Shooting mit Marisabel

Am Montag, den 25. Juli war es soweit, ich habe mein erstes internationales Shooting durchgeführt. 🙂
Als Hobby-Fotograf ist es nicht so einfach, Fotomodelle zu finden, zumindest für mich nicht. Daher buche ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder ein professionelles Model, um neue vorzeigbare Bilder zu bekommen.
MarisabelBereits im vergangenen Jahr hatte Marisabel mich angeschrieben, sie plante eine Shooting-Tour in Deutschland. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber keine Zeit für ein Shooting, und auch noch kein gutes Studio verfügbar.
Nachdem ich in diesem Jahr wieder intensiver in die Fotografie einsteigen wollte, und mit dem Studio in Viersen auch eine hervorragende Location verfügbar ist, habe ich diesmal die Chance genutzt, und Marisabel für ein Shooting gebucht. Ihre Aufnahembereiche reichen von Portrait bis Akt, so dass man ein breites Spektrum an unterschiedlichen Bildern erhalten kann. Und genau das war meine Absicht, ich erwartete eine Vielzahl neuer Bilder in verschiedenen Bereichen zu erhalten. So eine Möglichkeit erhält man selten, denn die meisten Modelle machen aus verständlichen Gründen keine Akt-Aufnahmen, schon gar nicht auf TfP-Basis.
Da Marisabel aus der Ukraine kommt, und sie kein Deutsch spricht, war unsere Arbeitssprache Englisch. Das ist aber kein Problem gewesen. Zum einen reichen für ein Shooting Grundkenntnisse aus, zusätzlich natürlich ein paar Fachvokabeln aus dem Bereich Fotografie, zum anderen ist Marisabel ein erfahrenes und posingsicheres Model, bei dem nur wenige Anweisungen notwendig sind. Ganz im Gegenteil, sie wechselt so fließend und nahzu übergangslos die Posen, dass man eher „wait a second“ oder „hold the position“ benötigt als irgendeine andere Anweisung. 😉 Auch in diesem Fall war es unsere erste Zusammenarbeit, und es war ein Pay-Shooting, daher habe ich mich ein wenig dazu hinreissen lassen, einfach daraufzuhalten und ein Bild nach dem anderen zu schiessen. Beim nächsten Mal werde ich mit etwas mehr Planung in das Shooting gehen, zumal Marisabel auch ein gewisses schauspielerisches Talent hat, so dass wir gezielt an der jeweiligen Szene arbeiten können. Sie kann sich selbst schminken, so dass keine Visagistin, kein Make-up Artist benötigt wird. Und auch was die Kleidung betrifft, hat sie genügend Erfahrung und eine ausreichende Auswahl dabei, um das passende Stück auszuwählen bzw. eine Idee einzubringen. Außerdem lerne ich noch bei jedem Shooting hinzu. Auch die Erfahrung an welcher Stelle man aus welcher Perspektive am besten die Aufnahme macht, verbessert die Ergebnisse. 😉
Fazit: Ich bin wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen. 😉 Die Anzahl der Bilder ist so groß, dass ich vermutlich Wochen benötige alles zu sichten und die Favoriten zu bearbeiten. Trotzdem werde ich die Gelegenheit zu einem Shooting mit Marisabel sicher noch einmal nutzen, wenn sie wieder in der Gegend auf Shooting-Tour ist.

Das inszenierte Portrait

Im Grunde ist jede Portraitaufnahme gestellt, wenn es sich nicht gerade um einen Schnappschuß handelt. Beim inszenierten Portrait spielt aber die Persönlichkeit des Fotomodels keine große Rolle mehr, sie hat sich der Inszenierung unterzuordnen. Das Model wird zum Schauspieler und spielt eine Rolle, die ihm der Fotograf (sozusagen als Regisseur) zugedacht hat.
Chris mit Make-up und Hairstyling im Stil einer GeishaDie Möglichkeiten beim inszenierten Portrait sind so zahlreich wie die Ideen und Fantasien des Fotografen. Im Regelfall wird in der freien Arbeit des Fotografen eine Bildidee umgesetzt, angefangen von wenig aufwendigen Darstellungen bestimmter Emotionen bis hin zum aufwendigen Set mit Maskenbildner und Kostümen. Das Model sollte zur Bildidee passen und auch ein bißchen Begeisterung für das Projekt mitbringen. Von der Location über Make-up und Hairstyling bis hin zur Kleidung und den Lichtverhältnissen ist alles sorgfältig aufeinander abzustimmen. Dieser Aspekt der Portraitfotografie erfordert viel Planung und Vorbereitung. Oft trägt der Fotograf eine Bildidee über einen längeren Zeitraum mit sich herum, und sucht nach den passenden Fotomodellen und der geeigneten Location. Hierbei ist Geduld gefragt, bis alle Komponenten gut zueinander passen.

Die Nebentätigkeit: Location-Scout

Auch wenn man sich auf Menschen-Fotografie spezialisiert hat, sollte man mit offenen Augen durchs Leben gehen. In gewisser Weise sollte man auch zum Landschafts- und Architekturfotogafen werden. :-)Man findet immer irgendwo interessante Hintergründe und Umgebungen, egal ob drinnen oder draußen. Deshalb ist es sinnvoll, immer eine Kamera mitzunehmen. Für diese Zwecke eignet sich hervorragend eine Kompaktkamera, damit man nicht immer die „schweren Geschütze“ mitzunehmen braucht. 😉
Sich nur zu merken, wo das schöne Blumenfeld gewesen ist bzw. die tolle Außenfassade eines Gebäudes, reicht nicht aus. Man sollte sich schon Notizen machen, wie die Lichtverhältnisse sind, und zu welcher Tageszeit das Licht von wo kommt. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, vorab eine Location-Aufnahme zu machen. Man sollte auch darauf achten, ob zu einer anderen Zeit, eventuell ein Gebäude einen Schatten werfen könnte, und daher andere Lichtverhältnisse herrschen könnten. Falls möglich, sollte man daher die Location zu anderen Tageszeit bzw. Jahreszeiten besuchen, um vor unliebsamen Überraschungen geschützt zu sein. Plötzlich steht der Baum, der im Sommer noch nützlichen Schatten spendete, im Herbst ohne Blätterwerk da, und die grelle Wintersonne macht die Bildideen zunichte.
Es ist also immer sinnvoll, den Aufnahmeort mehrmals zu besichtigen, und mit ein paar Aufnahmen zu dokumentieren, welche Lichtverhältnisse zu den unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten vorzufinden sind.
Manchmal findet man auch eine interessante Indoor-Location, dann sollte man nicht vergessen, den Besitzer oder Geschäftsführer zu fragen, ob man in dem Lokal einmal ein paar Fotos machen darf. Zu verlieren hat man nichts, im schlimmsten Fall sagt er Nein, im Idealfall hat man eine außergwöhnliche Kulisse, mit der nicht jeder aufwarten kann. 🙂

Die Körpersprache beim Portrait

Die Körpersprache des Fotomodels sollte zum Gesichtsausdruck passen. Es ist also darauf zu achten, daß Schulterhaltung und Arme harmonisch wirken, und den Betrachter nicht irritieren und ablenken.
Nützliche Erfahrungen kann man sammeln, in dem man Menschen beobachtet. Man schaut, welche Gestik mit welcher Mimik einhergeht, und wie der Gesichtsausdruck durch die Körpersprache unterstützt oder auch abgeschwächt wird. Die Arbeit fängt also nicht erst im Studio an, sondern besser in einem Straßencafé, zumindest aber an einem Ort, an dem man Menschen ungestört beobachten kann. 😉 Diese Beobachtungen kann man dann beim Shooting nutzen, und entsprechende Posing-Anweisungen an das Model geben. Am einfachsten ist es immer, Bildbeispiele zu zeigen oder vorzumachen, was man sich vorstellt. Vor allem, wenn man selber noch Anfänger ist, und wenig Erfahrung in der Modelführung hat. Oder das Fotomodel ist Anfänger, und hat wenig Erfahrung mit dem Posing.
Wenn die Gesamtaussage und Körpersprache abgesprochen und klar sind, reichen danach meist kleine Anweisungen an das Model hinsichtlich der Kopf- und Körperhaltung aus, um kleine Korrekturen vorzunehmen bzw. eine Motiv-Variante zu erhalten. Am besten betrachtet man das Motiv durch den Sucher, und dirigiert das Model in die gewünschte Pose. Vorteilhaft ist hierbei die Arbeit mit einem Stativ. Der festgelegte Bildausschnitt bleibt damit erhalten, man kann eventuell noch die Lichtführung anpassen oder Requisiten verändern bzw. störende Elemente entfernen.
Oft wirken Gesten je nach Menschentyp aufgesetzt und überzogen. Man sollte darauf achten, daß sich das Model bei den Aufnahmen wohlfühlt, und die Bildidee zum Modeltyp paßt. Unwohlsein oder Verunsicherung des Fotomodels zeigen sich meistens im Bild, das sollte vermieden werden. Wenn man bemerkt, daß sich die Aufnahme nicht wie gewünscht umsetzen läßt, sollte man auf diese Bildidee verzichten, und zu anderen Posen übergehen. Die ursprüngliche Bildidee kann man später immer noch mit einem anderem Model erneut versuchen umzusetzen.

Vorbereitung eines Shootings (1)

Gerade dann, wenn man anfängt sich mit der Menschenfotografie zu beschäftigen, sollte ein Shooting gut vorbereitet werden. Selbst einem „alten Hasen“ wie mir passiert es, daß ich z.B. ein bestimmtes Requisit oder Ausrüstungszubehör vergesse. 😉 Daher sollte man bei der Planung folgende Fragen immer im Auge behalten: Wer, Wann, Wo, Was und Warum.

  • Wer?
    Mindestens ein Fotomodel, das man im Regelfall bereits vorher bei einem kurzen Treffen kennengelernt hat. Falls das aus Gründen der Entfernung nicht möglich ist, sollte man zumindest telefonisch die Einzelheiten des Shootings besprechen. Dabei erfährt man auch schon ein wenig über sein Gegenüber, und kann etwas den Typ einschätzen, um daraus hinsichtlich der Art der Aufnahmen und Wahl der Location eine Entscheidung treffen. Vorteilhaft ist weitherin, wenn man bereits Fotos des Models vorher gesehen hat, aber das wird meistens der Fall sein, da man seine Fotomodelle über entsprechende Angebote wie z.B. der Model-Kartei sucht.
  • Wann?
    Da Tages- und Jahreszeit die Lichtverhältnisse beeinflussen, plant man seine Outdoor-Aufnahmen hinsichtlicht der Lichtrichtung und -verhältnisse am Aufnahmeort. Eventuell benötigt man zusätzliche Lichtquellen (z.B. portable Blitzanlage), vielleicht reicht auch schon ein Reflektor oder der Aufsteckblitz aus. Außerdem sollte man berücksichtgen, wann man aufgrund der Lichtverhältnisse sogar Aufnahmen vermeiden sollte bzw. wann man besonders „schönes“ Licht in der Location vorfindet (z.B. Sonnenuntergang).
  • Wo?
    Wenn man nicht gerade im Studio arbeitet, dann bestimmt der Aufnahmeort den Hintergrund und das Umfeld. Das fließt in die Bildideen ein, und damit in die Wahl des Bildausschnitts und Brennweite. Hinsichtlich der Lichtverhälnisse ergeben sich die Überlegungen wie zur Frage „Wann“.
  • Was?
    Abgesehen vom Model, spielt hier die Location-Wahl eine große Rolle. In welchem Rahmen finden die Aufnahmen statt? Das Umfeld beeinflußt nämlich die Art der Portrait- und Mode-Aufnahmen. Sollen mehr formelle Aufnahmen entstehen oder eher entspannte, mehr persönliche Bilder.
  • Warum?
    Diese Frage dürfte mit die wichtigste sein. Für welchen Zweck werden die Aufnahmen erstellt? Benötigt das Model oder der Fotograf die Bilder für private oder berufliche Zwecke. Sollen die Bilder für die Sedcard des Models entstehen oder in einem Buch veröffentlicht werden. Der Zweck gibt meistens die Richtung für die Fotos vor.