Wie nützlich ist Bildkritik?
Egal wie selbstkritisch man ist, es wird einen immer weiterbringen, wenn man seine Fotos auch anderen zeigt. Auf irgendeine Art ist jede Meinung zum Bild nützlich, egal ob vom Profi-Fotografen oder vom nächsten Verwandten. Denn jeder beurteilt das Bild unter anderen Gesichtspunkten, ob subjektiv, technisch oder emotional.
Familie Freunde oder Bekannte sind selten Fachleute, aber sie sind in der Regel ehrlich und spontan. Sie können vermutlich nicht die technischen Aspekte kritisieren, liefern aber häufig Anregungen, warum sie ein Bild mögen oder ablehnen. Bei einer Bemerkung wie “Das ist ein tolles Foto”, fragt man am besten nach, was denn tatsächlich an dem Bild gefällt. Manchmal mag der Betrachter einfach nur das Model, im anderen Fall spricht ihn die Farbkomposition an. In diesen Fällen ist es der subjektive Geschmack, den man dann getroffen hat oder auch nicht. Hieraus wird man für zukünftige Bilder wenig Nutzen ziehen können. Oft sind es aber nur Kleinigkeiten, die den Betrachter das Bild mögen oder ablehnen lassen. Mal sieht z.B. das Auge “komisch” aus, beim anderen Foto wirkt irgendetwas schief, diese Informationen helfen einem weiter, beim nächsten Mal selber auf diese Einzelheiten zu achten, und sie zu ändern.
In Fotoclubs oder Fotoforen im Internet kann man mit Gleichgesinnten über die dort veröffentlichten Bilder diskutieren. Allerdings hat die Sache einen Haken. Zum einen trifft man sicher auf Menschen mit geschulten Auge, die hilfsbereit sind und einem bereitwillig technische und gestalterische Tips geben. Zum anderen gibt es dann die Bewunderer, die Bilder kritiklos betrachten, sowie nicht zuletzt die Neider, die immer ein “Härchen in der Suppe” finden. Es kann eine Zeit dauern, bis man die richtigen Leute gefunden hat, aber dann werden diese Kritiker einen bestimmt weiterbringen in der Bildgestaltung.
Durch Bildkrititk wird im Grunde der Ist-Zustand festgestellt. Man erhält eine Aussage darüber, wo man gerade fotografisch steht. Aus diesen Informationen lernt man dann, und entwickelt sich dementsprechend weiter, manchmal schneller als man denkt. Es hängt natürlich von der Kompetenz der Kritiker ab, und damit von der Nützlichkeit der Bildkritiken. Weder ausnahmsloses Lob, noch herbe Kritik sind vorteilhaft. Nur Lob läßt einen glauben, man hätte sein Potential bereits ausgeschöpft, und man könnte sich nicht mehr weiterentwickeln. Derbe Kritik könnte einem den Spaß an der Fotografie nehmen und demotivieren. Wie auch bei anderen Diskussionen, sollte man sich nur mit den sachlichen Aussagen befassen, und über emotionale wie persönliche Angriffe hinwegsehen, auch wenn es vielleicht manchmal schwer fällt.

