Bildkomposition bei der Sportfotografie

Auch wenn man eine sportliche Szene technisch perfekt einfängt, ist die Bildkomposition ebenfalls für die endgültige Bildwirkung entscheidend.
Die Komposition bestimmt die Beziehungen der einzelnen Bildelemente zueinander. Dazu gehören neben dem Hauptmotiv auch der Vorder- und Hintergrund. Wie sind sie zueinander angeordnet? Wo liegt die Schärfe, und wie ist der Verlauf der Schärfentiefe? Wohin bewegen sich die Sportler, wohin blicken sie?
Es ist immer Geschmacksache wie alle Komponenten im Zusammenhang wirken, doch bestimmte Sehgewohnheiten sind bei den meisten Menschen gleich. Schon die Meister der klassischen Malerei wussten um die Regeln der Komposition und nutzten sie. Ein bereits damals bekanntes Kompositionsmerkmal ist der Goldene Schnitt. Er bezeichnet ein Längenverhältnis von 3:5, das als besonders harmonisch empfunden wird. Manche Kamera besitzt bereits solche Hilfslinien im Sucher, bei anderen kann man die Mattscheibe im nachhinein austauschen. Das Linien-Gitter teilt die Bildfläche im entsprechenden Verhältnis auf, damit ist es einfach, Motivteile nach den Regeln des Golden Schnitts zu platzieren. Bilder, die gegen diese Regel verstoßen, können schnell langweilig wirken. Sind keine Lininen vorhanden, teilt man sich das Bild als Faustformel einfach in Drittel ein.
In der Sportfotografie finden sich im Bild meistens im Bild eine Reihe von Elementen wieder, die in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen sollten, natürlich auch abhängig davon, welche Bildwirkung man erzielen möchte. Platziert man einen Läufer z.B. nahe der Drittellinie statt direkt in die Mitte, verschafft man ihm Raum, in den er sich hineinbewegen kann. Dadurch erhält man ein Stilmittel, mit dem man noch etwas mehr zum Sportler oder der Sportart aussagen kann.
Das Sehverhalten ist auch vom Leseverhalten geprägt. Wer von links nach rechts liest, der gewichtet Objekte auf der rechten Seite höher als die auf der linken Bildseite. Zudem steht die linke Bildseite für die Vergangenheit, und die rechte Seite für die Zukunft. Der Blick einer Person, die nach rechts schaut, ist damit in die Zukunft gerichtet und der Blick nach links in die Vergangenheit. In z.B. arabischen Kulturkreisen ergibt sich eine gegenteilige Wirkung, weil dort von links nach rechts gelesen wird.
Szene vom Handball: im rechten Drittel ist der Spieler angeordnet, der wirft, in der linken Hälfte ist die Abwehrmauer zu sehenDie gezielte Bildkomposition kann natürlich einfacher angewendet werden, wenn man Zeit hat, die Aufnahmen zu planen und durchzuführen. Für den Bildberichterstatter bzw. Pressefotografen, bei dem es “nur” darauf ankommt ein Sportfoto zu schiessen, ist es schwieriger sich um die Bildkomposition Gedanken zu machen. Die Bilder in den Tageszeitungen leben vom Inhalt, also der Action und den Emotionen, weniger von Stilmitteln. Dafür bleibt den Kollegen leider gar keine Zeit.

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