Warum fotografieren?

Bevor wir uns den praktischen Themen zuwenden, möchte ich nur kurz zum Nachdenken anregen. ;-)
Wer sich mit der Fotografie beschäftigt, stellt sich im Laufe seines Fotografenlebens sicher sehr viele Fragen z.B. zur Technik, Ausrüstung und Bildbearbeitung. Aber eine Frage wird leicht übergangen, und vermutlich selten beantwortet: “Warum fotografiere ich?”

Ein gewisses Maß Technik-Interesse war zumindest bei mir der Ausgangspunkt. In meiner Jugend gab es noch keine Computer oder Spielekonsolen, da waren Radios, Tonband-Geräte oder eben Foto-Apparate die technischen Höhepunkte, die man sich erfüllen konnte. :-) Erst durch das Fotografieren selbst kam dann die Faszination hinzu, den Augenblick festhalten zu können. Die üblichen Gelegenheiten für den Foto-Anfänger die Kamera zu aktivieren sowie Motive zu finden sind Familienfeiern, Freundeskreis, Hobby, Ausflüge oder Urlaub. Jenachdem welcher Freizeitgestaltung man nachgeht, kommt es eventuell zu einer Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema, so wie es z.B. bei mir der Sport gewesen ist. Das bedeutete in den meisten Fällen, daß die Kamera nur an wenigen Tagen hervorgeholt wurde, denn früher zu Analog-Zeiten spielte der finanzielle Faktor noch eine große Rolle. Filme und Entwicklung waren aufs einzelne Bild umgerechnet im Vergleich zu heute sehr teuer. Die Ausbeute des Hobby-Knipsers war deshalb nicht sehr ergiebig. Erst mit der Digital-Technik setzte sich die Fotografie als Allerwelt-Hobby durch, und war für sehr viele Leute erschwinglich.

Es hat Jahre gedauert, zeitweise mit längeren Pausen, bis ich durch einen VHS-Kurs intensiver in die Fotografie eingestiegen bin. Ich habe die Studio-Fotografie kennengelernt, und war begeistert von der Möglichkeit genauso arbeiten zu können wie man es nur von professionellen Fotografen kannte, in einem Studio unter kontrollierten Lichtverhältnissen mit einem Fotomodell. :-) Und genau diese Zusammenarbeit mit anderen macht mir Spaß. Ideen sammeln, ein Foto-Shooting planen, und dann mit dem Fotomodell und eventuell einer Visagistin zusammen gute Bilder erstellen, die am Ende allen Beteiligten gefallen, das ist für mich das faszinierende und sinngebende in der “Menschen”-Fotografie.

Im Gegensatz dazu steht die Sportfotografie. Dort läßt sich nur wenig planen, man braucht eine schnelle Auffassungsgabe, Reaktionsschnelligkeit und Gespür für die Situation. Hier liegt der Reiz darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und dann rechtzeitig den Auslöser betätigt zu haben. ;-)

Wer sich etwas ausführlicher mit den Hintergründen der Fotografie befassen möchte, ist mit dem Buch “Fotos sehen, verstehen, gestalten” von Martin Schuster sehr gut bedient. Es ist trotz der psychologischen Betrachtung leichtverständlich geschrieben und enthält ein Fotopraktikum mit Anregungen für Motive.

Zitat vom Bucheinband:

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und mit dem Fotoapparat ist es leicht, sich ein oder auch viele Bilder zu machen. Martin Schuster spürt den psychologischen Aspekten der Fotografie nach: Welche Motive werden gewählt? Was verbindet Fotografen und Fotografierte? Was erleben wir beim Betrachten eigener und fremder Fotos? Er zeigt, wie Fotos genutzt werden können, um die Vergangenheit wieder lebendig zu machen und wie Presse- und Werbefotografen mit Fotos an unsere Wünsche und Sehnsüchte appelieren. Hinweise zur Alltagsfotografie ermuntern dazu, ungeachtet künstlerischer Ambitionen die Fotografie für das eigene Leben intensiver und persönlicher zu nutzen.

Literaturempfehlung:
Schuster, Martin Prof. Dr.: Fotos sehen, verstehen, gestalten. Berlin: Springer-Verlag, 2.Auflage 2005. ISBN 3-540-21929-3

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