Ansichten in der Portraitfotografie
In den wenigsten Fällen wird man ein Fotomodel frontal von vorne aufnehmen. Diese Fotos werden heute eher als Paßfotos verwendet, aber nicht als künstlerische Portraitbilder.
Aufgrund der unterschiedlichen Blickwinkel des Models in Beziehung zur Kameraebene spricht man von veschiedenen Ansichten. In der weniger genutzten Frontalansicht ist das Gesicht des Models dem Fotografen zugewandt. Das Fotomodel schaut daher den Betrachter direkt an, es wird große Nähe vermittelt. Diese Situation findet sich in der Realität nur im direkten Gespräch wieder.
Beim Dreiviertelprofil ist das Gesicht leicht aus der Frontalansicht zu einer Seite gedreht. Dadurch wirkt die dem Betrachter zugewandte Seite optisch etwas voller, die abgewandte Seite etwas schmaler, und sie liegt oft auch etwas im Schatten. Mit dieser Ansicht können somit Gesichtsformen optimiert werden, da sich im Regelfall die Gesichtshälften eines Menschen unterscheiden. Es gilt also herauszufinden, welches die “Schokoladenseite” ist, um diese dann aufzunehmen.
Im Halbprofil wird das Gesicht so aufgenommen, daß das zweite Auge noch zu erkennen ist. Diese Ansicht findet sich auch in der Wirklichkeit häufig wieder, denn der Betrachter nimmt seine Gesprächspartner in größerer Runde häufig aus diesem Blickwinkel wahr. Auch in dieser Ansicht sollte man die vorteilhafte Gesichtshälfte des Portraitierten herausfinden, und diese aufnehmen.
Beim Viertelprofil handelt es sich fast schon um ein Profilfoto. Das zweite Auge ist nicht mehr zu sehen, bestenfalls noch die Wimpern oder nur ein wenig vom abgewandten Nasenflügel.
In der Profilansicht wird das Gesicht von der Seite aufgenommen. Diese ungewöhnliche Ansicht erweckt eher den Eindruck von erkennungsdienstlichen Fotos als von künstlerischen Portraitbildern. Bei diesen Aufnahmen findet keine Kommunikation zwischen Fotomodel und Betrachter statt. Hier wird eher die Kopfform des Models hervorgehoben bzw. man verwendet diese Art der Aufnahmen, um z.B. ein besonders aufwendiges Make-up und damit die Arbeit einer Visagistin zu präsentieren.
Für eine Portraitaufnahme wählt man besten eine Ansicht zwischen der Frontalansicht und dem Viertelprofil. Dadurch hat man immer einen großen Teil des Gesichts im Bild, und man ist variabel was Blickrichtung und Kopfhaltung betrifft. Somit kann man bei der Bildwirkung ganz leicht experiementieren, in dem man das Fotomodel den Kopf in derselben Ansicht etwas neigen, senken oder anheben läßt. Und wenn das Model dann noch bei den verschiedenen Kopfhaltungen in unterschiedliche Richtungen blickt, wird man feststellen, wie leicht man die Bildwirkung mit so kleinen Veränderungen schnell beeinflussen kann.


Sehr schöner und interessanter Bericht.Danke für die Infos und all diese Tipps hier, finde den ganzen Blog schon sehr schön.Weiter so!