Nahaufnahme – Die Augen

Nahaufnahmen sind für den Fotografen vermeintlich einfacher zu fotografieren als Bildaussschnitte, denn hier gibt es weniger störende Einflüsse durch Hintergrund, Kleidung, Accessoires oder sogar durch die Haare bzw. Frisur. Andererseits könnte man Close-ups auch zur schwierigsten Disziplin ernennen, denn hierbei verzeiht einem die Aufnahme keinen Fehler, von Komposition über Ausleuchtung bis Schärfe hat alles 100% zu stimmen, damit das Bild harmonisch wirkt. Es wird allein vom Gesichtsausdruck des Fotomodels dominiert.
Aneta (Kopfportraitbild)Bei einer Aufnahme des gesamten Gesichts sind die Augen das Hauptmotiv. Ihnen gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit bei der Bildgestaltung und den Aufnahmeparameter. Auch wenn man in der modernen Portraitfotografie hinsichtlich des Ausschnitts fast alle Freiheiten hat, existiert eine unumstößliche Regel: Die Augen im Bild müssen scharf abgebildet sein. Bei der Arbeit mit Offenblende gibt es allerdings eine Ausnahme, denn hier beträgt die Schärfentiefe je nach Brennweite oft nur wenige Zentimeter, so daß man eventuell nur ein Auge scharf bekommt.
Dabei ist es Ansichts- bzw. Geschmackssache, welches Auge durch die Schärfe betont wird. Im Regelfall sollte das der Kamera näher liegende Auge betont werden. Anderer Auffassung nach sollte man das besser ausgeleuchtete Auge scharf abbilden. In diesem Punkt sollte man bei der Aufnahme entscheiden, welche Variante besser paßt. Im Idealfall nimmt man beide Möglichkeiten war, und macht zwei Aufnahmen, um später die bessere Variante auszuwählen. ;-)
Genauso wichtig wie die Schärfe sind die Lichtreflexe in den Augen. Ein Auge ohne Lichtreflex wirkt auf den Betrachter tot. Auch wenn die Aufnahme ansonsten stimmig ist in allen Komponenten, dieser “Fehler” macht die Bildwirkung zunichte. Bei Aufnahmen im Freien sowie bei Available Light-Fotografie sollte man mittels eines Reflektors, das kann auch eine helle Wand sein, einen Lichtreflex in die Augen lenken. Bei Blitzaufnahmen erhält man automatisch Lichtreflexe, sog. Spitzlichter in den Augen. Hierzu schließt sich gleich die Frage an, ob auch Mehrfachreflexe vorkommen dürfen, ob also mehrere Lichtquellen im Auge zu sehen sein dürfen. Einen feste Regel gibt es auch hierbei nicht. Es ist im Einzelfall zu entscheiden, ob bei mehr als einem Lichtreflex das Auge noch natürlich wirkt, die Augenfarbe noch zu erkennen ist und die Gesamtwirkung des Fotos nicht zerstört wird. Im schlimmsten Fall retuschiert man nachträglich die störenden Reflexe bei der Bildnachbearbeitung weg.
Ein weiterer wichtiger Faktor bei einem Close-up ist die Blickrichtung. Bei den meisten Nahaufnahmen wird der Blick des Models direkt in die Kamera und damit zum Betrachter führen. Dadurch entsteht eine Kommunikation mit dem Zuschauer, allerdings kann dieser “Blickkontakt” den Betrachter auch verunsichern, und er schaut das Bild nicht sehr lange an. Bei einem abgewendeten Blick findet zwar keine direkte Kommunikation statt, dafür kann das Foto länger betrachtet werden.
Emotionen lassen sich auch durch eine andere Blickrichtung darstellen. Wer kennt nicht Bildtitel wie “in Gedanken verloren”, “Sehnsüchtig” und ähnliches. Wenn der Blick des Fotomodels aus dem Bild herausgeht, sollte er sich nicht direkt gegen den Bildrand richten. Er sollte also möglichst kein “Fahndungsfoto” in Halbprofilansicht entstehen. ;-) Eine z.B. Viertelprofilansicht mit einem Blick leicht nach hinten oder vorne fallend ist wesentlich vorteilhafter.

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