Einsatz bei der Turn-DM – Veranstaltung

Da ich nicht wusste, wie die Parksituation sein würde, und welche Gegebenheiten vor Ort tatsächlich vorzufinden sein werden, bin ich frühzeitig am Veranstaltungsort erschienen. Dadurch konnte ich noch nahe am Eingang parken und brauchte meine Ausrüstung nicht sehr weit transportieren. Die Halle und damit auch des Pressezentrum waren ebenerdig zu erreichen. In solchen Fällen ist ein Roll-Koffer von unschätzbaren Vorteil. In anderen Situationen natürlich auch, es reicht einem nämlich vollkommen, wenn man die Ausrüstung Treppen hinauf und hinab zu schleppen hat. Für jede ebene Strecke, auf der man den Koffer ziehen kann, ist man dankbar.
Das Presseszentrum war gut ausgestattet, es waren Stromanschlüsse sowie WLAN verfügbar, so dass man sich um die Akkukapazität seines Laptops keine Sorgen zu machen brauchte, und auch das Versenden der Bilder während der Veranstaltung war möglich ohne auf UMTS angewiesen sein zu müssen.
Die Beleuchtung in der Halle war überdurchschnittlich gut. Mit ISO 800 konnte man auf 1/640s je nach Bereich sogar auf 1/800s einstellen, was dann im Av-Modus teilweise Blende 4 bis 5 erreichte. Diese Verschlusszeiten haben weitestgehend die Bewegung eingefroren, und die etwas größere Blende sorgte für spürbar mehr Schärfentiefe als Blende 2.8, zumal je nach Gerät und Turnübung ausgestreckte Arme und Beine schnell in Unschärfe versinken können.
Die Einturnphase konnte ich gut nutzen, um die Belichtungsparameter zu ermittteln, und ein erstes Gefühl für den Wettkampf und die möglichen Motive zu bekommen. Dabei wurde mir schnell bewusst, dass die Sportart nicht so einfach zu fotografieren sein wird. Man hat nur ein bis zwei Minuten Zeit pro Turner, beim Sprung sogar nur zwei Sekunden, um brauchbare Bilder zu bekommen.
Ich hatte mich vorab bereits vertraut gemacht, welche Sportler favorisiert waren, und eventuell für den Sieg in Frage kommen können. Glücklicherweise waren die vemeintlich besten Ahtleten in einer Riege vereint, so dass ich die Gruppe von einem Gerät zum nächsten begleiten konnte, um von jedem potenziellen Sieger zumindest ein paar gute Action-Bilder zu erhalten. Da an allen Geräten parallel geturnt wurde, war es nicht möglich, alle Sportler im Bild festzuhalten. In solchen Situationen kommt man nicht daran vorbei, sich auf die wichtigsten Teilnehmer „einzuschiessen“. Die Geräte-Einzelfinals tagsdarauf konnte ich besser abdecken. Es fanden nur an zwei Geräten gleichzeitig Wettkämpfe statt, und dazu turnten die Sportler noch hintereinander, so dass ich fast immer von meiner Foto-Position alle Wettkämpfer einfangen konnte. Nur zweimal wurde es schwierig, nämlich bei der Kombination Sprung Frauen und Bodenturnen Männer waren die Fernsehkameras im Weg beim Blick auf die Bodenturner, und beim Doppel Stufenbarren und Pauschenpferd waren beide Geräte nicht von einer Position abzudecken, und der Weg zwischen den Geräten für einen Positionswechsel war zu weit.
Abgesehen von Action-Bildern sind bei Meisterschaften natürlich Bilder von den Siegerehrungen gefragt. Auch hierzu sollte man sich frühzeitig informieren, wie die Ehrung abläuft, und von wo man fotografieren darf, um sich rechtzeitig einen guten Platz zu sichern. Es dürfte ersichtlich sein, dass die Position auf Höhe der Mitte des Siegerpodest am besten ist. Dort bestehen die größten Chancen, dass alle Sportler zumindest einmal kurz nach vorne in die Kamera blicken. Außerdem hat man keine verzehrte Perspektive, und im Hintergrund tauchen keine störende Elemente auf, vor allem dann nicht, wenn dort eine Reklamewand steht.
Sogenannte Feature-Bilder, d.h., Sachaufnahmen und Impressionen sollte man auch immer im Auge behalten. Zwischendurch sollte man immer mal schauen, ob sich nicht entsprechende Motive finden, die Allgemeingütlig sind, und stellvertretend für die Sportart stehen.

Fabian Hambüchen beim SprungEugen Spiridonov bereitet sich auf den Sprung vor, er reibt sich Hände und Füsse mit Magnesia einChristina Kuhn beim Bodenturnen
Elisabeth Seitz auf dem SchwebebalkenPhilipp Boy am ReckNadine Jarosch beim Sprung
Andreas Toba am PauschenpferdMatthias Fahrig am Barren
Turngerät RingeKim Bui auf dem Schwebebalkenvon links bei Siegerehrung Nadine Jarosch auf dem 2.Platz, Deutsche Meisterin Elisabeth Seitz, Kim Bui auf dem 3.PlatzThomas Taranu beim Bodenturnen

Das Objektiv – Erste Überlegungen

Die meisten Sportarten im Freien verlangen zunächst nach langer Brennweite, 200mm sind bei Fußball oder Hockey schon knapp bemessen, aber bei entsprechender Aufnahmeposition und Motivwahl durchaus noch ausreichend. Bei Tageslicht kann man sich dafür etwas Lichtstärke sparen, und bei der Entfernung kann man auch bei Blende 4.0 noch ausreichend freistellen.
Bei den meisten Hallensportarten sieht es dagegen umgekehrt aus. Abgesehen von den großen Multifunktionsarenen ist die Beleuchtung leider oft sehr dürftig, so daß der Einsatz von Blende 2.8 fast schon der Normalfall ist. Manchmal reicht selbst das nicht aus, und nur ein 1.8er-Objektiv mit entsprechender ISO-Wahl bringt die benötigten kurzen Verschlußzeiten. Dafür sind die Spielfelder in den Hallen meistens kleiner als bei Freiluft-Sportarten, und mittlere Teleobjektive bis zu 200-mm-Brennweite sind völlig ausreichend. Für z.B. Basketball oder Handball ist ein Objektiv mit 85mm f/1.8 für den Anfang eine sehr gute Wahl.
Objektive mit Bildstabilisatoren sind nicht zwingend notwendig. Will man Action einfrieren, benötigt man so kurze Verschlusszeiten, daß man auch mit sehr langer Brennweite kaum die Aufnahme verwackeln kann. Nach Faustformel ergibt 1 / Brennweite ungefähr die längste Belichtung, bei der aus freier Hand die Aufnahme gerade noch gelingt.. Hat man also 200-mm-Brennweite, sollte 1/200s ausreichen, um ein scharfes Bild zu erhalten. Für die meisten Sportarten benötigt man zum Einfrieren der Bewegung sogar mindestens 1/500s oder besser 1/640s. Das bedeutet, daß man bei einem 400-mm-Objektiv auch aus Freihand verwacklungsfreie Aufnahmen machen kann. Abgesehen davon, wird man bei dieser Objektiv-Größe sowieso vermutlich ein Einbein-Stativ verwenden, das zusätzlich stabilisiert.
Beim Mitziehen hingegen kann der Bildstabilisator hilfreich sein. Im entsprechenden Modus wirkt er den senkrechten Objektivbewegungen entgegen. Als kleiner Nebeneffekt wird auch das Sucherbild stabilisert, das kann hilfreich sein bei der Fokussierung. Nützlich wird der Bildstabilisator, wenn man ohne Blitz in dunklerer Umgebung ruhende Motive aufnehmen möchte, z.B. im Presseraum oder auf der Tribüne.
Ein hochwertiges Objektiv hat einen größeren Anteil an einem gelungenen Foto als das Kamera-Gehäuse. Sicherlich werden die aktuellen Kameras immer besser bezüglich des Rauschverhaltens, so daß man vordergründig vielleicht gerne auf lichtstarke Objektive verzichten möchte. Allerdings wird man dadurch auch oft auf einen schnellen Autofokus und die besseren Möglichkeiten der Freistellung zu verzichten haben.

Kamera-Eigenschaften – Belichtungsmessung

Ob man nun die Belichtungsmessung vollautomatisch der Kamera überlässt oder durch Erfahrung bei der Einstellung manuell eingreift, ein guter Belichtungsmesser ist mehr als wichtig, um zu einer korrekten Aufnahme zu gelangen. Glücklicherweise haben alle namhaften Hersteller in ihren Kameras ausgezeichnete und hochwertige Messsysteme eingebaut, so daß man hier auf die Technik vertrauen kann.
Betrachten sollte man allerdings die verschiedenen Messmethoden, die eine Kamera bereitstellt. Mit der geläufigen Matrixmessung (auch Mehrfeldmessung genannt) erzielt man in den meisten Situationen gute Ergebnisse, aber manchmal benötigt man auch andere Messmethoden, um in unterschiedlichen Lichtsituationen gute Aufnahmen erzielen zu können.
Eine Matrixmessung unterteilt das Sucherfeld in ein Raster, misst jede sich ergebende Zelle aus und berechnet dann eine durchschnittliche Belichtung, die die gesamte Szene erfasst. Die Matrixmessung ist für fast alle Situationen geeignet und die eingebauten Berechnungsmethoden der meisten großen Hersteller erzielen ein ausgezeichnetes Ergebnis.
Dennoch wird die Matrixmessung in manchen Situationen den Bildvordergrund wohl unterbelichten, z.B. wenn ein helles Fenster oder eine Landschaft im Hintergrund ist. Für diese Fälle ist eine mittenbetonte Messung vorteilhafter. Sie arbeitet fast genau wie die Matrixmessung, gewichtet bei der Berechnung aber die Mitte des Bildausschnitts stärker. In der Bildmitte findet man im Regelfall das Hauptmotiv, das auf diese Art besser belichtet wird.
Eine Spotmessung ist von großer Bedeutung für Fotografen, die die Belichtungsmessung auf einen kleinen, ganz genau definierten Bereich des Bildes legen wollen. In Situationen mit sehr hohen Kontrasten kann eine Spotmessung verhindern, daß Bildteile über- oder unterbelichtet werden, indem die Belichtungs­messung eben auf diesen Bereich gelegt wird.
Mancher Hersteller unterscheidet bei dieser Meßmethode noch zwischen Selektivmessung und Spotmessung. Bei der Selektivmessung wird ein ca. 10% großer Bereich in der Mitte des Suchers gemessen. Der Messbereich bei der tatsächlichen Spotmessung ist dann meistens unwesentlich größer als ein Fokusmessfeld im Sucher. Diese Unterscheidung hat einen Vorteil bei Kameras, bei denen man den Fokuspunkt auswählen kann, denn man verändert so auch den Spotmesspunkt gleichzeitig mit. Ein Selektiv- oder Spotmessung wird fast immer bei Aufnahmen im Gegenlicht verwendet.
Bei den Spiegelreflexkameras erfolgt die Messung durch das Objektiv (through the lens, TTL). Das bedeutet, der Belichtungsmesser »schaut« durch die Optik auf die Szene und bewertet sie. Ein TTL-Belichtungsmesser hat dadurch den Vorteil, auch bei Objektivvorsätzen wie z.B. Filtern oder Konvertern korrekt messen zu können, weil er eben auch durch diese Vorsätze hindurch misst.

Kamera-Eigenschaften – Weißabgleich

Eine der erstaunlichsten Leistungen des menschlichen Auges ist, Farben unabhängig vom umgebenden Lichttyp richtig sehen zu können. Das kann weder ein analoger Film noch eine digitale Kamera. Beim Fotografieren mit einer digitalen Kamera muss diese auf die aktuelle Lichtsituation, sprich Farbtemperatur, eingestellt werden, das nennt man Weißabgleich.
Falls man allerdings Bilddaten im RAW-Format aufnimmt, ist der Weißabgleich in der Kamera nicht von großer Bedeutung, da er auch nach der Aufnahme per RAW-Konverter-Software im Computer verändert werden kann.
Heutzutage verfügen fast alle Kameras über einen ausgezeichneten automatischen Weißabgleich. Dennoch gibt es Situationen, in denen diese Automatik durch Bildteile fehlgeleitet wird. Viele Kameras verfügen über eine Auswahl an Weißabgleichsvoreinstellungen für bestimmte Lichtsituationen wie z.B. Sonnenschein, Bewölkung, Blitzlicht, Neonlicht usw. Viele Modelle bieten auch an, den Weißabgleich manuell vorzunehmen.
Da die Einstellung des Weißabgleichs für eine bestimmte Lichtsituation vorgenommen wird und diese sich meist nicht schnell und drastisch ändert, z.B. bei Studioaufnahmen, ist eine ebenso schnelle Bedienbarkeit wie bei der Belichtungskorrektur oder anderen Belichtungsparametern nicht so wichtig. Trotzdem sollte die Einstellmöglichkeit des Weißabgleichs nicht zu tief im Kameramenü versteckt sein.

Aufnahmemodus: manuell oder Halbautomatik

Jede Kamera bietet verschiedene Aufnahmemodi mit unterschiedlichen Stufen der manuellen Eingreifmöglichkeiten an.
Der Programm-Modus ist eine Automatik, bei der die Kamera die vollständige Belichtungskontrolle übernimmt. Abhängig von der Qualität der gewählten Kamera ist ein solcher Modus für die meisten Schnappschüsse in alltäglichen Situationen geeignet. Für die Aufnahme von Action-Szenen in der Sportfotografie ist diese Vollautomatik allerdings unbrauchbar.
Der angehende Sportfotograf benötigt zumindest die sogenannten Halbautomatiken, die eine gewisse manuelle Kontrolle erlauben.
Bei der Zeitautomatik (auch Blendenpriorität genannt) kann man eine bestimmte Blende wählen, die Kamera passt dann die notwendige Belichtungszeit für ein richtig belichtetes Bild automatisch an.
Bei der Blendenautomatik (auch Zeitpriorität genannt) gibt man eine Belichtungszeit vor, die Kamera wählt dann die zur korrekten Belichtung notwendige Blendenöffnung aus.
In den meisten Fällen wird man mit den Halbautomatiken ausreichend manuelle Kontrolle über die Belichtung haben und gute Resultate erzielen. Um aber die maximale Kontrolle zu erhalten, sollte das Kameramodell auch einen Modus ermöglichen, in dem man dann Blende und Zeit selbst vorgeben kann.
Heutzutage verfügt jede Spiegelreflexkamera, auch in den unteren Preiskategorien, über diese drei wichtigen Modi (manuell, Zeit- und Blendenautomatik).