Nahaufnahme – Das Gesicht
Das Gesichtsportrait ist wahrscheinlich die intimste Form einer Fotoaufnahme. Wenn man einen Menschen kennenlernt, sieht man ihm zunächst ins Gesicht. Dabei versucht man mehr über denjenigen zu erfahren. Dinge, die man noch nicht über ihn weiß, die er vielleicht verschweigt. Alles das versucht man im Gesicht zu ergründen. Ob die Person glücklich ist oder traurig, ob sie einem wohlgesinnt oder feindlich gegenüber steht, das kann man alles aus der Mimik ablesen.
Bei Erwachsenen erkennt man allerdings auch viel über deren bisherigem Leben in den Gesichtszügen. Ob das “Fotomodel” will oder nicht, sein Gesicht erzählt einen Teil seiner Lebensgeschichte. Sei es auch nur der wenige Schlaf der letzten Nacht, der sich in Augenringen bzw. dunklen Schatten unter den Augen bemerkbar macht.
Und nicht zu vergessen, die Falten und Fältchen, über die sich manche Dinge im wahrsten Sinne des Wortes “ins Gesicht gegraben” haben.
Es obliegt der Sensibilität des Fotografen, wie nah er dem Menschen mit dem Close-up kommen möchte oder darf. Eine Fotografie zeigt oft nicht die Wahrheit, denn als Fotograf entscheidet man, wieviel man von dem Fotomodel preisgeben möchte und ob die Aufnahme den wahren Charakter des abgebildeten Menschen zeigen soll. Diese Entscheidung trifft man mit der Wahl des Objektivs, der Brennweite, der Ausleuchtung und der Schärfentiefe im Bild. Bei der Nahaufnahme kommt der Wahl der Mittel eine besondere Bedeutung zu.

