Ist der Einsatz einer Visagistin sinnvoll?
Auch wenn sich die meisten weiblichen Fotomodelle selber schminken können, sollte im Vorgespräch geklärt werden, ob eine Visagistin das Schminken übernehmen soll oder nicht. Denn auch beim Make-up wie der Frisur können Kleinigkeiten ein Bild zerstören oder verbessern. Gerade bei Anfänger-Modellen reicht manches Make-up vielleicht noch für die Disco am Samstagabend aus, aber nicht für vorzeigbare Portraitbilder, weil das Model aussieht als wäre es in den Farbtopf gefallen.
Auch dieses ist ein Grund, sein Model kurz vorab einmal persönlich kennenzulernen. Dann kann man sich selber überzeugen, wie es mit den Schminkfähigkeiten aussieht.
Zu Beginn seiner “Karriere” hat man als Fotograf sicherlich andere Sorgen und Hindernisse zu überwinden, aber im Laufe der Zeit sollte man sich überlegen, ob man nicht einen Grundkurs in Sachen Make-up belegt. Zum einen ist man für den schlimmsten Fall gerüstet, und kann selber Hand anlegen, zum anderen kann man auch wesentlich präzisere Anweisungen zum Schminken geben. Eventuell hat man aber auch Glück und kann im Laufe der Zeit eine Visagistin für eine langfristige Zusammenarbeit gewinnen. Bei günstigen Konditionen wie vielleicht sogar mal bei außergewöhnlichen Ideen auf TfP-Basis, hat man dann mit dem Thema Make-up nichts mehr am Hut.
Es geht hier zuerst einmal nur um klassische Portraitaufnahmen, und nicht um aufwendige Beauty- und Glamour-Aufnahmen. Das Make-up und die Frisur sollen in erster Linie den Charakter das Models unterstreichen, und zum Typ passen. Es sollte der Teil des Gesichts betont werden, auf dem auch der Fokus beim Bild liegt. Ein auffälliger Lippenstift sollte nicht von den Augen ablenken, genauso wenig wie ein fabrenfroher Lidschatten von den Lippen. Hingegen kann man mit einem Konturenstift entweder Lippen kleiner wirken lassen oder auch größer, jenachdem welche Regulierung für die Bildwirkung notwendig ist. Die Farbauswahl, also wärmere oder kühlere Farben, bei Lippenstift und Lidschatten richtet sich nicht nur nach dem Typ des Models, sondern auch nach der Kleidung. Hier sollte farbliche Harmonie herrschen, damit nicht “Farbpunkte” vom wesenlichen im Bild ablenken.
Falls als Endprodukt Schwarzweißfotos geplant sind, sollten beim Make-Up kräftige, dunkle Farben gewählt werden, damit die fehlende Farbwirkung im endgültigen Foto durch einen guten abgestuften Kontrast aufgefangen wird.
Arbeitet man mit einer Visagistin oder Visagisten zusammen, sollte man sich vorher Notizen machen oder noch besser Beispielbilder sammeln, z.B. aus Zeitschriften, um vorab seine Vorstellungen besser vermitteln zu können. Für ein normales Tages-Make-up sollte man beim Shooting ein halbe bis dreiviertel Stunde einplanen, für aufwendige Beauty-Aufnahmen kann ein komplettes Styling (Make-up und Haare) durchaus mehrere(!) Stunden dauern.
Auch wenn hier meistens von “Visagistin” geredet wird, so gibt es durchaus auch Visagisten, aber eben sehr selten. Viel wichtiger als das Geschlecht ist allerdings die Fähigkeit auch Haare frisieren zu können. Das beste Make-up nutzt nichts, wenn die Frisur dazu nicht paßt. Eine Ausbildung zur Friseuse oder zum Friseur sollte daher vorhanden sein. Neudeutsch heißt es mittlerweile “Make-up-Artist und Hairstylist”. Das sind die Fachleute, die sich mit Make-up auskennen, oft auch mit Spezialeffekten (z.B. Blut, Wunden, Narben), und natürlich mit dem Hairstyling.

