Fotografieren beim American Football
Im laufenden Monat startet die neue American Football-Saison. Bei dieser Sportart kommt es noch mehr darauf an, das man die Regeln halbwegs kennt und auch mit den taktischen Möglichkeiten ein wenig vertraut sein sollte. Nicht umsonst wird American Football auch als “Rasenschach mit Menschen” bezeichnet.
Als Zuschauer ist es schon schwierig den Spielzügen zu folgen, und zu erkennen wo der Ball sich gerade befindet. Möchte man American Football fotografieren, sollte man aber annähernd vorausahnen können, was passieren könnte. Ist eher ein Laufspielzug oder ein Passspiel zu erwarten? Wer könnte der Paßempfänger sein? Das Spiel ist zu schnell, um einfach nur zu reagieren, vor allem dann, wenn der Ball viele Yards das Spielfeld entlang geworfen wird.
Versucht man dem Ball zu folgen, wird es kaum gelingen, oft sieht man ihn gar nicht, z.B. bei Laufspielen oder Täuschungsmanövern. Man hat also vorher zu entscheiden, ob man den Quarterback beobachtet, um den Wurf einzufangen oder die mögliche Ballübergabe an den Runningback, oder ob man den Paßempfänger (Receiver) beobachtet, um das manchmal spektakuläre Fangen des Balles zu fotografieren.
Da das Spielfeld die Ausmaße eines Fußballfeldes hat, wird man von der Zuschauertribüne aus kaum gute Bilder machen können. Deshalb bleibt einem nur der Spielfeldrand. Nachdem die NFL Europe seit 2007 den Spielbetrieb eingestellt hat, gibt es “nur noch” den normalen deutschen Ligenbetrieb von der Bundes- bis zur Landesliga. Für den Amateurfotografen ergeben sich damit aber immer noch genügend Gelegenheiten, denn die Stadien bzw. die Sportart sind nicht gerade von Fotografen überlaufen. Deshalb bekommt man nach freundlichem Nachfragen sehr wahrscheinlich die Erlaubnis vom Spielfeldrand aus zu fotograferieren, selbst in den höchsten Ligen.
Allerdings gibt es am Spielfeldrand keinen Standort, von dem man das gesamte Spiel gut im Überblick hat, egal welche Brennweiten man einsetzt. Im Gegensatz zum Fußball stehen die Spieler beim Amercian Football etwas geballter in einem kleineren Bereich und erscheinen auch massiger. Man sollte also nach Möglichkeit immer auf Ballhöhe bleiben. Das hat aber auch den Vorteil, daß man z.B. bereits mit einem mittleren Teleobjektiv von 70-200mm gut über die Runden kommt. Nur für wirklich lange Pässe über fast das ganze Feld benötigt man ein 300 oder 400mm Objektiv.
Der Ball wird vor jedem Spielzug vom Schiedsrichter aufs Feld gelegt, an diesem Anspielpunkt kann man sich leicht orientieren, um den geeigneten Standort zu finden. Außerdem wird am Spielfeldrand durch zwei Marker die 10-Yard-Zone angezeigt, die mindestens in vier Versuchen zu überwinden sind. In diesem Bereich ist das hauptsächliche Geschehen zu erwarten. Abgesehen vom Laufspielzug prallen dort die Offense und Defense aufeinander. Falls man einen Passspielzug erwartet, kann man noch ein paar Meter in Angriffsrichtung weitergehen, wenn man denn den Receiver besser ins Bild bekommen möchte.
Da während des Spiels je nach Spielsituation das komplette Team auswechselt wird (Offense, Defense und Special Team), mehrere Trainer aktiv beteiligt sind, und man am Feldrand in unmittelbarer Nähe der Teamzone ist, lonht sich immer wieder ein Blick in diese Richtung. Dort findet man Motive, die es bei anderen Sportarten sonst nicht zu sehen gibt. Außerdem gibt es am Spielfeldrand sogar in den untersten Ligen immer wieder hübsche Mädels zu fotografieren, nämlich die Cheerleader.
Da Football eben in denselben Stadien gespielt wird wie Fußball, hat man mit den gleichen Wetter- und Lichtverhältnissen zu rechnen wie sie sich eben bei Außenaufnahmen ergeben können (Sonne, Schatten, Regen usw). Aufgrund der Schnelligkeit bei dieser Sportart, benötigt man wieder Belichtungszeiten von 1/640s und schneller. Um dies unter allen Bedingungen zu erreichen, braucht man auch hier lichtstarke Objektive und ggfs. hohe ISO-Werte und damit eine möglichst rauscharme Kamera.
Eine besondere Herausforderung ist das Fotografieren der Gesichter der Spieler. Zum einen fällt durch den Helm oft ein Schatten aufs Gesicht, zum anderen sind selbst in Deutschland mittlerweile einige dunkelhäutige Spieler im Einsatz. Damit das Gesicht nun nicht unterbelichtet wird, ist meistens eine Belichtungskorrektur von 1/3 bis 2/3 Blenden notwendig, um eine leichte Überbelichtung zu erzielen, und das Gesicht somit erkennbar zu machen. Wie immer bei wechselnden Lichtverhältnissen oder schwierigen Lichtsituationen sollte man ein paar Testaufnahmen machen, um die besten Belichtungswerte zu ermitteln.
American Football ist sicher keine Sportart für den Einstieg in die Sportfotografie. Neben einer guten Ausrüstung benötigt man auch sehr gute Kenntnisse über die Sportart und das Spiel ansich. Dafür ist es eine faszinierende Sportart, die nicht alltägliche Motive bietet.


Schöner Artikel, genauso wie für die Fotografie braucht man für das Spiel auch gute Kenntnisse und vor allem eine sehr gute “Schutz”-Ausrüstung, sonst kanns gefährlich für die Spieler werden.
Schöner Artikel! Ich bin in München häufiger bei den Cowboys unterwegs und habe bisher vergeblich versucht, ordentliche Aufnahmen zu machen.
Insbesondere die Belichtungszeit ist extrem wichtig, weil das Spiel schon extrem schnell abläuft.