Arbeitsablauf (3) – Bilder „entwickeln“

Nachdem man nun die Bilder halbwegs organisiert auf der Festplatte hat, geht es an die grundsätzliche Bearbeitung. Das Ganze ist in etwa vergleichbar mit der Entwicklung eines Negativfilms früherer Tage. Auch wenn viele Hobbyfotografen der Meinung sind, das Bild kommt fertig aus der Kamera, man kann es sich ja sofort anschauen, so ist doch eine gewisse Grundbearbeitung notwendig, um aus der Bilddatei ein richtiges Foto zu machen. Vor allem dann, wenn man im RAW-Format fotografiert. Dieses Format entspricht tatsächlich noch weitestgehend dem Negativ, im Gegensatz zum JPG-Format.
Über die Wahl zwischen RAW- oder JPG-Aufnahmeformat wird fast genauso ideologisch verbissen gestritten wie über die Ausrüstung, ob nun von Canon oder Nikon. Fakt ist, im RAW-Format hat man einfach mehr Spielraum was die Qualitätsverluste bei der Verarbeitung angeht, sowie mehr Möglichkeiten verlorengegangene Bildinformationen bei Über- oder Unterbelichtungen wieder zu rekonstruieren. Andererseits kann man eine qualitativ gute Kamera auch so einstellen, daß man sehr gute JPG-Bilder erhalten kann, die in bestimmten Situationen vollkommen ausreichend sind. Hierzu zählen die berühmten Urlaubsfotos oder auch die Schnappschüsse bei Familienfeiern, also alle Situationen, in denen man selten mit seiner kompletten Foto-Ausrüstung unterwegs ist.
Nutzt man das RAW-Format, dann kommt man um eine gewissse Bildentwicklung nicht herum. In Photoshop oder Lightroom gelangt man automatisch in den Camera Raw-Konverter, wenn man ein Bild im RAW-Format aufruft bzw. importiert hat. Erst dann kann man eine Kopie des Bildes in einem allgemeingültigen Format wie z.B. TIFF zur weiteren Bearbeitung in Photoshop öffnen. Der Konverter in Photoshop ähnelt von den Funktionen her mittlerweile sehr der Oberfläche von Lightroom. Anstatt Reiter in Photoshop hat man eine übersichtliche Arbeitsleiste in Lightroom. Diese Funktionsleiste geht man im Grunde von oben nach unten durch, und bearbeitet die Punkte, die notwendig sind.
Als erstes betrachtet man den Weißabgleich. Hier ist es nützlich, wenn man zu Beginn jeder Aufnahmeserie als Farbreferenz ein Bild mit Graukarte gemacht hat. Dann klickt man mit der Farbaufnahme-Pipette einfach auf diese Graukarte, und schon ist der Weißabgleich farbneutral durchgeführt. Wenn man von vornherein weiß, daß man dadurch eine spezielle Lichtstimmung zerstört (z.B. Sonnenuntergang), die man unbedingt erhalten möchte, dann verzichtet man einfach auf diesen Schritt des Weißabgleichs. Es geht erst einmal nur um die grundsätzliche „Bild-Entwicklung“. Spezielle Bearbeitungsschritte werden später in Photoshop gezielt vorgenommen. Dann sind auch wesentlich bessere Werkzeuge wie Ebenen und Masken verfügbar.
Nach dem Weißabgleich schaut man sich das Histogramm an. Reichen die Lichter bzw. Tiefen an den Rand links bzw. rechts heran? Über den Regler „Belichtung“ reguliert man die Helligkeit des Bildes. Mit „Wiederherstellung“ lassen sich bis zu einem gewissen Grad Überbelichtungen korrigieren. Mit dem „Schwarz“-Regler sowie dem „Aufhellen“ kann man die dunklen Bereiche des Bildes anpassen bzw. rekonstruieren. Mit diesen Aktionen führt man eine sog. Tonwertspreizung durch. Auch hierbei werden ggfs. die Feinheiten später in Photoshop eingestellt. Es geht zuerst darum, daß das Bild insgesamt „gut aussieht“. 🙂
Hat man die Belichtung angepaßt, sollte man den Kontrast über die Gradationskurve verändern. Auch hierbei sind vorerst nur moderate Werte gefragt. Man stellt die Kurve nur leicht steil, in dem man in den hellen Bereichen geringe positive Werte einstellt, und in den dunklen Bereichen entsprechend negative Werte. Die Kurve ist in die vier Bereiche eingeteilt, die auch mit den Reglern im Belichtungsbereich angepaßt werden können. Aufgrund der Änderungen im Kontrast kann es durchaus möglich sein, daß man nochmal ein paar leichte Korrekturen in der Belichtung durchzuführen hat, weil die Endbereiche zu stark beeinflußt wurden.
Während man mit der Gradationskurve den Kontrast im gesamten Bild ändert, kann man mit dem Klarheit-Regler den Kontrast im mittleren Tonwertbereich anpassen. Dadurch werden Lichter und Tiefen nicht beeinflusst. Interessant ist auch der Regler für „Lebendigkeit“. Die Bereiche, die bereits eine starke Farbsättigung vorweisen, werden nicht verändert, nur die Bereiche wenig Farbe werden intensiviert. Inwieweit man nun noch die Möglichkeiten der gezielten Farbveränderungen nutzt (Farbton, Sättigung, Luminanz), bleibt jedem selbst überlassen, und hängt sicher auch von der Aufnahme ab. Im Regelfall nutze ich diese Funktion hier nicht.
Dagegen ist eine sogenannte Entwicklungsschärfung nützlich. Spätestens hier stellt man fest, ob das Bild überhaupt scharf genug ist auch in den Details. Die Schärfung sollte in der 1:1-Ansicht vorgenommen werden. Denn dann sieht man bei gedrückter Alt-Taste (unter Windows) die Veränderungen, wenn man die Regler bewegt. So sieht man z.B. die Maske wie unter Photoshop mit ihren schwarzen geschützten Bereichen und den weißen veränderbaren Bereichen. Die Detail-Anzeige erscheint umgekehrt, die schwarzen Konturen zeigen die Details, die geschärft werden, der hellgraue Bereich bleibt unberührt. Die Stärke der Schärfung wird in einem S/W-Bild dargestellt. Da bei diesem Vorgang das Bild noch nicht endgültig bearbeitet ist, und vor allem der Bildauschnitt sowie das Ausgabegerät noch nicht bestimmt sind, sollte man auch hier moderate Werte nehmen, so daß gerade eine Schärfung zu erkennen ist. Endgültig geschärft wird das Bild erst kurz vor der tatsächlichen Ausgabe, dann wenn auch die auszugebene Bildgröße feststeht.
Nach dieser Basis-Bearbeitung hat man normalerweise ein gutes, vorzeigbares Bild, wie man es z.B. dem Fotomodel bzw. Kunden präsentieren kann. Die Feinheiten wie z.B. Mischlicht-Verhältnisse anpassen, eine Portrait-Retusche oder sogar Foto-Montagen bzw. Freistellungen werden dann in Photoshop vorgenommen.

Arbeitsablauf (2) – Favoriten auswählen

Nachdem man die Bilder importiert und halbwegs organisiert auf der Festplatte hat, fängt man an die Fotos zu bewerten. Gerade im Bereich der Portraitfotografie sollte man nur die allerbesten Bilder auswählen, die man letztendlich bearbeitet und veröffentlicht.
Im ersten Durchgang kann man schon mal getrost alle Fotos löschen, die auch nur annähernd unscharf sind. Auch durch die beste Bildbearbeitung gelingt es nicht ein unscharfes Bild scharf abgebildet zu bekommen. Und vor allem Unschärfe im Bereich der Augen ist bei einem Portrait unverzeihlich und nicht akzeptabel. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Wenn es künstlerisch so gewollt ist, daß z.B. das Gesicht unscharf dargestellt wird, während ein anderes Körperteil durch gezielte Schärfe in den Fokus gerückt wird, dann wird man dieses Bild selbstverständlich nicht löschen. 😉
Ich nutze wiederum Lightroom, um Bilder zu bewerten und auszuwählen. Man hat bei diesem Programm die Möglichkeit Sterne und Farben zu vergeben sowie ein Status-Flag zu setzen. Für mich war bisher die Sterne-Vergabe ausreichend. Im ersten Durchgang vergebe ich einen Stern an alle Bilder, die ich behalten möchte. Dann filtere ich alle Fotos, und lasse mir diejenigen ohne Stern anzeigen. Das sind im Regelfall die Löschkandidaten. Darunter sind eben nicht nur unscharfe Bilder oder Testaufnahmen, um die Belichtung zu prüfen, sondern auch Bilder, auf denen ich eventuell Fußspitzen, Finger oder andere Gliedmaßen angeschnitten habe bzw. auf denen das Model die Augen geschlossen hatte oder eine andere Grimasse bzw. offensichtlich unvorteilhafte Pose zu sehen ist. Ich könnte die Bilder selbstverständlich sofort bei der ersten Durchsicht löschen, aber so habe ich noch einmal die Möglichkeit, die Entscheidung zu revidieren. Eventuell läßt sich das Foto doch noch über einen Bildausschnitt retten, weil der Gesichtsausdruck sich in den anderen Bildern der Serie nicht so wiederfindet.
Mit jedem weiteren Sichtungsdurchgang hangel ich mich dann über die Sternen-Vergabe durch bis zu der Auswahl meiner Spitzenfotos. 🙂 Aus den 1-Stern-Bildern suche ich die 2-Sterne-Bilder heraus, daraus die 3-Sterne-Bilder. Bei einem Shooting mit ca. 200 Fotos
reicht eine 3-Sterne-Auswahl aus. Man sollte sich von vornherein zwingen, kritisch seine Bilder zu beurteilen, und sich dadurch auch nicht lange mit durchschnittlichen Fotos aufhalten. Bei meiner 3-Sterne-Verteilung ergibt sich z.B. folgendes Verhältnis: ca. 15% 3-Sterne-, ca. 25% 2-Sterne- und ca. 60% 1-Stern-Bilder.
Nach dem Bewertungsdurchgang füge ich abschließend noch weitere Suchbegriffe hinzu, wie z.B. den Modelnamen, Typ der Aufnahme (outdoor, indoor oder Studio), Art der Aufnahme (Portrait, Fashion usw) und andere interessante Kriterien. Da ich die Bilder nicht kommerziell nutze und nicht über eine Bildagentur anbiete, reichen mir für den Hausgebrauch wenige Schlagwörter aus. Ich suche sehr selten in alten Fotos nach bestimmten Aufnahmen. Im Regelfall kann ich das Gesuchte bereits über den Modelnamen und das ungefähre Datum einkreisen. Aufgrund der guten Übersicht in Lightroom finde ich dann das benötigte Bild sehr schnell.
Wer seine Bilder zum Verkauf anbietet, der sollte sich die Suchbegriffe sehr genau überlegen. Je mehr passende Schlagwörter man dem Bild zuordnet, desto eher wird es gefunden und damit steigen natürlich die Chancen auf einen Verkauf. Man sollte auch nicht nur das was offensichtlich zu sehen ist verschlagworten, sondern auch genau betrachten, welche Emotionen das Bild auslöst. Diese Gefühlsbegriffe heben das Foto dann bei der Suche aus der Masse des Angebots hervor.

Arbeitsablauf – Importieren & Organisieren

Die ersten drei Schritte des Basis-Workflows lassen sich im Regelfall zusammengefassen, vor allem mit Lightroom wird der Arbeitsablauf sehr einfach. Man kann selbstverständlich auch manuell die Bilder von der Speicherkarte auf den Computer kopieren, und dann mit einem kostenlosen Progamm wie z.B. dem FastStone Image Viewer die Dateien umbenennen, sowie grundlegende Metadaten hinzufügen.
Bevor man die Bilddateien auf den Computer lädt, sollte man sich die Namensvergabe überlegen. Mit den Originalnamen wie z.B. „_MG6523.cr2“ kann man wenig anfangen, genauso wenig wie mit „Urlaub_auf_Mallorca_im Sommer_2009_Nr2353.cr2“. 😉 Die Benennung und Organisation der Bilder hängt natürlich davon ab, was und wieviel man fotografiert. Ich habe mich dazu entschlossen, jeweils übergeordnet einen Jahresordner anzulegen, und in diesen dann pro Shooting einen Unterorder zu erzeugen. Somit kann ich selbst auf Systemebene schnell ein Shooting wiederfinden, und z.B. einfach Daten sichern, in dem ich dann einzelne Ordner auf externe Speichermedien kopiere bzw. eine DVD brenne. Die Shooting-Ordner benenne ich nach dem Model und ergänze den Namen noch mit dem Datum, da ich schon mal häufiger mit dem selben Model zusammenarbeite. Da ich nur wenige Shooting-Termine im Jahr habe, reicht mir als Hinweis z.B. „Denise_20100110“ aus, um zu wissen, um welche Bilder es sich handelt. Die Bilddateien benenne ich in der Form „Datum_TJ_lfdNr“, also z.B. „20100220_TJ_001.cr2“. Die Fotomodelle bekommen eine Auswahl der Bilder, aus denen sie diejenigen Fotos aussuchen können, die ich für sie dann bearbeite. Somit finde ich schnell die entsprechenden Aufnahmen wieder, wenn sie mir die Dateinamen übermitteln. Aufgrund des Modelnamens und des Datums finde ich sofort in den richtigen Ordner, so daß ich nur noch die Bildnummer zu suchen brauche. Mein Namenskürzel im Dateinamen dient dem Model als Hinweis, damit es weiß, von wem die Fotos sind. 🙂
Nach diesen Vorüberlegungen lassen sich nun die Bilder von der Speicherkarte ganz einfach auf die Festplatte kopieren, sofort umbennen und in den Katalog von Lightroom importieren. Im Import-Dialog dieser Software kann man den entsprechenden Ordner auswählen bzw. anlegen, in den die Bilddateien kopiert werden sollen. Man kann sogar gleichzeitig eine Sicherungskopie in einen anderen Ordner erstellen lassen. Außerdem kann man den neuen Dateinamen angeben und den Startwert der lfd. Nummer festlegen, so daß beim Import die Dateien sofort umbenannt werden. Für die Metadaten lassen sich sogenannte „Presets“ erstellen, in denen erste grundlegende Informationen hinterlegt werden können, z.B. Fotografen-Name, Kontaktdaten und allgemeine Suchbegriffe.
Damit habe ich die Bilder organisiert und gespeichert im für mich richtigen Ordner mit dem gewünschten Dateinamen und mit elementaren Metadaten. Die ersten Schritte des Arbeitsablaufs sind erledigt, jetzt kann ich die Sichtung und Auswahl der Bilder vornehmen.

Von der Aufnahme bis zum fertigen Bild

Egal was und wieviel man fotografiert, es ergibt sich automatisch ein Basis-Workflow, dem der Hobbyfotograf oft unbewußt und der Fortgeschrittene meistens gezielt folgt.

  • Zuerst wird man immer die Bilder aus der Kamera bzw. von der Speicherkarte auf den Computer laden.
  • Im Regelfall wird man die Bilder unbenennen. Selten behält man die nichtssagende Namensnennung der Kamera. Mit z.B. img3256.cr2 wird man auf Dauer nicht viel anfangen können.
  • Den Bildern sollte man gewisse Metadaten hinzufügen, dazu gehören z.B. Fotografen-Name, Bildbeschreibung, Basis-Stichwörter und bei kommerzieller Nutzung auch die Kontaktdaten des Fotografen.
  • Nachdem alle Bilder auf dem Computer vorhanden sind, wird man in erster Durchsicht die Kandidaten ermitteln, die sofort gelöscht werden können. Dazu gehören Testaufnahmen, die man zur Belichtungsermittlung gemacht hat, unscharfe Fotos oder auch Bilder, auf denen man dem Model Gliedmaße abgetrennt hat, und die auch mit anderem Bildschnitt nicht mehr verwertbar sind.
  • Hat man alle Bilder ausgesucht, die man vorerst behalten möchte, fügt man nun im weiteren Durchlauf genauere Stichwörter und Suchbegriffe hinzu.
  • Nach der Organisation der Bilder erfolgt nun die erste Basis-Entwicklung. Grundlegend wird der Weißabgleich eventuell korrigiert bzw. angepaßt, sowie die Belichtung, Kontrast und Entwicklungsschärfe eingestellt, so daß die Bilder „gut aussehen“ und für eine erste Präsentation geeignet sind, um sie z.B. dem Model zur Auswahl vorzulegen.
  • Spätestens jetzt sollte man die Bilder archivieren, d.h., sichern. Im Idealfall erfolgt eine Sicherung auf eine externe Festplatte. Hier bietet sich die Gelegenheit, das RAW-Format zusätzlich in ein DNG-Format umzuwandeln, um auch noch in weitentfernter Zukunft ein allgemeingültiges Dateiformat zu haben. Man weiß ja nie, welcher Anbieter bzw. welches Dateiformat überleben wird. Vielleicht wird das spezielle RAW-Format des Kamera-Herstellers eines Tages gar nicht mehr von einer Software unterstützt.

Ich nutze für diesen Arbeitsablauf Lightroom, weil ich mit dem Programm alle Schritte der Reihe nach durchgehen kann. Jenachdem wieviel Bilder man zu verarbeiten hat, kommt man sicher auch mit kostenloser Software zurecht. Womöglich sind dann mehrere unterschiedliche Programme notwendig, aber wenn man nur zwei, drei Mal im Jahr Urlaubsfotos bearbeitet und archiviert, dürfte Lightroom dafür ein zu mächtiges Werkzeug sein, das man nur zum Bruchteil nutzen würde.
In weiteren Artikeln werde ich meinen Workflow in Einzelheiten vorstellen. Er ist sicher nicht allgemeingültig und für jedermann brauchbar, denn es hängt viel davon ab, was und wieviel man fotografiert, aber als Anregung kann er durchaus dienen.

Software-Empfehlung: Lightroom 2

Als ich angefangen habe zu fotografieren, habe ich wie vermutlich die meisten Anfänger meine Bilder zumindest soweit umbenannt, daß sie das Aufnahmedatum im Dateinamen enthielten. Die Fotos wurden in entsprechende Ordner abgespeichert, die nach dem Hauptmotiv benannt wurden. Um mir einen Überblick zu verschaffen bzw. die Bilder zu betrachten, wurde entweder die vom Kamera-Hersteller gelieferte Software genutzt oder ein freier, einfacher Bildbetrachter verwendet (z.B. Irfan View). Einfache Bildbearbeitung wurde ebenfalls mit der Software des Kamera-Herstellers bewerkstelligt (z.B. von Canon mit DPP und/oder Camera Raw). Zusätzlich hatte ich zu Beginn noch irgendeine kostenlose Paint Shop Pro-Version. Da man als Anfänger alle Hände voll zu tun hat mit der Technik, Motivauswahl und Bildgestaltung, fiel auch bei mir die Bildbearbeitung hintenüber. Erst im Laufe der Zeit habe ich mich damit intensiver beschäftigt, und bin über eine Photoshop Elements-Version auf das „große“ Photoshop umgestiegen. Ich habe mir bei Ebay eine alte Photoshop 6-OEM besorgt und konnte dann durch ein günstiges Upgrade auf Photoshop CS aktualisieren. Mittlerweile nutze ich auch Lightroom 2, ein Programm, das ich gutne Gewissens empfehlen kann. Auch wenn es zuerst noch sehr teuer erscheint, sollte meiner Meinung nach selbst der Hobbyfotograf überlegen, ob er sich nicht Lightroom 2 anschafft.
Wer in erster Linie „nur“ fotografiert und bisher wenig bis gar keine Bildbearbeitung anwendet, der ist mit diesem Bilderverwaltungsprogramm sehr gut bedient. Sicherlich kann man Ordnung und Struktur in seine Bildersammlung auch durch eine geschickte Speicherverwaltung auf der Festplatte organisieren. Aber wer in seinen zig Urlaubsfotos nach einem bestimmten Motiv sucht, der investiert schnell eine Menge Zeit, und kann dann immer noch nicht sicher sein, das gewünschte Foto zu finden.
Adobe Photoshop Lightroom 2 ist eine umfassende Werkzeug-Kombination für den Profi genauso wie für den Amateur. Hiermit läßt sich die Fotoverarbeitung von der Aufnahme bis zum fertigen Bild optimieren. Man erhält alle Funktionen „unter einem Dach“: importieren, verwalten, verarbeiten und präsentieren.
Der Import läßt sich automatisieren, so daß er startet, sobald eine Speicherkarte bzw. Kamera an den Rechner angeschlossen wird. Beim Importieren kann man dann die Bilder den eigenen Wünschen entsprechend automatisch umbennen, sowie in neu erstellte Ordner kopieren lassen. Außerdem können gewünschte Metadaten-Einstellungen (Bilddaten, Stichwörter) schon während des Imports auf Fotos angewendet werden. Metadaten können im IPTC-, EXIF- oder XMP-Format angezeigt und bearbeitet werden.
Dank dieser Metadaten und ggfs. zusätzlich hinzugefügter Stichwörter hat man immer einen guten Überblick über seinen Bildbestand, und mit Hilfe vielseitiger Werkzeuge geschieht das Auswählen, Sortieren, Filtern und Verwalten einfach und schnell. Zusammengehörige Fotos können als Sammlung gespeichert werden, indem man einfach eine Bezeichnung für die Gruppe vergibt. Diese Sammlungen lassen sich dann per Mausklick aufrufen und beliebig ändern.
Der nicht zu unterschätzend Vorteil von Lightroom ist die verlustfreie Bearbeitung der Bilder. Änderungen, die man an den Bildern vornimmt, werden in einer eigenen Datei von Lightroom gespeichert, so daß das Originalbild unverändert erhalten bleibt. Sicherlich ist man damit darauf angewiesen, daß diese Datei immer vorhanden ist, und nicht gelöscht oder beschädigt wird, aber die Bilder wird man im Regelfall auch sichern, so daß man einfach diese Lightroom-Datei zusätzlich speichert.
Alternativ kann man die vorgenommenen Änderungen in einem Bild jeweils in einer xmp-Datei abspeichern lassen. Man kann natürlich auch die bearbeiteten Bilder sofort exportieren, so daß diese Version dann als Datei vorliegt, die man dann sichern kann. Ob man danach das Original noch behält bleibt jedem selbst überlassen. Den besten und sichersten Arbeitsablauf hat jeder selber für sich festzulegen.
Interessant an Lightroom ist eben auch die Massenbearbeitung. Bei Aufnahmeserien, die unter gleichen Bedingungen erstellt wurden, ist die Bearbeitung im Regelfall identisch. Entweder man berabeitet sofort mehrere Bilder auf einmal, oder man verarbeitet ein Bild, und überträgt diese Entwicklungseinstellung danach einfach auf
Arbeitsschritte nachvollziehen.
Änderungen werden automatisch protokolliert, so daß man immer zu einem vorherigen Bearbeitungsstand zurückkehren kann. Besonders nützlich für diesen Fall ist die Möglchkeit das Originalfoto und die bearbeitete Version nebeneinander zu stellen, um die wirkung der Bearbeitung besser beurteilen zu können. Mit Lightroom 2 kann man mittlerweile auch gezielt Teilbereiche des Bildes bearbeiten, was unter Lightroom 1 noch nicht möglich gewesen ist. Entweder durch die automatische Generierung oder gezielt über Regler für Farbkanalmischung lassen sich Farbfotos präzise in Graustufenbilder umwandeln. Hilfreich hierbei sind auch sogenannte virtuelle Kopien, sie bilden im Grunde einen Bearbeitungsstand eines Fotos ab, benötigen aber wiederum wenig Speicherplatz auf der Festplatte, da sie eben keine „körperliche“ Kopie der tatsächlichen Bilddatei sind. Somit kann man ohne großen Aufwand und mit wenig speicherplatz schnell jeweils eine Farb- sowie Schwarz/Weiß-Version eines Bildes anfertigen. So kann man z.B. zuerst das Foto in der Farbversion bearbeiten bis es in der gewünschten Fassung vorliegt, dann legt man davon eine virtuelle Kopie an und wandelt diese in Graustufen um. Diese Version kann man dann weiter bearbeiten unabhängig von der Farbversion des Bildes.
Beim Exportieren der Bilder kann man dann das Dateiformat (z.B. jpg), die Auflösung und die Schärfe für das Ausgabemedium (z.B. Bildschirm oder Fotopapier) festlegen.
Es ist auch möglich eine Online-Galerie auf HTML- oder Adobe Flash Player-Basis zu generieren, und diese Fotogalerien dann zeitsparend direkt aus Lightroom 2 hochladen zu lassen. Diese Web-Galerien lassen sich direkt in Ihren Web-Bereich exportieren, wenn man die Zugangsdaten seines Webservers als FTP-Vorgabe speichert.
Wer seine Bilder lieber am Bildschirm präsentieren möchte, kann dynamische Diashows erstellen, und sie z.B. mit Hintergrundmusik gestalten.
Die Vorstellung hier kann nur in aller Kürze erfolgen, und andeuten, was man mit Lightroom alles anstellen kann. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, und selbst wenn man als Anfänger fast schon wieder Erschlagen wird vom Funktionsumfang, so sollte man sich meiner Meinung nach dieses Programm doch einmal anschauen. Es dürfte auf die ein oder andere Weise fast bei jedem den Arbeitsablauf vereinfachen und letztendlich Zeit sparen. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß man sich am Anfang doch etwas Zeit gönnt, um sich mit Lightroom intensiver zu beschäftigen. Das Programm ist zwar weitestgehend intuitiv zu bedienen, aber wenn man die Vorteile auskosten möchte, kommt man nicht daran vorbei, es ausgiebig zu testen, um für sich einen optimalen Arbeitsablauf festzulegen.

Informationen: Lightroom 2-Website