler und damit die Szene ggfs. scharf abzubilden, reicht für einen Zweikampf im Mittelfeld u.U. Blende 4.0 aus. Hier ist eben auszuprobieren, mit welchen Einstellungen man die gewünschten Ergebnisse erzielen kann. Bei redaktionellen Fotos für die Zeitung reicht Blende 2.8 aus, damit erzielt man genügend Schärfentiefe. Bei Flutlichtspielen in großen Stadien kommt man sogar an einer Offenblende von 2.8 nur selten vorbei. Auch wenn die Lichverhältnisse fürs menschliche Auge mehr als ausreichend sind, ist es für die Kamera relativ betrachtet immer noch sehr dunkel. Ausgangspunkt für die Einstellungen bei einem Flutlichtspiel können sein 1/640 s, Blende 2.8 und ISO 800. Und hierbei ist ein Spiel in einem großen Stadion gemeint. Die etwas größeren „Straßenlaternen“ auf den üblichen Sportplatzen bieten so wenig Licht, daß man mit Blende 2.8 und einer 1/640 s bei einem ISO-Wert von 3200 landet. Damit erhält man aber immer noch eine Aufnahme, die um fast zwei Blenden unterbelichtet ist, und aufgrund der ISO-Zahl schon sehr gut rauscht. Man benötigt hier also in den unteren Ligen eine bessere Ausrüstung als beim Profifußball. 😉

Bildkomposition bei der Sportfotografie

Auch wenn man eine sportliche Szene technisch perfekt einfängt, ist die Bildkomposition ebenfalls für die endgültige Bildwirkung entscheidend.
Die Komposition bestimmt die Beziehungen der einzelnen Bildelemente zueinander. Dazu gehören neben dem Hauptmotiv auch der Vorder- und Hintergrund. Wie sind sie zueinander angeordnet? Wo liegt die Schärfe, und wie ist der Verlauf der Schärfentiefe? Wohin bewegen sich die Sportler, wohin blicken sie?
Es ist immer Geschmacksache wie alle Komponenten im Zusammenhang wirken, doch bestimmte Sehgewohnheiten sind bei den meisten Menschen gleich. Schon die Meister der klassischen Malerei wussten um die Regeln der Komposition und nutzten sie. Ein bereits damals bekanntes Kompositionsmerkmal ist der Goldene Schnitt. Er bezeichnet ein Längenverhältnis von 3:5, das als besonders harmonisch empfunden wird. Manche Kamera besitzt bereits solche Hilfslinien im Sucher, bei anderen kann man die Mattscheibe im nachhinein austauschen. Das Linien-Gitter teilt die Bildfläche im entsprechenden Verhältnis auf, damit ist es einfach, Motivteile nach den Regeln des Golden Schnitts zu platzieren. Bilder, die gegen diese Regel verstoßen, können schnell langweilig wirken. Sind keine Lininen vorhanden, teilt man sich das Bild als Faustformel einfach in Drittel ein.
In der Sportfotografie finden sich im Bild meistens im Bild eine Reihe von Elementen wieder, die in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen sollten, natürlich auch abhängig davon, welche Bildwirkung man erzielen möchte. Platziert man einen Läufer z.B. nahe der Drittellinie statt direkt in die Mitte, verschafft man ihm Raum, in den er sich hineinbewegen kann. Dadurch erhält man ein Stilmittel, mit dem man noch etwas mehr zum Sportler oder der Sportart aussagen kann.
Das Sehverhalten ist auch vom Leseverhalten geprägt. Wer von links nach rechts liest, der gewichtet Objekte auf der rechten Seite höher als die auf der linken Bildseite. Zudem steht die linke Bildseite für die Vergangenheit, und die rechte Seite für die Zukunft. Der Blick einer Person, die nach rechts schaut, ist damit in die Zukunft gerichtet und der Blick nach links in die Vergangenheit. In z.B. arabischen Kulturkreisen ergibt sich eine gegenteilige Wirkung, weil dort von links nach rechts gelesen wird.
Szene vom Handball: im rechten Drittel ist der Spieler angeordnet, der wirft, in der linken Hälfte ist die Abwehrmauer zu sehenDie gezielte Bildkomposition kann natürlich einfacher angewendet werden, wenn man Zeit hat, die Aufnahmen zu planen und durchzuführen. Für den Bildberichterstatter bzw. Pressefotografen, bei dem es „nur“ darauf ankommt ein Sportfoto zu schiessen, ist es schwieriger sich um die Bildkomposition Gedanken zu machen. Die Bilder in den Tageszeitungen leben vom Inhalt, also der Action und den Emotionen, weniger von Stilmitteln. Dafür bleibt den Kollegen leider gar keine Zeit.