Das Objektiv – Erste Überlegungen
Die meisten Sportarten im Freien verlangen zunächst nach langer Brennweite, 200mm sind bei Fußball oder Hockey schon knapp bemessen, aber bei entsprechender Aufnahmeposition und Motivwahl durchaus noch ausreichend. Bei Tageslicht kann man sich dafür etwas Lichtstärke sparen, und bei der Entfernung kann man auch bei Blende 4.0 noch ausreichend freistellen.
Bei den meisten Hallensportarten sieht es dagegen umgekehrt aus. Abgesehen von den großen Multifunktionsarenen ist die Beleuchtung leider oft sehr dürftig, so daß der Einsatz von Blende 2.8 fast schon der Normalfall ist. Manchmal reicht selbst das nicht aus, und nur ein 1.8er-Objektiv mit entsprechender ISO-Wahl bringt die benötigten kurzen Verschlußzeiten. Dafür sind die Spielfelder in den Hallen meistens kleiner als bei Freiluft-Sportarten, und mittlere Teleobjektive bis zu 200-mm-Brennweite sind völlig ausreichend. Für z.B. Basketball oder Handball ist ein Objektiv mit 85mm f/1.8 für den Anfang eine sehr gute Wahl.
Objektive mit Bildstabilisatoren sind nicht zwingend notwendig. Will man Action einfrieren, benötigt man so kurze Verschlusszeiten, daß man auch mit sehr langer Brennweite kaum die Aufnahme verwackeln kann. Nach Faustformel ergibt 1 / Brennweite ungefähr die längste Belichtung, bei der aus freier Hand die Aufnahme gerade noch gelingt.. Hat man also 200-mm-Brennweite, sollte 1/200s ausreichen, um ein scharfes Bild zu erhalten. Für die meisten Sportarten benötigt man zum Einfrieren der Bewegung sogar mindestens 1/500s oder besser 1/640s. Das bedeutet, daß man bei einem 400-mm-Objektiv auch aus Freihand verwacklungsfreie Aufnahmen machen kann. Abgesehen davon, wird man bei dieser Objektiv-Größe sowieso vermutlich ein Einbein-Stativ verwenden, das zusätzlich stabilisiert.
Beim Mitziehen hingegen kann der Bildstabilisator hilfreich sein. Im entsprechenden Modus wirkt er den senkrechten Objektivbewegungen entgegen. Als kleiner Nebeneffekt wird auch das Sucherbild stabilisert, das kann hilfreich sein bei der Fokussierung. Nützlich wird der Bildstabilisator, wenn man ohne Blitz in dunklerer Umgebung ruhende Motive aufnehmen möchte, z.B. im Presseraum oder auf der Tribüne.
Ein hochwertiges Objektiv hat einen größeren Anteil an einem gelungenen Foto als das Kamera-Gehäuse. Sicherlich werden die aktuellen Kameras immer besser bezüglich des Rauschverhaltens, so daß man vordergründig vielleicht gerne auf lichtstarke Objektive verzichten möchte. Allerdings wird man dadurch auch oft auf einen schnellen Autofokus und die besseren Möglichkeiten der Freistellung zu verzichten haben.

