Der Bildstabilisator

Einige Objektive bieten einen Bildstabilisator. Die meisten Stabilisierungstechniken arbeiten mit einer beweglichen Linsengruppe. Durch Bewegen der Linsengruppe werden die in die Optik einfallenden Lichtstrahlen so abgelenkt und auf den Sensor geleitet, daß eine Bewegung des Kameragehäuses kompensiert wird.
Eine gute Bildstabilisierung wertet jede Optik auf und kann das Ergebnis der Bildschärfe fast jeder Aufnahmesituation verbessern. Dennoch ist eine Stabilisierung nur in zwei Situationen wirklich sinnvoll:

  • Das Fotografieren mit sehr großen Brennweiten wird erheblich erleichtert.
    Das Fotografieren aus der Hand in Situationen mit wenig Licht wird ermöglicht. In einer Umgebung mit wenig Licht wird z.B. der Belichtungsmesser der Kamera eine Belichtungszeit von z.B. 1/30 vorgeben. Eine Aufnahme ohne Unschärfe zu erzeugen ist aus der Hand relativ schwierig. Eine gute Bildstabilisierung kann das aber auffangen.
  • Die Hersteller versprechen eine zwei- bis dreifache Verlängerung der Belichtungszeit bei gleicher ISO- und Blendeneinstellung. Das ist zwar nützlich bei schlechten Lichtverhältnissen und bei der Aufnahme von ruhenden Motiven, aber in der Sportfotografie ist der Einsatz eines Bildstabilisators wenig sinnvoll bis nutzlos.
  • Meistens benötigt man sehr kurze Belichtungszeiten, um die Bewegung der Sportler einzufrieren. In solchen Fällen ist damit auch automatisch die Gefahr gebannt, das Aufnahmen verwackeln, vor allem wenn man die Faustformel betrachtet. Demnach gilt, die längste Zeit, die noch ruhig aus der Hand zu halten ist, ist 1/Brennweite s. Bei z.B. 300 mm Brennweite wäre das 1/300 s. Es hängt zwar auch noch ein wenig von der Entfernung zum Motiv ab, aber bei Laufbewegungen wie z.B. bei Ballsportarten verwendet man mindestens 1/500 s eher noch kürzer. Außerdem wird man bei größeren Brennweiten zusätzlich ein Einbahnstativ einsetzen, was ebenfalls der Verwacklungsunschärfe entgegenwirkt.
    Abgesehen von den sowieso benötigten kurzen Belichtungszeiten, kann sich auch noch eine merkbare Auslöseverzögerung ergeben. Das ist ein weiterer Grund, um bei der schnellen Sportfotografie auf den Einsatz des Bildstabilisators zu verzichten.

Auswahlkriterien für das Objektiv

Um ein Objektiv zu beurteilen, sollte man sich das Bildergebnis, wie es aus der Kamera kommt, ansehen. Das Display der Kamera ist dazu viel zu klein, um die Qualität einer Optik oder anderer Bildqualitätsmerkmale zu beurteilen. Das geht sehr viel genauer an einem Computermonitor. Falls der Händler keinen Computer bereitstellt, an dem man sich Testbilder der Kameras ansehen kann, so nimmt man eine Speicherkarte mit ins Geschäft, die zum potentiellen Modell kompatibel ist. Auf dieser Speicherkarte nimmt man ein paar Testbilder auf, die man sich dann zu Hause anschauen und analysieren kann.
Bei einer digitalen Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit, die Objektive zu wechseln, ist die Auswahl gleich etwas größer. Man hat z.B. zu entscheiden, welche Brennweite die Optik bereitstellen soll, um für bevorzugte Motive geeignet zu sein. Ein Teleobjektiv für die großen Sportplätze, ein mittleres Teleobjektiv für Sporthallen und allgemeine Aufnahmen, und eventuell ein Weitwinkel-Objektiv für spezielle Aufgaben.
Egal für welchen Zweck man welche Optik beurteilt, die Auswahlkriterien sind dieselben:

  • Wie gut sind Schärfe und Fokus in allen Bereichen? Kann die Optik feine Details auflösen? Sind die Bildecken ebenso scharf wie die Bildmitte? Das sollte man auch über den gesamten Zoom-Bereich bei Objektiven mit variablen Brennweiten betrachten. Manche Optik kann die Bildschärfe in den Ecken im Weitwinkelbereich nicht halten. Man sollte auch Bilder mit unterschiedlichen Blenden aufnehmen, vor allem mit größter Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) bis hin zu kleiner werdenden Blenden (große Blendenzahl).
  • Gibt es Schatten an den Bildrändern (Vignettierung)? Wird das Bild bei Einstellung der Optik in die Zoom-Endbereiche (höchste und niedrigste Brennweite) verzerrt? Die tonnenförmige Ausstülpung vertikaler Linien nach innen oder außen ist meist nur bei Weitwinkelobjektiven ein Problem. Aber selbst wenn ein Objektiv leichte Verzerrungen abliefert, mag das in alltäglichen Situationen hinnehmbar sein.
  • Hat das Objektiv Probleme mit Spiegelungen (Lens-Flares)? Das sind farbige Reflexionen, die meist nur im Weitwinkelbereich auftreten, wenn gegen eine Lichtquelle fotografiert wird. Solche Reflexionen sind im Nachhinein fast nicht mehr aus dem Bild entfernbar.

Man sollte bei der Auswahl der Objektive die maximal mögliche Blendenöffnung berücksichtigen. Ein Objektiv mit großer Blendenöffnung lässt eine geringere Schärfentiefe zu, dadurch wird zum einen der kreative Einsatz der geringen Schärfentiefe ermöglicht, und zum anderen kann man dadurch Belichtungszeiten verkürzen, um z.B. Bewegung einzufrieren (bei Sportaufnahmen in Hallen unverzichtbar).

Aufnahmemodus: manuell oder Halbautomatik

Jede Kamera bietet verschiedene Aufnahmemodi mit unterschiedlichen Stufen der manuellen Eingreifmöglichkeiten an.
Der Programm-Modus ist eine Automatik, bei der die Kamera die vollständige Belichtungskontrolle übernimmt. Abhängig von der Qualität der gewählten Kamera ist ein solcher Modus für die meisten Schnappschüsse in alltäglichen Situationen geeignet. Für die Aufnahme von Action-Szenen in der Sportfotografie ist diese Vollautomatik allerdings unbrauchbar.
Der angehende Sportfotograf benötigt zumindest die sogenannten Halbautomatiken, die eine gewisse manuelle Kontrolle erlauben.
Bei der Zeitautomatik (auch Blendenpriorität genannt) kann man eine bestimmte Blende wählen, die Kamera passt dann die notwendige Belichtungszeit für ein richtig belichtetes Bild automatisch an.
Bei der Blendenautomatik (auch Zeitpriorität genannt) gibt man eine Belichtungszeit vor, die Kamera wählt dann die zur korrekten Belichtung notwendige Blendenöffnung aus.
In den meisten Fällen wird man mit den Halbautomatiken ausreichend manuelle Kontrolle über die Belichtung haben und gute Resultate erzielen. Um aber die maximale Kontrolle zu erhalten, sollte das Kameramodell auch einen Modus ermöglichen, in dem man dann Blende und Zeit selbst vorgeben kann.
Heutzutage verfügt jede Spiegelreflexkamera, auch in den unteren Preiskategorien, über diese drei wichtigen Modi (manuell, Zeit- und Blendenautomatik).

ISO-Wert / Lichtempfindlichkeit

Früher musste man bei einer Filmkamera entscheiden, welches Filmmaterial man verwendet. Die Filme waren unterschiedlich lichtempfindlich. Empfindlichere Filme benötigten kürzere Belichtungszeiten, bei gleichen Lichtverhältnissen und gleicher Blenden-Einstellung. Sie ermöglichten es, in Situationen mit weniger Licht zu fotografieren. Der Nachteil war die steigende Körnigkeit mit steigender Lichtempfindlichkeit.
Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO angegeben, dabei bedeuten höhere Zahlen eine höhere Empfindlichkeit, und damit auch mehr Körnigkeit. Ein Nachteil beim Filmmaterial war, daß man den Film einlegte und dann darauf so lange festgelegt gewesen ist, bis man den Film wechselte. Ein zwischenzeitliches Austauschen, um eine andere Lichtempfindlichkeit zu nutzen, war nicht möglich.
Auch die Bildsensoren von Digitalkameras sind lichtempfindlich und dies wird ebenfalls in ISO angegeben. Die meisten Digitalkameras haben eine Grundeinstellung von ISO 100, die man allerdings von Bild zu Bild verändern kann. Das ermöglicht die Lichtempfindlichkeit für ein Bild bei weniger Licht heraufzusetzen, und hingegen das nächste Bild z.B. im Sonnenschein einfach mit einer niedrigeren Empfindlichkeit zu machen. Da die Empfindlichkeit anders als beim Film von Bild zu Bild geändert werden kann, ist sie praktisch ein dritter veränderlicher Belichtungsparameter. Auch bei dieser Einstellmöglichkeit ist eine schnelle und einfache Bedienung vorteilhaft. Allerdings sollte man die Veränderung der Bildqualität bei veränderten ISO-Einstellungen beachten. Damit kommen wir zum nächsten wichtigen Kriterium, dem Rauschverhalten der Kamera.

Die Kamera – Erste Überlegungen

Es wird immer wieder die Frage gestellt, »welche Kamera soll ich mir kaufen, welche Ausrüstung brauche ich«. Eine passende Antwort hierauf zu finden ist nicht einfach, denn die Foto-Ausrüstung ist nur ein Werkzeug. Und je nachdem was man machen möchte, wählt man das entsprechende Werkzeug aus. Wer sein »Handwerk« allerdings nicht beherrscht, der wird weder mit einer 500-Euro-Kamera gute Bilder machen noch mit einer Ausrüstung für mehrere 10.000 Euro. Gerade als Anfänger sollte man sich vorab mit den Grundlagen der Fotografie vertraut machen. Wer nichts weiß über das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und Brennweite, der wird es schwer haben, mit einer Spiegelreflex­kamera zurecht zu kommen.
Profis haben mindestens eine Kamera der Kategorie Canon 1D oder Nikon D3 sowie die entsprechenden lichtstarken Objektive mit großer Brennweite. Zum einen ist nicht jeder bereit bzw. in der Lage tausende Euro in die Gerätschaft zu investieren, und zum anderen ist nicht für jede Sportart bzw. Aufnahmesituation so eine Ausrüstung notwendig. Daher sollte man sich bei der Ausrüstung zuerst am eigenen Bedarf und den finanziellen Möglichkeiten orientieren.
Mittlerweile ist die Bildqualität heutiger Digitalkameras durchweg sehr gut. Die Technik früherer High-End-Kameras wurde auf untere Preis-Kategorien übertragen, so daß man beim Kauf einer Kamera eines namhaften Herstellers im Regelfall gut bedient wird. Bevor man Einkaufen geht, sollte man auch folgendes bedenken und akzeptieren: Genauso wie bei Computern wird das heute gekaufte Kameramodell sehr wahrscheinlich innerhalb der nächsten zwei Jahre von einem verbesserten Nachfolgemodell abgelöst werden.
Vor einigen Jahren mag es durchaus sinnvoll gewesen sein, eventuell auf ein Nachfolgemodell zu warten. Denn ein Sprung z.B. von 2 auf 4 Megapixel war schon ein gewaltiger Technikfortschritt. Heute ist ein Generationenwechsel in einer Modellreihe nicht mehr so dramatisch und betrifft meist nur wenige und oft nur kleine Verbesserungen. Eventuell wurde vielleicht das Design verändert oder einige Funktionen sind hinzugekommen, aber die Bildqualität ist in den wenigsten Fällen betroffen. Manchmal bedeutet ein neues Modell sogar einen Rückschritt gegenüber dem Vorgänger! Gerade in den letzten Jahren hatte ein namhafter Hersteller immer wieder Schwierigkeiten, und in einem Fall führten Probleme mit der Fokussierung sogar zu einer umfassenden Service-Rückruf-Aktion.
Gerade dem Anfänger kann man hier nur raten, mit einem Einsteiger-Gehäuse zu beginnen und lieber das Geld in hochwertige Objektive zu investieren. Ein weiterer positiver Nebeneffekt hierbei ist auch, daß dieses Zubehör in der Regel preisstabiler ist als die Gehäuse. Spätestens nach zwei Jahren sind Kamera-Gehäuse durch Nachfolgemodelle ersetzt, gute Objektive überleben hingegen sehr schnell mehrere Gehäusegenerationen.
Eine Kamera auszuwählen ist im Grunde der Prozess einer Filterung der vorhandenen Modelle bis hinunter zu einem individuellen Ergebnis. Ob man nun eine kleine kompakte Digitalkamera oder eine semi-professionelle Spiegel­reflexkamera kaufen möchte, der erste Schritt bei der Entscheidungsfindung ist immer die Festlegung eines Preisrahmens. Danach ist es dann das Ziel, die beste Kamera in dieser Preiskategorie zu finden. »Die Beste« sollte durch die Anforderungen definiert werden, die man entsprechend seinen fotografischen Bedürfnissen festlegt.
Anstatt für eine Kamera 4000 Euro auszugeben, ist man mit einer Kamera zu 1000 Euro und einem hochwertigen Objektiv zu 2000 Euro, zum einen gut ausgestattet, und zum anderen hat man beachtlich Geld gespart. Eine z.B. langsamere Serienbildfunktion mit einer Bildfolge von 5 Bildern pro Sekunde kann man dann durch geschickte Wahl des Auslösemoments kompensieren. Das dürfte sogar sinnvoller sein als bei 10 Bilder/s wie mit einer Maschinenpistole darauf zuhalten und zu hoffen, eine gute Szene erwischt zu haben. Auch in der Sportfotografie sollte man mit Überlegung an Motivwahl und Bildkomposition herangehen.
Diese ersten Schritte in der Entscheidungsfindung grenzen nicht nur die Auswahl ein, sie bewahren auch vor schlaflosen Nächten, in denen man sich fragt, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Wenn man erkannt hat, daß »die Beste« kein absolutes Merkmal ist, wird man auch nicht besonders enttäuscht sein, wenn ein Nachfolgemodell neue Funktionen bietet, die man vielleicht gar nicht für die eigene Art der Fotografie benötigt.